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| 18:15 Uhr

Wie der SV Grün-Weiß Lübben mit Rassismus-Vorwürfen umgeht
„Es hemmt den Verein noch immer“

Die Männermannschaft von Grün-Weiß Lübben.
Die Männermannschaft von Grün-Weiß Lübben. FOTO: Wiesner
Lübben. Wie der Fußballverein SV Grün-Weiß Lübben mit den Rassismus-Vorwürfen rund um seine Männermannschaft umgeht. Von Steven Wiesner

Man kann eine ganze Menge lernen durch den Sport und den Fußball. Man lernt, welche Nationalflaggen und –hymnen zu welchen Ländern gehören. Wenn es der Spielplan des Lieblingsvereins unbedingt möchte, erlangt man auch geografische Kenntnisse und lernt, wo sich Orte wie Gütersloh oder Pirmasens auf der Landkarte verstecken. Darüber hinaus hat der Sport aber auch die Macht, Werte zu vermitteln. Respekt, Fairness und Teamfähigkeit. Die Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen, die sonst vielleicht nie miteinander in Kontakt kommen würden. Und die Botschaft, dass auf dem Spielfeld jeder gleich und für den anderen da ist.

Der Fußballverein SV Grün-Weiß Lübben aber ist in den zurückliegenden Wochen und Monaten in Verruf gekommen, genau für diese Werte nicht zu stehen, seit ein Lübbener Spieler Ende April drei dunkelhäutigen Gegnern aus Bernau bei der obligatorischen Begrüßung vor dem Anstoß den Handschlag verweigert haben soll. Der betroffene Akteur hat den Vorfall zwar bestritten und der Verein das Urteil auch bis in die letzte Instanz angefochten, dennoch wurde der Spieler vom Sportgericht des Fußball-Landesverbandes Brandenburg zu einer Geldstrafe und fünf Spielen Sperre verurteilt. „Der Präsident aus Bernau sagte mir damals, dass sie Woche für Woche auf vielen Brandenburger Plätzen negative Erfahrungen gemacht hätten“, erzählt Thomas Schmidt, der Trainer von Lübbens Männermannschaft. „Zur Anklage wurde aber nur unser Fall gebracht.“ Und alles schaute auf Lübben.

Lübbens Sportlicher Leiter: Mike Friedrich
Lübbens Sportlicher Leiter: Mike Friedrich FOTO: FuPa Brandenburg

Monate später, als im August das nächste Aufeinandertreffen mit Bernau anstand, ging es weiter. „Wir hatten eigentlich einen Haken unter das ganze Thema gemacht“, sagte Lübbens Sportlicher Leiter, Mike Friedrich, gegenüber FuPa Brandenburg. Doch nach einer Provokation im Vorfeld des Spiels, als ein Bernauer Verantwortlicher im Internet behauptete, die Lübbener Spielstätte würde ihrem Namen „Stadion der Völkerfreundschaft“ nicht gerecht werden, entschied sich die Lübbener Mannschaft, diesmal komplett auf den Handschlag vor dem Anpfiff zu verzichten, und teilte dies vorab dem Schiedsrichter sowie dem gegnerischen Trainer mit. „Mit der Bernauer Mannschaft und auch den dunkelhäutigen Spielern gab es überhaupt keine Spannungen an diesem Tag“, so Friedrich. Doch auch diese Aktion wurde dem Verein als Missachtung des Fairplays ausgelegt. Und wieder sah sich der Verein mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert.

Lübbens 
Trainer: Thomas Schmidt
Lübbens Trainer: Thomas Schmidt FOTO: FuPa Brandenburg

Ein Umstand, der den Verantwortlichen zu schaffen macht. „In gewisser Weise hemmt es den Verein noch immer“, sagt Thomas Schmidt. Die Schlagzeilen sind in der Welt und das, was sie anrichten, muss erstmal wieder eingeholt werden. „Wenn man sowas unbedingt konstruieren möchte, passt das ja auch gut zusammen mit den Erfahrungen aus Südbrandenburg“, sagt Schmidt. Und er leugnet auch nicht, dass auch vereinzelte Zuschauer in Lübben mal Beleidigungen aufs Feld rufen. „Das ist aber kein Problem, das Lübben allein hat. Leider gibt es sowas überall“, sagt Schmidt. Und Mike Friedrich ergänzt: „Unser Verein distanziert sich klar von rassistischer Diskriminierung.“

Dass dies nicht nur eine hohle Phrase ist, beweist der SV Grün-Weiß Lübben unter anderem mit verschiedenen Angeboten für Flüchtlingskinder, die über den Fußball Anschluss finden sollen. „Gemeinsam mit der TSG Lübben und anderen Vereinen will unser Verein die Arbeit in diesem Bereich stärken“, sagte Friedrich der RUNDSCHAU schon im April. Und darüber hinaus treten in der Ersten Mannschaft auch zwei Brasilianer, ein Schweizer und neuerdings sogar ein Spieler aus dem Iran gegen den Ball. Friedrich: „Wir sehen die Jungs nicht nur als Fußballer, sondern als Menschen, die wir durch Jobs und Ausbildungen ins Leben integrieren wollen.“ Und auch von ihnen können die Lübbener sicher noch eine ganze Menge lernen.

MORGEN Lübbens Bürgermeister Lars Kolan und die stellvertretende Sachgebietsleiterin Kultur, Ines Mularczyk, sprechen über Rassismus, „Wir sind mehr“ und eine erneute Flüchtlingswelle.