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| 16:55 Uhr

Landwirtschaft
Erntebilanz fällt bescheiden aus

Erntehelferin Erika Condrea (Rumänien) bei der Ernte des ersten Spargels am 26. März dieses Jahres auf einer Anlage des Vetschauer Spreewaldbauern Ricken in der Nähe von Suschow.
Erntehelferin Erika Condrea (Rumänien) bei der Ernte des ersten Spargels am 26. März dieses Jahres auf einer Anlage des Vetschauer Spreewaldbauern Ricken in der Nähe von Suschow. FOTO: Peter Becker / LR
Lübben/Luckau/Lübbenau. 20 Prozent weniger Getreide, aber gute Erträge bei Mais und Kartoffeln in der Spreewaldregion.

Viel Regen nach langer Trockenheit und ein eisiges Frühjahr, dann ein mehr als nasser Sommer – den Landwirten in der Region dürfte 2017 als kein gutes Erntejahr in Erinnerung bleiben. Eher als das ganze Gegenteil. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat nun eine Zahlenbilanz veröffentlicht, die vom Bauernverband im Wesentlichen bestätigt wird.

„In der Landwirtschaft gab es 2017 extreme, ungünstige Witterungsbedingungen“, schätzt die zuständige Dezernentin in Dahme-Spreewald, Marion Degenhardt, ein. „So fiel in den Monaten Mai und Juni sechs Wochen lang kein Regen, es gab Spätfröste im Mai und Starkniederschläge während der Ernte.“

Dies habe dazu geführt, dass die Getreideernte in diesem Jahr mit 36,1 dt/ha (Dezitonne je Hektar) um 20 Prozent schlechter ausfiel als im Vorjahr. Auch bei Raps sei die Ernte schlecht gewesen.
„Dazu kommt, dass durch die feuchte Witterung während der Ernte sehr unterschiedliche Qualitäten vorhanden waren und das Getreide oftmals nur für Futterzwecke genutzt werden konnte“, heißt es weiter.
Doch das Jahr war nicht nur schlecht. Gute bis sehr gute Erträge seien bei Mais, Kartoffeln, Sonnenblumen und auf dem Grünland zu verzeichnen gewesen. Die Futterversorgung der Tiere mit Heu für das kommende Winterhalbjahr könne damit als abgesichert gelten.

In den Betrieben mit ökologischem Landbau lagen die Erträge bei etwa 40 Prozent zum konventionellen Anbau. Rund 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden im Landkreis Dahme-Spreewald ökologisch bewirtschaftet. Tendenz: steigend. Das Brandenburger Rekordhoch beim ökologischen Landbau spiegelt sich auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis wider. Die Anzahl der Betriebe, die die strengen Richtlinien befolgen, ist hier auf 25 angestiegen. Die Öko-Bauern in OSL bewirtschaften knapp 5500 Hektar. Brandenburgweit ist dieser Wert auf 145 812 Hektar angestiegen. Die konventionelle Landwirtschaft in Oberspreewald-Lausitz ist mit einem Flächenanteil von 85 Prozent immer noch deutlich bedeutender. Gemeldet sind 188 Betriebe, die auf rund 31 400 Hektar wirtschaften.

Insgesamt hat die Zahl der landwirtschaftlichen Unternehmen in Oberspreewald-Lausitz abgenommen. Im Jahr 2013 gab es noch 235 Firmen. Nun sind es 213.

Hauptanbaukultur im Oberspreewald-Lausitz-Kreis ist mit Abstand das Getreide. Der Anteil an der Gesamtfläche liegt bei rund 46 Prozent. Roggen wird am häufigsten angebaut, gefolgt von Körnermais, Weizen, Gerste und Triticale. Bei den Tierbeständen in OSL machen gut 15 000 Rinder den größten Teil aus, gefolgt von etwa 14 300 Schweinen, die nicht in industriellen Anlagen gehalten werden,  Schafe (413), Pferde (399), Dam- und Rotwild (103) sowie Ziegen (96) machen einen eher unbedeutenden Anteil aus.

In Dahme-Spreewald bleibt die Situation in der Tierproduktion angespannt. „Obwohl die Milch­erlöse sich in diesem Jahr erholt haben und derzeit bei 35 Cent/Kilogramm Rohmilch liegen, können die Verluste der vergangenen zwei Jahre mit diesen Preisen nicht ausgeglichen werden, schätzt das Landwirtschaftsamt ein. Dazu wären Erlöse von mehr als 40 Cent/Kilogramm notwendig.
Die Erlössituation bei Rind- und Schweinefleisch ist Kreisangaben zufolge nach wie vor angespannt.

Auch der Bauernverband Südbrandenburg sieht das Jahr in vieler Hinsicht kritisch. Dass die Milcherzeuger nach zwei Jahren Durststrecke eine positive Preisentwicklung verzeichnen konnten, bestätigt Geschäftsführerin Carmen Lorenz. Das betreffe allerdings auch nur diese. Immerhin: „Der Milchmarkt hat sich endlich stabilisiert, und hier kann man momentan von einem auskömmlichen Einkommen sprechen.“ Nun hoffe man, dass dies im Jahr 2018 und darüber hinaus anhält.

Doch das Jahr 2017 „möchten die meisten Landwirte in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz schnell abhaken“, so Carmen Lorenz weiter. Was die Witterung betrifft, sei es ein „sehr extremes Jahr“ gewesen. „Nach der Frühjahrstrockenheit und den Spätfrösten kam es im Juni und Juli punktuell zu extremen Niederschlägen und teilweise auch zu Hagelschäden.“ Ständiger Regen und Sturm in der Erntezeit hätten zu gravierenden Qualitätseinbußen und Mindererträgen im Getreide geführt, bestätigt sie die Kreisangaben.