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Single-Börsen-Trick
Er nannte mehr als 60 Frauen „Schatzi“

Der Schwindel mit der Liebe kann teuer werden. So musste sich nun ein Angeklagter verantworten, der eine große Summe an Geld erschlichen hatte.
Der Schwindel mit der Liebe kann teuer werden. So musste sich nun ein Angeklagter verantworten, der eine große Summe an Geld erschlichen hatte. FOTO: Wolfilser/Victoria M / fotolia
Lübben/Lübbenau. Herr von V. erobert das Herz und das Geld mancher Frau. Mit seiner Masche verdient er dazu – bis seine Ex-Gattin das Jobcenter aufmerksam macht. Jetzt hat das Amtsgericht Lübben den 52-Jährigen wegen Betrugs verurteilt, da er zu viel Hartz IV bezog. Von Franziska Mohr

Auch der größte Charmeur mit dem raffiniertesten Geschäftsmodell kommt mal ins Straucheln. Das zeigte sich vergangene Woche im Amtsgericht Lübben, wo sich Hubert von V. wegen Betrugs zu Lasten des Jobcenters sowie des Landes Brandenburgs verantworten musste. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Cottbus erwarten ihn dort noch zwei weitere Verfahren „zum Nachteil von mehreren Frauen“, wie es offiziell heißt.

V.s Aktivitäten auf diversen Single-Börsen und sein Spiel mit der Einsamkeit ist nicht unbekannt. 2016 offenbarte sich eine von ihm betrogen gefühlte Bestenseerin. Sie erfuhr damals über eine Whats-App-Gruppe, dass ihr Liebster, der sie mit Komplimenten nur so überschüttet hatte, über einen längeren Zeitraum bundesweit Kontakte zu mehr als 60 Frauen unterhielt, die er alle „Schatzi“ nannte.

Im Gerichtssaal war von dem einstigen Charmeur nichts mehr zu spüren. Fast verängstigt saß der 52-Jährige in einem schlichten karierten Hemd auf der Anklagebank, sichtlich bemüht, jeden Blickkontakt zur Zuschauerbank, auf der einige seiner einstigen „Schatzis“ Platz genommen hatten, zu vermeiden.

Staatsanwaltschaft: Angeklagter hat 28.000 Euro Hartz IV zu viel bezogen

Die Staatsanwaltschaft Cottbus warf ihm vor, von Mai 2011 bis Oktober 2015 vom Jobcenter Lübbenau mehr als 28.000 Euro bezogen zu haben, auf die er keinen Anspruch hatte. Seine ehemalige Gattin brachte die Ermittlungen ins Rollen, indem sie die Behörden darauf hinwies, dass ihr Ex-Mann als Hartz-IV-Empfänger all seine Einnahmen als bundesweit tätiger Medikamententester verschweigt.

So listete der Staatsanwalt im Gerichtssaal Einnahmen mit einer Gesamtsumme von weit mehr als 50.000 Euro auf, die der Angeklagte in besagten Zeitraum beim Jobcenter verschwiegen hatte. Er hatte auch verschwiegen, dass er mindestens fünf Konten bei verschiedenen Geldinstituten unterhielt.

Einkünfte aus Pharma-Tests und von Frauen

Unter den Zuwendungen befanden sich neben den Einkünften aus den harmatests vor allem Überweisungen von diversen Frauen. Oft ging es dabei um 2000 bis 5000 und sogar bis 10.000 Euro. Und dies dürfte nur die Spitze des Eisberges sein, räumten doch einige der im Gerichtssaal anwesenden Damen ein, dass V. die meisten Geldbeträge in bar und ohne jeden Nachweis erhalten hatte.

V. legte zu Beginn der Verhandlung ein volles Geständnis ab. So ließ der Leiter des Amtsgerichts, Stefan Lehmann, als zuständiger Richter von einem Mitarbeiter des Jobcenters nur noch die exakte Schadenssumme von 28. 086,99 Euro und die bisher nicht erfolgte Rückzahlung bestätigen und verzichtete auf den Aufruf weiterer Zeugen.

Der Richter verurteilte den bisher nicht vorbestraften Hubert von V. zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, womit er dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte. Die Schadenssumme muss V. zurückerstatten.

Als strafmildernd hielt das Gericht dem Angeklagten zugute, dass er geständig war und seit drei Jahren wohl ein straffreies Leben führt. Außerdem hat er eine Ausbildung zum Immobilienverwalter abgeschlossen und kann eine feste Anstellung vorweisen. Seine monatlichen Bezüge bezifferte der Angeklagte auf lediglich 1300 Euro brutto – ein Betrag, der kaum über der Pfändungsgrenze liegt. Das Urteil ist rechtskräftig, der Verteidiger erklärte den Verzicht auf Rechtsmittel.

Das Amtsgericht in Lübben.
Das Amtsgericht in Lübben. FOTO: Rüdiger Hofmann