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Eiswurf: Windrad wird nachgerüstet

Windräder als Eiswurfmaschinen? Bei Siegadekl werden die Anlagen jetzt sogar nachgerüstet, damit das nicht passieren kann.
Windräder als Eiswurfmaschinen? Bei Siegadekl werden die Anlagen jetzt sogar nachgerüstet, damit das nicht passieren kann. FOTO: Pleul
Siegadel. Nahe der Bundesstraße bei Siegadel fand ein Förster kürzlich massenhaft dünne Eisplättchen, abgefallen von den nahen Windrad-Rotoren. Der Fall beschäftigte Öffentlichkeit und Betreiber. Der will nachrüsten und die Temperaturfühler feiner einstellen, um das Risiko zu minimieren Ingvil Schirling

Ein Förster aus der Region entdeckte an einem eiskalten Wintertag massenhaft dünne Eisplättchen auf einem Feld bei Siegadel. Sie waren augenscheinlich von den Rotorblättern einer der nahen Windkraftanlagen abgefallen, Flugbahn unbekannt, Aufprallwucht ebenfalls.

Die RUNDSCHAU berichtete darüber. Das Thema sorgte für weitere Nachfragen. Die Firma UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen) in Meißen, die die Räder errichtet hat, ging ebenso wie der Betreiber, die Firma Regenerative Energien Zernsee (REZ) auf Ursachenforschung. Klar ist: Es gibt vor Ort ein Warnsystem, das mittels Temperaturmessung die Windräder abschaltet, sobald die Rotorblätter vereisen. Doch offenbar sind nicht alle Windräder damit ausgestattet. Deshalb will die REZ diese Situation nun verbessern.

"In der an der B 320 befindlichen Anlage wird derzeit ein zusätzliches Eisdetektionssystem nachgerüstet, das sicherstellt, dass es zu Eisabwurf an dieser Stelle nicht kommen kann", sagt Professor Dr. Walter Delabar aus der Geschäftsführung des Unternehmens. "Das zusätzliche Detektionssystem wird für die nächste Wintersaison zur Verfügung stehen", versichert er. Dieses System soll darüber hinaus "so eingestellt werden, dass es die Anlage bereits bei geringem Eisansatz außer Betrieb nimmt", informiert er weiter.

Ziel sei es, eine Gefährdung von Passanten ausschließen zu können. Vor dem Eisfall an Windrädern warnen auch Schilder in der Region. Ganz ausgeschlossen werden könne er nicht, doch "eine echte Gefährdung ist hier nicht vorhanden", so Walter Delabar weiter. "Sie geht zumindest nicht über den Gefährdungsgrad hinaus, der von verwehenden Eisstückchen von anderen erhabenen Geländeteilen wie Bäumen oder Türmen ausgeht."

Unterdessen weist RUNDSCHAU-Leser Wolfgang Gallas darauf hin, dass Eiswurf von Windrädern aus seiner Sicht nicht so selten ist. Im Altkreis Lübben ist es zwar der erste Fall, der der Redaktion in der Spreewaldstadt gemeldet wird.

Doch Gallas hat ähnlich gelagerte Vorkommnisse auch aus Hamminkeln und Bocholt (NRW) sowie Büchenbach in Bayern über die vergangenen Jahre zusammengetragen. Der ehemalige Förster Rainer Neugebauer, der die dünnen Eisplatten bei Siegadel fand, entdeckte wenige Tage später erneut Eiswurf, der allerdings nicht bis zur Straße flog. Dafür war einer der Brocken, den Neugebauer Zuhause wog und anschließend einfror, exakt 130 Gramm schwer. Das könnte, zusammen mit entsprechender Geschwindigkeit, durchaus für eine starke Durchschlagskraft sorgen.

Sehr viele solcher Fälle sind allerdings nicht dokumentiert. Wolfgang Gallas fragt sich jedoch auch, was die genehmigende Behörde zu den Ereignissen sagt. Nahe Pegnitz in Nordbayern waren aus Eiswurf-Gründen auch schon Anlagen zeitweise stillgelegt worden. Die untere Bauaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald sieht sich allerdings in diesem Fall nicht in der Pflicht. Im schönsten Beamtendeutsch heißt es: "Für Windkraftanlagen ist die verfahrensführende Behörde das Landesamt für Umwelt des Landes Brandenburg (LfU)." Der Landkreis gebe dazu eine Stellungnahme ab, die eine Zuarbeit aus baurechtlicher Sicht und aller weiteren betroffenen Träger öffentlicher Belange Dahme-Spreewalds enthalte. Die Genehmigung erteile das LfU.

Beteiligt sei auch das Landesamt für Arbeitsschutz (LAVG) "Bei derartigen Vorkommnissen", bezieht sich die LDS-Bauaufsicht auf den konkreten Eisfall in Siegadel, "informiert in der Regel das LfU das LAVG.

Eine Zuständigkeit des Landkreises ist nicht gegeben."