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| 03:00 Uhr

Endlich mehr Hilfe für Krebskranke

Ragnhild Münch moderierte die Eröffnung der Krebsberatungsstelle an der Lübbener Spreewaldklinik. Ina Ross (Mitte, in Schwarz) stellte das Angebot vor. Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (4.v.l.) unterstrich die Bedeutung der neuen Einrichtung.
Ragnhild Münch moderierte die Eröffnung der Krebsberatungsstelle an der Lübbener Spreewaldklinik. Ina Ross (Mitte, in Schwarz) stellte das Angebot vor. Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (4.v.l.) unterstrich die Bedeutung der neuen Einrichtung. FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Krebskranke leiden – nicht nur an den körperlichen Folgen der Erkrankung, sondern auch an der Ungewissheit, der Angst, der psychischen Belastung. Um ihnen zu helfen, hat das Klinikum Dahme-Spreewald gemeinsam mit der Krebsberatung Brandenburg eine Anlaufstelle eingerichtet. Am gestrigen Donnerstag wurde sie eröffnet. Ingvil Schirling

In Sachen Krebsberatung ist Brandenburg nun kein ganz weißer Fleck mehr. Nach Potsdam und Wandlitz gibt es in Dahme-Spreewald die dritte Krebsberatungsstelle des Landes, etabliert an den beiden Standorten des Klinikums in Lübben und Königs Wusterhausen.

Ein Anfang ist gemacht

"Wir sind am Anfang", schätzte Psycho-Onkologin Ina Ross ein, die die Krebsberatungsstellen an der Spreewaldklinik und am Achenbach-Krankenhaus betreuen wird. Mit Dr. Ragnhild Münch vom Klinikum und Landtagsabgeordneter Sylvia Lehmann (SPD) war sie sich einig, dass in diesem Punkt noch mehr getan werden muss.

Letztere begrüßte die Krebsberatung sehr. Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge, sagte sie, würden Krebserkrankungen noch zunehmen. Da heute "auch medizinisch viel getan werden kann", so Lehmann, würden viele Erkrankungen einen chronischen Verlauf nehmen. "Das bedeutet für die Erkrankten, dass sie über viele Jahre mit der Angst leben müssen: ,Kommt es wieder?', ,Wann kommt es wieder?', ,Habe ich dann nochmal die Kraft, es zu überstehen?'" Anschaulich zeigte sie so auf, wie sich Krebserkrankungen nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche auswirken, ebenso auf die Beziehung zu Familie und Verwandtschaft. "Deshalb brauchen wir neben der medizinischen auch die psychosoziale Versorgung", fasste sie die Krebsberatungsstelle in den zugehörigen Fachbegriff.

Psychologin und Psycho-Onkologin Ina Ross wird die Stelle betreuen. Die Beratung sei kostenfrei, unabhängig und auf Wunsch anonym. Auch das unterstrich Sylvia Lehmann: "Träger ist die Krebsberatung Brandenburg. Damit ist gewährleistet, dass die Beratung unabhängig und neutral durchgeführt wird", betonte sie. Viele würden sich Sorgen machen, dass sie ins Krankenhaus zur Beratung gingen und dann gleich da behalten würden. "Dem ist mit der Trägerschaft ein Riegel vorgeschoben", betonte die Landtagsabgeordnete.

Kostenlos, anonym, kurzfristig

Ina Ross skizzierte die gesamte Bandbreite der Krebsberatung. Einzel-, Paar- und Familiengespräche seien ebenso möglich wie telefonische Beratungen. Termine könnten auch kurzfristig gemacht werden, betonte sie. Von der Beratungsstelle sollen zudem Präventionsangebote ausgehen, Selbsthilfegruppen unterstützt werden, Ärzte fortgebildet und wenn nötig in ihrer Kommunikation mit Patienten unterstützt werden sowie der Kontakt zu anderen behandelnden Stellen im Umland gepflegt werden. Patienten können dort aber nicht nur in krankheitsbedingten Krisen unterstützt werden, sondern auch bei Fragen der Schwerbehinderung, Reha-Maßnahmen oder finanzieller Unterstützung informiert werden.

Was Ina Ross nur zart andeutete, ist die Ausbaufähigkeit des Angebots. Die Deutsche Krebsberatung, zitierte sie aus dem Eröffnungsvortrag von Elvira Muffler aus dem Vorstand der Krebsberatung Brandenburg, sieht bei den 160 000 Einwohnern des Dahme-Spreewald-Kreises 1,5 bis zwei Vollzeitstellen für die Krebsberatung als notwendig an. Zum Vergleich: an der ältesten Krebsberatungsstelle Brandenburgs, in Potsdam, werden Ragnhild Münch zufolge pro Jahr rund 1500 Gespräche geführt - das entspreche rein rechnerisch etwa zehn Prozent der Erkrankten in Brandenburg.

Bei 1,5 Stellen aber ist die Krebsberatung am Klinikum noch nicht. Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann führte die auf Finanzierungsfragen zurück. In der Koalition SPD-Linke auf Landesebene wolle man sich mit diesem Thema demnächst näher befassen, kündigte sie an.

Zum Thema:
Die Krebsberatungsstelle befindet sich im Raum der Begegnung in der Lübbener Spreewaldklinik. Die Sprechstunden sind immer montags von 14 bis 16 Uhr persönlich sowie von 13 bis 14 Uhr telefonisch (03546 750). Ermöglicht wird die Beratungsstelle durch die Kooperation zwischen dem Verein Krebsberatung Brandenburg und dem Klinikum. Sprechstunden gibt es in Lübben und Königs Wusterhausen.