ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:40 Uhr

Goyatz
Erdöl- und Erdgasbohrung: Widerstand formiert sich

Verschiedene Probebohrungen haben bereits stattgefunden. Die Firma CEPetroleum sucht seit einigen Jahren in Märkische Heide und Guhlen nach Öl.
Verschiedene Probebohrungen haben bereits stattgefunden. Die Firma CEPetroleum sucht seit einigen Jahren in Märkische Heide und Guhlen nach Öl. FOTO: CEPetroleum
Goyatz. Erstes großes Treffen der neuen Bürgerinitiative in Goyatz. CEP will am 30. August über ihre Vorhaben informieren. Von Ingvil Schirling

Rund 180 Menschen (LR-Schätzung) aus Lieberose/Oberspreewald, vor allem aus der Region Schwielochsee, haben sich am Donnerstagabend im Goyatzer Gasthaus Mocho getroffen. Eingeladen hatte die neu gegründete Bürgerinitiative gegen die geplante Erdöl- und Erdgasbohrung in der Region. Auch wenn verschiedene Akteure dazu aufforderten, sich eine eigene Meinung zu bilden, dass dafür und dagegen zu sein, gleichermaßen legitim sei, war die Stimmung am Ende doch klar ablehnend gegenüber den Plänen. Es gab konkrete Überlegungen zu den nächsten Schritten.

Etwa 180 Menschen aus Schwielochsee und Umgebung verfolgten im Goyatzer Gasthaus Mocho den Vortrag und die Diskussion zur geplanten Erdöl- und Erdgasbohrung in der Region.
Etwa 180 Menschen aus Schwielochsee und Umgebung verfolgten im Goyatzer Gasthaus Mocho den Vortrag und die Diskussion zur geplanten Erdöl- und Erdgasbohrung in der Region. FOTO: LR

Die deutsch-kanadische Firma CEPetroleum plant seit mehreren Jahren, in der Region Erdöl zu fördern und hat dazu bereits eine Reihe seismischer Untersuchungen und mehrere Probebohrungen in Guhlen und Krugau durchgeführt. Bisher begegneten Einwohner und Gemeindevertreter diesen Plänen gegenüber gelassen. Bedenken wurden nur sehr vereinzelt geäußert, eine Initiative dagegen war bis vor Kurzem nicht in Sicht. Bürgermeister Rainer Hilgenfeld sprach sogar davon, dass das Unternehmen „mit offenen Armen empfangen“ worden sei. Was hat sich nun geändert?

Geradezu schockiert sei man gewesen, als man fast durch Zufall erfahren habe, dass 40 Bohrungen im Raum Schwielochsee geplant seien, führte Olaf Buder, Sprecher der neu entstandenen Bürgerinitiative, ins Thema ein. Die Bohrungen betreffen Öl und Erdgas. „Hier wird nicht einfach ein kleines Bohrloch entstehen, sondern ein ganzer Industriekomplex“, sagte er. Nach einer bewegten Sitzung im Juli mit 130 Teilnehmern und einer ablehnenden Stellungnahme der Gemeindevertretung im Kern hatte sich daher die Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren im Oberspreewald“ gegründet.

Für Donnerstag hatte sie Ingenieur und Umweltaktivist Bert Ebeling aus Niedersachsen eingeladen, der sich intensiv mit den Nachteilen und Gefahren der Erdöl- und Erdgasförderung auseinandersetzt. Er trug in seiner Präsentation eine ganze Reihe von Problemen vor, die mit der Förderung in Zusammenhang gebracht werden: Erdbeben, Schadstoffaustritte, der Umgang mit Lagerstättenwasser und Bohrschlämmen, Quecksilberbelastung, Lagerung radioaktiver Stoffe, die Überwachung der Bohrplätze, die Reinigung der Bohrungen, die „Freiförderung“ mit Abfackelung von austretendem Erdgas, die Qualität der verwendeten Leitungen, die Druckentlastung, die eingesetzten Pumpen und vieles mehr. Fälle, die direkt mit der Firma CEP in Zusammenhang stehen könnten, waren nicht dabei. Zur Sprache kam die Anzahl der Krebserkrankungen bei Rotenburg/Wümme (Niedersachsen), wo seit Langem Erdöl und Erdgas gefördert werden – verbunden mit dem Hinweis, dass ein Kausalzusammenhang wissenschaftlich bisher nicht hergestellt wurde.

