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| 18:07 Uhr

Kommunalwahl 2019 in Lübben
„Wir mussten bis zum Schluss bibbern“

 Die Nacht war kurz für die Wahlhelfer. Unter anderem im Lübbener Rathaus waren sie viele Stunden lang mit dem Auszählen der Stimmzettel beschäftigt. Die vorläufigen Ergebnisse für die Kommunalwahlen in Dahme-Spreewald gab es teils erst in den frühen Morgenstunden.
Die Nacht war kurz für die Wahlhelfer. Unter anderem im Lübbener Rathaus waren sie viele Stunden lang mit dem Auszählen der Stimmzettel beschäftigt. Die vorläufigen Ergebnisse für die Kommunalwahlen in Dahme-Spreewald gab es teils erst in den frühen Morgenstunden. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lübben. Erst die letzten beiden Stimmbezirke entschieden über die Sitzverteilung am Lübbener Rathaustisch. Die Nase vorn hat Pro Lübben – und bei der konstituierenden Sitzung darf ein Wiedereinsteiger begrüßt werden. Von Ingvil Schirling

So richtig spannend wurde es nach Mitternacht. Bleibt es für Bündnis 90/Die Grünen bei einem Sitz oder werden es zwei? Kommt die Wählergemeinschaft „diestadtfraktion“ auf fünf Sitze oder auf einen weniger? Die Auszählung der letzten Stimmbezirke beendete ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Pro Lübben um eine Nasenlänge gewann.

Zweimal fünf Sitze gibt es, den vorläufigen Endergebnissen zufolge, für die CDU und Pro Lübben, einmal vier für Die Stadtfraktion, zweimal drei für SPD und Linke und einmal zwei für die Grünen. Der Einzelbewerber Sven Gratzias schaffte es am Ende nicht in die Stadtverordnetenversammlung.

SPD statt AfD im Stadtrat

Gegen den allgemeinen Trend trat in Lübben kein AfD-Kandidat an. Das Gesicht des Entscheidungsgremiums verändert sich in anderer Hinsicht: Mit Andreas Dommaschk, Martin Würfel und Andrea Freimann traten drei an sich parteilose Kandidaten für die SPD an – und holten auf Anhieb 2634 Stimmen oder 13,4 Prozent. Mit der Veränderung der früheren SPD-Fraktion in „diestadtfraktion“ um Peter Schneider war die Lübbener Stadtverordnetenversammlung mehrere Jahre lang ohne SPD unterwegs gewesen – somit ohne „eigene“ Fraktion für Bürgermeister und SPD-Parteimitglied Lars Kolan.

Alle sechs Parteien und Wählergemeinschaften haben Fraktionsstärke; die dringende Notwendigkeit, sich mit anderen zusammenzutun, besteht derzeit für keine Gruppierung. Sachorientiert und offen äußern sich denn auch die Vertreter auf LR-Nachfrage. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Andreas Dommaschk für die SPD auf LR-Nachfrage. Peter Rogalla sagte, er sei „überrascht und erfreut über die hohe Wahlbeteiligung, die gegenüber 2014 und auch 2008 ganz deutlich gestiegen ist“. Sie liegt bei 56,2 Prozent. „Das ist ein gutes Signal, dass Kommunalpolitik eben doch interessiert.“ Die drei Sitze zu halten, sei für Die Linke „ein beachtliches Ergebnis“ bei fast gleichem Stimmenanteil wie 2014, prozentual allerdings Verlusten aufgrund der deutlich höheren Wahlbeteiligung.

„Da ist noch viel zu tun“

In der Sache lenkt Rogalla den Blick neben dem großen Komplex Kita/Schule/Hort auf die sich verändernde Altersstruktur. Lübben müsse zu einem lebenswerten Ort für alle Generationen gemacht werden, „und da ist noch viel zu tun“.

Die Grünen wird in der Stadtverordnetenversammlung künftig Thomas Fischer als zweiter Mann verstärken. „Darum mussten wir bis zum Schluss bibbern“, sagt Andreas Rieger, der bisher einziger Grüner und Teil der Fraktion CDU/Grüne war. Beide wollen gleich als nächstes in Sachen Ausbau B87 nachlegen. Aus Riegers Sicht gibt es keinen Grund, sich mit der jetzt vorliegenden Planung des Landesbetriebs Straßenwesen zufriedenzugeben. Darin sind ihm zufolge die auf starker Basis geforderte Querungshilfe, der breitere Geh- und Radweg sowie Baumpflanzungen als Ausgleichsmaßnahme in der Stadt nicht verbindlich festgeschrieben. Das kritisiert er scharf.

Fünf Sitze für die CDU

Zufrieden mit den fünf Sitzen für die CDU ist Jens Richter, bisheriger Fraktionsvorsitzender. „Ich freue mich auf die nächsten fünf Jahre. In den Kinder- und Jugendbereich haben wir uns bisher sehr eingebracht, das wollen wir weiter tun. Und es ist an der Zeit zu fragen, ob es realistisch ist, was wir mit dem integrierten Stadtentwicklungskonzept planen.“

Ebenso wie Peter Schneider (Die Stadtfraktion) sieht er eine gewachsene, sachliche und themenorientierte Zusammenarbeit in der Stadtverordnetenversammlung.

Peter Schneider wiederum freut sich über die vier Sitze „seiner“ Wählergemeinschaft. Die Stadtfraktion, deren Mitglieder 2014 noch als SPD-Kandidaten in die Stadtverordnetenversammlung einzogen, stand erstmals als solche zur Wahl. „Wir haben ein schönes Ergebnis eingefahren“, sagt er. Ihm ist nach wie vor Lübben als Gesundheitsstandort wichtig. Er will sich für eine funktionierende medizinische Grundversorgung einsetzen und für eine Verbesserung der Wohnsituation.

Pro Lübben holt die meisten Stimmen

Der große Gewinner der Kommunalwahl auf Lübbener Ebene dürfte Frank Selbitz sein. Mit Pro Lübben holte er die meisten Stimmen, nämlich 4719, damit 24 Prozent und exakt 226 mehr als die zweitplatzierte CDU. Er dankt „seinen“ Wählern und sieht die Wählergemeinschaft in der Pflicht, diesen Gehör zu verschaffen, „um die Stadt noch lebenswerter zu gestalten“.

Entscheidungen trafen die Wähler auch über die Ortsvorsteher der Stadtteile. In Treppendorf wurde Torsten Schade mit dem Traumergebnis von 93,4 Prozent bestätigt. In Steinkirchen setzte sich Marcus Wrege mit 75,6 Prozent klar gegen Thomas Budich durch. In Neuendorf dagegen wurde es knapp. Am Ende hatte Wolfgang Klinkmüller mit 52,9 Prozent die berühmte Nasenlänge gegen Sebastian Rieger, beides Einzelwahlvorschläge, vorn.

 Logo Wahlen 2019
Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin
 Stadtverordnetenversammlung Lübben
Stadtverordnetenversammlung Lübben FOTO: LR / Schubert