Von Katrin Kunipatz

Über 75 Plinse hat Brigitte Groß an diesem Montag gebacken. Sie steht im ehemaligen Konsum Byhleguhre, den der Dorfverein seit einem Jahr mit Leben füllt. Das Montagscafé ist eins von vielen Projekten. „Dieses Angebot nutzen vor allem Touristen, aber auch Einheimische kommen für einen kleinen Plausch vorbei“, berichtet die Vereinschefin und ehemalige Bürgermeisterin Jutta Vogel.

An diesem Montag sind einige der insgesamt 38 Vereinsmitglieder dabei. Grund ist der nächste Höhepunkt: Am Freitag findet das Kürbisfest statt. Schon am Mittwoch und Donnerstag treffen sich im Konsum jeweils ab 8 Uhr Vereinsmitglieder, Dorfbewohner, Kameraden der Feuerwehr, Kitakinder und deren Eltern sowie Jugendliche, um den 300 bis 400 Kürbissen Gesichter zu geben. Abgesprochen ist bereits, wer die Kunstwerke am Freitagvormittag in Byhleguhre verteilt und wer in den nächsten Tagen immer abends die vielen Teelichter in den hohlen Früchten anzündet.

Zum zweiten Mal wird das Kürbisfest in Regie des Dorfvereins durchgeführt. Anlass für die Gründung war es nicht. Es gebe in Byhleguhre schon immer jede Menge engagierte Leute, die oft in privater Initiative Projekte stemmen, so die stellvertretende Vereinsvorsitzende Monika Schernikau. Sie nennt die Jungbauern, die Pfingsten 2018 das erste Schoberfest auf die Beine stellten. Christian Bramer ist einer von ihnen, der Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben. „Wir wollen die Leute auf die Landwirtschaft aufmerksam machen und die damit verbundenen Traditionen leben“, sagt er. Dank des Vereins sei es leichter, kleine Feste zu organisieren. Und durch die Mitgliedschaft seien alle abgesichert.

Dabei sieht sich der Dorfverein nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Vereinen im Ort, versichert die Vorsitzende. Weiterhin kümmert sich der Traditionsverein um den Erhalt sorbisch/wendischer Feste und organisiert Fastnacht, Maibaumstellen und Hahnreiten. Der Dorfverein managte das Schober- und das Kürbisfest und organisierte im vergangenen Jahr die erste Rentnerweihnachtsfeier. Die Kita, der Kids-Club und Jugendliche, die Angelgemeinschaft oder die Neubyhleguhrer machen mit. „Jeder bringt sich mit dem ein, was er gut kann“, sagt die Vorsitzende. Jungbauer Bramer ergänzt: „Ohne Jutta und ihrer Erfahrung als Bürgermeisterin hätten wir nicht den Elan gehabt, uns durch die Satzungsaufstellung zu kämpfen.“

Das Engagement des Dorfvereins, färbt ab. „Junge Musikschülerinnen aus dem Ort fragten nach einer Auftrittsmöglichkeit und schon war der erste Byhleguhrer Musiknachmittag geboren“, berichtet Vogel. Demnächst soll das mit altem Mobiliar ausgestattete Oma-Café öffnen, berichtet Monika Schernikau. „In Zusammenarbeit mit der Gemeinde könnte man im Konsum einen Internet-Hotspot einrichten“, sagt Jutta Vogel. Schon fast sicher sind die monatlichen Vortragsabende in den Wintermonaten.

Möglich ist dies alles, weil die Gemeinde keinen neuen Pächter für den Konsum fand. 2017 war der bisherige Inhaber in Rente gegangen, so Schernikau. Nun zahlt der Verein Pacht und Betriebskosten für die Nutzung und das Gebäude in der Ortsmitte steht nicht leer. Denn auch die Belebung des Gebäudes gehöre zu den Zielen des Dorfvereins, so Jutta Vogel.