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| 17:30 Uhr

Ärger mit der Brücke
Ja, es ist ein Denkmal

 Einen Blick ins Gleisbett kann man als Fußgänger oder Radfahrer auf der Brücke Lehnigksberg werfen. Dadurch entsteht aber auch eine Engstelle, die keine Begegnung von Radlern mehr zulässt. Einer muss warten.
Einen Blick ins Gleisbett kann man als Fußgänger oder Radfahrer auf der Brücke Lehnigksberg werfen. Dadurch entsteht aber auch eine Engstelle, die keine Begegnung von Radlern mehr zulässt. Einer muss warten. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Aber jetzt steht der mühsame Nadelöhr-Kompromiss bei Lehnigksberg in Frage. Von Ingvil Schirling

Dass die Engstelle auf der Lehnigksberger Brücke alles andere als eine ideale Lösung ist, dürfte mittlerweile unbestritten sein. Schon zur Wiedereröffnung des sanierten Bauwerks vergangenen Sommer war sie ein Streitpunkt. Um den Blick auf das Gleisbett des technischen Denkmals zu gewährleisten, wurde die Brücke nach dem ersten Drittel ihrer Ausdehnung über die neue Spree auf etwa die Hälfte ihrer Breite verengt. Ein hohes Geländer trennt die Fahrspur vom sichtbaren Brückenkörper. Zu sehen sind einige Bahnschwellen, Schotter und ein Gleis. Geschützt ist das Ganze inzwischen durch Gitterplatten, weil die Konstruktion den ein oder anderen wohl zum Klettern eingeladen hatte.

Der entscheidende Nachteil: Zwei Radfahrer kommen in der Engstelle, die sich über mehrere Meter erstreckt, nicht aneinander vorbei. Einer muss warten. Neu hochgekocht war die Diskussion jetzt zu Jahresanfang, weil Stadtverordnete befürchten, dass es ein weiteres denkmalbedingtes Nadelöhr bei der geplanten Sanierung des zweiten Teils der Brücke über den anschließenden Nordumfluter geben könnte.

Diese Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet. Das zeigt die Antwort des Landkreises, genauer: der Unteren Denkmalschutzbehörde, auf eine entsprechende Anfrage des Stadtverordneten Benjamin Kaiser (CDU/Grüne), die der LR vorliegt. Darin stehen mehrere interessante Punkte. Unter anderem hat Gudrun Thiele von der Unteren Denkmalschutzbehörde ausführlich dargelegt, wie es zu der Engstelle kam, die – so unglücklich sie jetzt auch erscheinen mag – offenbar ein hart erkämpfter Kompromiss war, ohne den die Brücke gar nicht hätte saniert werden können.

Wichtigste Erkenntnis: Ja, die Brücke ist ein Denkmal. Benjamin Kaiser hatte sie bei eigener Recherche in keiner Liste gefunden und daher nachgefragt. Die Antwort dürfte einige aufrütteln, auch über Lübben hinaus: Die Lehnigksberger Brücke gehört zu einem mehrteiligen Denkmal unter dem Titel „Brücken, Schleusen und Wehre des Landschaftsschutzgebietes/Naturschutzgebietes Unterspreewald“. Wie viele „Teile“ dieses Denkmal hat, ist demnach nicht abschließend erfasst. Dies erfolgt „in Zuständigkeit des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalschutz und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM)“, informiert der Landkreis. Wie viele und welche Bauwerke in dem Bereich noch denkmalgeschützt sind, ist offen.

Was die Lehnigksberger Brücke angeht, so hat das Landesdenkmalamt schon im November 2016, als die Stadt Lübben die beabsichtigte Sanierung ihm gegenüber kundtat, die Gründe benannt, warum sie den Status hat: „Die Brücke ist eines der letzten überlieferten technischen Bauwerke der ehemaligen Spreewaldbahn, die noch fest im historischen Bewusstsein der ansässigen Bevölkerung verankert ist“, schätzt das Landesamt ein. „Konstruktiv handelt es sich um eine genietete Vollwandträgerbrücke aus dem Jahr 1898.“ Am Erhalt der Brücke als historisches Sachzeugnis des Eisenbahnbrückenbaus an der Wende zum 20. Jahrhundert bestehe „ein signifikantes öffentliches Interesse“.

So weit, so gut. „Am aktuellen Denkmalwert lässt das BLDAM keinen Zweifel“, unterstreicht die Kreis-Denkmalbehörde die Einschätzung ihrer Kollegen auf Landesebene.

Die wiederum machten aber gleichzeitig deutlich, dass sie mit einem restlosen Abbau der letzten Fragmente des Gleiskörpers der Spreewaldbahn keinesfalls einverstanden wären. Die erste vorgeschlagene Sanierungsvariante wurde abgeschmettert.

Der folgende Satz spricht Bände. „Nur durch hohe Kompromissbereitschaft“ sei es den Kreisdenkmalschützern in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauamt und dem Planungsbüro Prokon gelungen, eine denkmalrechtliche Erlaubnis zu erteilen, und zwar „in Auseinandersetzung mit dem BLDAM“. Es scheint also ein mühsam errungener Kompromiss gewesen zu sein.

Der entsprach zwar demnach im Wesentlichen den Wünschen der Stadt, auch an die Wartung, beinhaltete aber eben auch die Engstelle, in der die Eisenbahnbrückenkonstruktion sichtbar ist.

„Für die Sanierung der zweiten Brücke wird selbst dieser Kompromiss in Frage gestellt“, heißt es in der Antwort der unteren Denkmalschutzbehörde weiter. Dafür hatte der Landkreis erst kürzlich Fördermittel zugesagt.

Es kündigt sich also ein neues Ringen um die Sanierung des zweiten Brückenabschnitts an. Offen ist auch immer noch die Frage, ob überhaupt die richtige Schiene in dem Sichtfenster liegt. Landrat Stephan Loge (SPD) zufolge, selbst Eisenbahn­fan, geht es eher um die Spurweite – die aber kaum nachprüfbar ist, weil die zweite Schiene unter dem Beton wäre.

Er will die „Schuld“ keinesfalls bei der Kreisbehörde sehen, sondern nimmt die Planer mit in die Pflicht, die aus seiner Sicht aus den Vorgaben der Landesdenkmalbehörde andere Lösungen hätten entwickeln können – und dafür womöglich schon bald eine neue Chance bekommen.

Eine Ideallösung wird es auch für den zweiten Abschnitt vielleicht nicht geben. Eine Glasplatte einzusetzen, würde sich fast schon aufdrängen. Unstrittig ist, dass Denkmalschutz und Brückensanierung eleganter vereinbart werden können.