Damit können nun nicht nur die Millionen an Fördergeld vom Bundesamt für Naturschutz sicher fließen, deren Eigenanteil mangels bisherigem Bekenntnis zwischenzeitlich die Stiftung Naturlandschaften übernommen hat. Damit können nun vor allem die Akteure in der Region aufatmen. Mit dem Votum bekommen die ehrgeizigen Pläne einen ganz anderen Stellenwert - mit landes-, bundes-, vielleicht sogar europaweiter Ausstrahlung.

Ziel ist es, mit einem ganzen Bündel von Projekten in verschiedenen Bereichen zu zeigen, dass "wir mittels eines Naturprojektes eine strukturschwache Region entwickeln wollen und können", bringt Amtsdirektor Bernd Boschan aus Lieberose/Oberspreewald es auf den Punkt. Im Verlauf der kommenden Jahre soll klar werden, "wie man mittels Förderung von Natur und Umwelt Wertschöpfung betreiben kann". Lieberose kann dabei mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz punkten, einer der größten Binnenwüsten Europas und der Wildnis, die sich diese Räume zurückerobert - von der seltenen Libelle bis zum Wolf. Frühere Militärgebiete wie diese, so genannte Konversionsflächen, gibt es mehrere in Europa, und darum entstehen bereits jetzt Ansätze zur internationalen Zusammenarbeit. Kurzum: Nachbarländer könnten von der INA lernen. Radwege, Besucherzentrum, Aussichtsturm, Wildniscamp, Wolferlebniszentrum und der besondere Charme des geschichtsträchtigen Lieberoser Schlosses sollen ebenso einbezogen werden wie wirtschaftliche und energetische Ansätze.

Ein komplexes Projekt also, mit dem sich die Landesregierung jahrelang nicht wirklich anfreunden konnte. Wiewohl es zahlreiche Befürworter aus der Region gab, die hartnäckig, zäh und geschlossen hinter dem Ansatz standen, politische Beschlüsse auf Kommunal- und Kreisebene und endlose Hintergrundgespräche, bewegte sich fast fünf Jahre lang nichts. Die Ansätze, das Projekt zu erklären und die Begeisterung in die Landespolitik zu tragen, scheiterten wiederholt an massiven Widerständen. Unter anderem befürchtete die Forst, Einschnitte in die Waldwirtschaft hinnehmen zu müssen.

Doch nun wendete sich das Blatt. Der Bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke aus dem Unterspreewald versuchte es einfach nochmal. Amtsdirektor Bernd Boschan bereitete die Entscheidung hinter den Kulissen mit vor, sagte er gegenüber der LR. CDU und Grüne stellten im Landtag einen gemeinsamen Antrag, die INA zu unterstützen. Darauf reagierte die rot-rote Koalition aus SPD und Linken mit einem eigenen, ähnlich lautenden Papier. "Ich wusste, dass wir aufpassen müssen, dass beide nicht gegeneinander wirken", sagt Bernd Boschan.

Die Situation im Landtag schien sich ihm zufolge zuzuspitzen. Zu den Fürsprechern des Großprojekts zählte die SPD-Abgeordnete Sylvia Lehmann aus Dollgen (Märkische Heide), die aktuell auch für die Bundestagswahl im Herbst kandidiert. "Sie hat gekämpft wie eine Löwin", sagt Boschan anerkennend. Und doch blieb die Frage: Würde die Sache, hinter der nun eigentlich alle standen, gefährdet durch die zwei Anträge aus Regierungslager und Opposition? Oder würde es gelingen, sich um der Sache willen über den Tisch hinweg die Hand zu reichen?

Offenbar nutzten Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) und Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski (CDU) die Pause für ein klärendes Gespräch unter vier Augen. "Wir wurden davon überrascht, dass danach erklärt wurde, gegen die Fraktionsabsprachen der CDU zu empfehlen, den SPD/Linke-Antrag zu unterstützen", berichtet Bernd Boschan, der die Debatte live vor Ort mit verfolgte. Die Grünen-Abgeordneten Axel Vogel und Benjamin Raschke schlossen sich an. Im Gegenzug gab es einen einstimmigen Beschluss für den SPD/Linke-Antrag, die INA Lieberoser Heide zu unterstützen. "Einer der wenigen einstimmigen Beschlüsse im Landtag", unterstreicht Boschan.

Damit kann es nun mit vollen Segeln weiter gehen. Die Gründung einer INA-GmbH steht an, um das Projekt voranzutreiben, dazu der Entwicklungs- und Erprobungsantrag. Trotz der jahrelangen Hängepartie sind einige Projekte auch schon umgesetzt. Beispielsweise ist das Radwegenetz von 54 Kilometern Länge zu 75 Prozent fertig, so Boschan. Trotz der Landtags-Entscheidung bleibt es ihm zufolge dabei, dass die Stiftung Naturlandschaften den Eigenanteil finanziert. Das Land wolle aber einzelne Projekte unterstützen.