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| 02:43 Uhr

Es reift so schön im Stillen

Micha Brendel aus Hohendorf bei Golßen bei der Eröffnung seiner Ausstellung.
Micha Brendel aus Hohendorf bei Golßen bei der Eröffnung seiner Ausstellung. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben/Luckau. Nichts Geringeres als der geheimnisvolle Zauber von Werden und Vergehen ist eines der zentralen Themen des Künstlers Micha Brendel. Seine neue Ausstellung, unter dem Titel "Heiteres erobern" diese Woche eröffnet, ist jetzt in der Vertikale-Galerie des Landkreises in Lübben zu sehen. Ingvil Schirling

Micha Brendels Kunst lebt von Spannung. Seine Motivation auch. Das kitzelte Kulturdezernent Carsten Saß (CDU) beim traditionellen Künstlergespräch aus dem Hohendorfer heraus.

Ruhe auf dem Land

Vor vier Jahren zog Brendel, nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Metropole Berlin, in einen der kleinsten Weiler des Landkreises Dahme-Spreewald, vor den Toren von Golßen gelegen und so winzig, dass es eigentlich nur eine Straße hinein und wenige Trampelpfade hinaus gibt.

Nach Hohendorf.

Der Wechsel habe ihm gutgetan, begründete Micha Brendel. Nicht nur, weil sich auf dem Lande ausgereizte Themen beruhigen konnten. Sondern auch, weil sich für ihn mit der Restaurierung seines Gehöfts und den damit verbundenen Anforderungen nach Exaktheit neue Spannungsfelder ergaben.

"Die Kunst lässt einem ja viel Freiheit", fasste Brendel seine Gedanken in Worte, "aber so eine Tür muss schließen, der Putz muss halten". Und noch eines bewegte ihn: "Mit 28, da zieht man um die Häuser, geht jeden zweiten Tag auf eine andere Vernissage. Vielleicht wird im Alter hingegen die Reflexion wichtiger als das Erleben in der äußeren Welt."

Individuelle Deutung

Also schlummerten Ideen im Inneren, reiften bis zur Wiederentdeckung. "Zeichnen ist wie ein Gang in den Keller, in dem die Schätze der vergangenen Winter lagern", sagt der Künstler poetisch. Das Arbeitskonzept ist in Micha Brendels Kunst nicht neu.

Eigentlich lasse er arbeiten, gestand er mit einem Lächeln. Mit "alchimistischer Ader" mischt er Metalle wie Gold, Organisches wie Kaffee oder Tee. Anschließend dürfen sie in aller Ruhe Kontakt miteinander aufnehmen, ineinander zerfließen, miteinander reagieren. "Nach zwei Wochen schaue ich schließlich nach, was sie getrieben haben", erklärt Micha Brendel scherzhaft.

Als Künstler setzt er an, arbeitet mit Tinte in das Entstandene hinein, gibt ihm damit Form und Deutung - die am Ende an das anknüpft, was auch in ihm gereift ist, was er reflektiert hat.

So erobern sich Erfahrungen und Materialien das Papier, im besten Fall mit heiterem Gemüt und pointiertem Titel auf den Weg zur individuellen Deutung des Betrachters geschickt.

Zum Thema:
Die Ausstellung "Heiteres erobern" ist während der Öffnungszeiten der Landkreisverwaltung am Lübbener Beethovenweg 14 zu sehen: Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 16 Uhr. Micha Brendel wurde 1959 im thüringischen Weida geboren und lebte von 1987 bis 2012 als freischaffender Bildender Künstler in Berlin, ehe er nach Hohendorf zog.