Unterm Strich entstand aus Ebelings Vortrag ein düsteres Bild der Förderungsfolgen. „Mit dem schwarzen Gold ist der Tod gekommen“, zitierte er Anwohner aus dem Landkreis Gifhorn, die nicht namentlich genannt werden wollten.

War die Stimmung zuvor erwartungsvoll-ruhig, war sie nun deutlich ablehnend. Bürgermeister Rainer Hilgenfeld rief dennoch dazu auf, sich zunächst intensiv mit dem Thema zu befassen und sich eine eigene Meinung zu bilden: „Man kann dafür oder dagegen sein, und wir sollten sachlich darüber diskutieren.“ Doch das Thema sei ein entscheidendes für die gesamte Region bis nach Berlin, nicht nur für den Schwielochsee. Er rief Vertreter der Verwaltungen auf Kreis- und Landesebene gleich zweimal dringend dazu auf, ihrer Fürsorgepflicht für die Bürger gerecht zu werden und sich mehr einzubringen. Eine Vertreterin des Landesbergbauamts war ebenso anwesend wie Amtsdirektor Bernd Boschan (parteilos). Die Grünen-Landtagsabgeordnete Heide Schinowski, energiepolitische Sprecherin ihrer Fraktion, stellte Unterstützung in Aussicht und kündigte eine Kleine Anfrage zum Stand der Dinge auf Landesebene an. Weitere Landtagsabgeordnete fehlten ebenso wie Vertreter der Kreisverwaltung.

Gekommen waren hingegen zwei Vertreter benachbarter Bürgerinitiativen gegen CO2-Verpressung bei Beeskow und das Erdgasprojekt bei Märkisch Buchholz. Beide Vorhaben sind mittlerweile eingestellt. Nachdem ein Anwohner sagte, dass die Messen für die Förderung am Schwielochsee doch ohnehin gesungen beziehungsweise die Stempel von oberster Politikebene gegeben seien, widersprachen beide. „Man kann etwas ändern“, sagte Anette Hildebrand von der Beeskower Initiative. „Der erste wichtige Punkt ist, sich zu informieren, Fachleute zu befragen, sich zu belesen: wissen, wissen, wissen.“ René Altreuther, einer der Sprecher, gab ebenso Hinweise aus den Erfahrungen der „Bürger in Bewegung“, die diese beim Protest gegen das Erdgasprojekt in Märkisch Buchholz gemacht hatten: „Die Firma wird die gesetzlichen Vorgaben einhalten, und die Anforderungen in Deutschland sind sehr hoch. So ehrlich muss man sein“, sagte er. „Unsere Bürgerinitiative war beim Bergamt als eigenständiger Träger öffentlicher Belange anerkannt und wurde gehört.“ Man könne dafür oder dagegen sein, „aber macht euch eine Meinung und vertretet die. Lasst nicht nach“, sagte er.

Nicht oder nur kurz zur Sprache kamen die Bedenken, die die Gemeinde Schwielochsee zu einer ablehnenden Stellungnahme bewogen hatten: Infrastruktur, Sicherheit und die Zukunft des Tourismus. Goyatz ist staatlich anerkannter Erholungsort. Diese und anderen Themen, vor allem aber die Stellungnahme und Erläuterungen der CEP dazu, die an dem Abend ebenfalls abwesend war, kommen vorraussichlich kommende Woche auf den Tisch. Am 30. August von 15 bis 22 Uhr geht es im Gasthaus Mocho, am selben Ort, erneut um die geplanten Bohrungen. Dann ist die CEP Einladender zu einer Informationsveranstaltung aus ihrer Sicht.