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| 02:32 Uhr

Empörung um Saßlebener Stieleiche

Nabu-Chef Helmut Jentsch setzt sich für die Saßlebener Eiche ein.
Nabu-Chef Helmut Jentsch setzt sich für die Saßlebener Eiche ein. FOTO: Jan Augustin
Calau/Vetschau. Eine Werbeanzeige hat Naturschützer auf den Plan gerufen. In ihr spricht sich ein Vetschauer Tischler dafür aus, dass Bäume nicht nur zu Brennholz verarbeitet werden sollten, sondern auch für die Herstellung hochwertiger Möbel dienen können. Als Beispiel nannte er die Stileiche vor dem Friedhof in Saßleben. Doch sie ist ein Naturdenkmal. Jan Augustin

Der Vorsitzende des Naturschutzbundes Calau (Nabu), Helmut Jentsch, ordnet die Stieleiche vor dem Saßlebener Friedhof als eine der bedeutendsten Naturdenkmale im Landkreis ein. Knapp 500 Jahre sei der Baum alt und er könne es noch weitere Jahrhunderte schaffen.

Um so empörter ist der 81-jährige Zinnitzer daher über eine Ende Januar in einer kostenlosen Wochenzeitung abgedruckte Werbeanzeige. In ihr spricht sich der Vetschauer Tischler Hubert Domley dafür aus, dass man aus der Eiche, "wenn ihre Zeit gekommen ist", hochwertige Möbel oder eine Treppe herstellen könne. Jentsch, der sich seit den 1970-er Jahren aktiv für den Naturschutz engagiert, kann die Gedanken nicht nachvollziehen. "Sowohl fachlich als auch moralisch ist das nicht in Ordnung. Ein Naturdenkmal hat auch ideellen Chrakter und ist nicht nur ein Stück Holz." Bei vielen Naturfreunden habe die Aussage "Verwunderung und entschiedene Proteste ausgelöst". Das Ansinnen, das Holz kommerziell nutzen zu wollen, stoße auf Ablehnung.

Dass sich Hubert Domley nun den Anfeindungen von Naturschützern aussetzen muss, ärgert den Tischler. Domley betäuert, dass seine Aussage nicht speziell auf die Saßlebener Eiche, sondern allgemein bezogen war. Bäume, insbesondere die, die an Straßen gefällt werden, sollten nicht nur für Brennholz oder Flachpressplatten genutzt werden. Die Eiche würde er nie fällen, schon allein darum nicht, weil sie seit 1970 ein Naturdenkmal ist.

Für den Geschäftsführer des Calauer Naturschutzbundes, Bernd Elsner, ist die Angelegenheit nur ein Missverständnis, das aufgrund eines "schlechten Beispiels" entstanden ist, bedauert er. Prinzipiell habe der Vetschauer Tischler ja auch Recht - gefällte Bäume, wenn es dann auch noch Eichen sind, sollten nicht nur zu Brennholz verarbeitet werden.

Eichenholz sei für das verarbeitende Gewerbe und die Industrie wertvoll, betont auch Jentsch: "Um wertvolles Möbelholz und Furniere zu gewinnen, sollten Eigentümer und Nachnutzer aufmerksamer und gewissenhafter handeln." Naturdenkmale wie die Saßlebener Eiche müssten aber in jedem Fall ein Tabu sein.

Zum Thema:
Im gesamten Oberspreewald-Lausitz-Kreis git es etwa 300 Naturdenkmale. Meistens sind das Bäume, aber auch fünf Findlinge sind unter ihnen sowie die Goldbornquelle in Werchow. Im ehemaligen Kreis Calau gibt es rund 100 Naturdenkmale. Auch im Altdöberner, Lübbenauer und im Vetschauer Schlosspark stehen etliche Bäume unter Denkmalschutz, unter ihnen Blutbuchen, Rotbuchen, Stieleichen, Eschen, Sumpfzypressen und ein Tulpenbaum. Die jüngste Liste der Naturdenkmale hat der Kreistag 2007 beschlossen.