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| 16:03 Uhr

Gedenkveranstaltung
„Gedenken heute ist ein Auftrag in die Zukunft“

 Gegen das Vergessen: Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge legt einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer nieder.  Rund 200 Gäste waren zur 30. Gedenkveranstaltung auf den Waldfriedhof in Jamlitz gekommen...
Gegen das Vergessen: Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge legt einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer nieder. Rund 200 Gäste waren zur 30. Gedenkveranstaltung auf den Waldfriedhof in Jamlitz gekommen... FOTO: Schulz/LDS
Jamlitz. Erinnerung an Opfer des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz. Auch ehemalige Häftlinge sind anwesend.

Zum 30. Mal hat die Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz am Samstag an das Leiden und den Tod der im sowjetischen Speziallager Nr. 6 von 1945 bis 1947 inhaftierten Frauen, Männer und Jugendlichen erinnert. Zur jährlichen Gedenkveranstaltung auf dem Jamlitzer Waldfriedhof ist zudem der Häftlinge und Toten des ehemaligen KZ-Außenlagers Lieberose gedacht worden.

Unter den rund 200 Teilnehmenden befanden sich noch zehn ehemalige Häftlinge, die in Begleitung ihrer Angehörigen kamen. Auch Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge nahm anlässlich des 74. Jahrestages der Errichtung des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz wieder an der Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer teil. „Die Gedenkorte Jamlitz und Lieberose mahnen uns mit ihren unheilvollen Geschichtskapiteln, wie fundamental der Erhalt von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie in einer Gesellschaft ist und bleiben somit für unsere Erinnerungskultur weit über die Grenzen unseres Landkreises hinaus hochbedeutsam“, sagt Loge.

Nach dem Niederlegen der Kränze an den Massengräbern auf dem Jamlitzer Waldfriedhof richteten die offiziellen Gedenkredner ihre teils emotionalen Ansprachen an die Gäste. Der Begrüßungsrede von Michaela Kossatz-Reinke, Vorsitzende der Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz, folgten unter anderem Grußworte von Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, und Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch. „Das Gedenken heute ist auch ein Auftrag in die Zukunft: Die Geschichtsvermittlung steht mit zunehmenden Abstand zu den Geschehnissen vor neuen Herausforderungen. Deswegen müssen wir Wege und Formen haben, wie wir auch künftigen Generationen das Geschehen hier in Jamlitz vermitteln können und die das Bewusstsein für den hohen Wert von Menschenwürde und Demokratie immer wieder neu erlebbar machen. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, ermunterte Ministerin Münch die Initiativgruppe in ihrem Engagement für das Opfergedenken fortzufahren.

Künstlerich umrahmt wurde die Gedenkfeierstunde durch die Liedertafel Lübben, Trompetensolist Sören Liedke und den Blechbläserchor Lieberose. Bereits am Vormittag hatte in der evangelischen Landkirche Lieberose ein Gedenkgottesdienst mit dem Straupitzer Pfarrer Christoph Hanke stattgefunden.

Im Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen mussten zwischen 1943 und 1945 bis zu 10 000 Häftlinge, darunter überwiegend Juden, unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, Tausende wurden ermordet und bei der Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 von der SS erschossen. Die Dokumentations- und Gedenkstätte Jamlitz-Lieberose wird derzeit mit Unterstützung des Kulturministeriums erweitert.