1965 war es, als die Leser der LAUSITZER RUNDSCHAU im Cottbuser Landkreis aufgefordert waren, sich zu einem Foto einen Text einfallen zu lassen. Abgebildet war eine Milchrampe, auf der ein paar zerbeulte Milchkannen standen. Davor ein Bauer, der sorgenvoll die Stirn in Falten zog. Ob er wohl an die Milchschulden der LPG dachte„, fragte sich die damals 13-Jährige und schrieb und schrieb. Und bekam den ersten Preis, danach Aufträge, mit denen das Mädchen sein Taschengeld aufbesserte. Die Leidenschaft hielt sich bis heute - Marlene Jedro schreibt über das Leben im Dorf, das Wetter, Kindergeschichten, die unter anderem in Kalenderbüchern erscheinen oder auch für ein Hörspiel im sorbischen Rundfunk bearbeitet wurden, wie das beim „Mädchen, das gern tanzen wollte“ der Fall war.

Alles selbst gemacht
Würde die Schreiberin ihr Jubiläum jetzt im großen Kreise feiern - Friseur, Gaststätte, Fleischer, Bäcker oder Plattenservice würden kaum einen Cent an ihr verdienen. Die gelernte Friseurin schneidet sich selbst die Haare, vor einem dreiteiligen Spiegel. „Man muss schon wissen, wieviel man abschneiden will. Das Gefährliche daran ist, dass alles seitenverkehrt erscheint. Und dann im 90-Grad-Winkel . . .“ Unglaublich! Der 2. Platz bei den Lehrlings-Bezirksmeisterschaften damals wurde ihr gleich als Prüfung anerkannnt. Kosmetik, Maniküre - alles macht sie selbst. Zum Kaffee den Kuchen und die Torten - auch keine Frage für Marlene. Und am kalten Buffet, das sie natürlich auch zaubert, lebt sie beim Dekorieren so richtig ihre Phantasie aus. Und davon hat sie eine ganze Menge.

Mundart, Tanz und Erzählen
Wer das erleben möchte, dem sei schon heute der Mundartnachmittag am 13. März im „Nußbaum“ von Lübbenau empfohlen. Zum Thema „Spinteball im Dorf“ fällt der aufgeweckten Frau garantiert viel Amüsantes ein. Dabei sein werden auch die Leiper Tanzmäuse, für die Marlene Jedro übrigens die Hymne „Wir sind die Leiper Mäuschen“ erfand. Die passende Musik dazu lieferte der Ofenbaumeister Lothar Schnell vom Lübbener „Spreewaldduo“ . Auch er will mit seinem Partner Klaus die Besucher des Mundartnachmittags erheitern.
Und während sich die Leiperin an einem Cappuccino labt, erinnert sie sich an den 90. Geburtstag eines Calauers. Das Bonbon dieser Feier war Marlenes Plauderei. „Der Opa braucht heute keine Blutdrucktablette“ , hätten damals Gäste gesagt. Dass sich der Mann so freute, lag vielleicht auch daran, dass er sich an frühere Zeiten erinnerte, vielleicht, als er Mitte der vierziger Jahre in Leipe die Zeitung ausgetragen hat.
Nicht nur zu runden Geburtstagen, Klassentreffen, goldenen Hochzeiten, vor Reisegruppen plaudert die Leiperin so amüsant über den Spreewald. In Bremen, Berlin, Dresden, Oldenburg hat man schon von ihr und über den Spreewald gehört. Einmal im Monat besucht sie die Reha in Burg. In Burg moderiert sie auch die diesjährige Rudelübergabe am 26. März und bereichert den dortigen Bauernmarkt im Juli.
Wer aufmerksam die RUNDSCHAU-Kinderseiten verfolgt, dem sind vielleicht Geschichten wie „Die traurige Schneeflocke“ , „Möhre und Maus“ aufgefallen. Ihre Pläne“ „2006 soll ‘Malen aus Leidenschaft - die Geschichte des Heimatmalers Wilhelm Selleng‘ im Kalenderbuch Stog erscheinen“ , verrät sie, auch, dass sie das Geheimnis lüften wird, wie der Schlangenkönig aufs Dach kam. Und wer die Phantasie dieser temperamentvollen Dame mit zehn Stichwörtern füttert, dem erzählt sie vielleicht schon eine halbe Stunde später eine neue Geschichte.