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| 17:14 Uhr

Jubiläum
Bäckerei Zedler bleibt ein Begriff

Hilgegard und Winfried Zedler haben in Lübben Eiserne Hochzeit gefeiert. Seit 65 Jahren sind sie verheiratet und stehen sich bei.
Hilgegard und Winfried Zedler haben in Lübben Eiserne Hochzeit gefeiert. Seit 65 Jahren sind sie verheiratet und stehen sich bei. FOTO: Ingrid Hoberg / LR
Lübben. Seit 65 Jahren sind Hildegard und Winfried Zedler verheiratet. Der Bäckermeister und seine Frau sind in Lübben noch immer stadtbekannt.

Wenn Hildegard und Winfried Zedler in Lübben über den Marktplatz gehen, dann werden sie immer wieder gegrüßt und angesprochen. Den Bäckermeister und seine Frau kennen noch viele ehemalige Kunden. In der Bahnhofstraße und später in der Puschkinstraße hatten sie ihre Backstube und den Laden. Nun sind sie beide Mitte 80, längst im Ruhestand. Ende Oktober hatten sie Grund zum Feiern - sie sind seit 65 Jahren verheiratet und die Eiserne Hochzeit war Gelegenheit für die Familie, im Hause Zedler zusammenzukommen.

Beide stammen aus dem ehemaligen Kreis Sorau/Niederlausitz und sind mit ihren Familien als Flüchtlinge zum Ende des Krieges nach Lübben gekommen. Der 14-jährige Winfried ging bald in die Lehre, die zwölfjährige Hildegard absolvierte noch zwei Jahre Volksschule in Treppendorf. „Danach bin ich zwei Jahre auf die Handelsschule in Lübben gegangen“, erzählt sie.

Und das war ein Glücksfall, denn so lernten sich die jungen Leute kennen. Im Schloss wurden zwei Klassen der Kaufleute ausgebildet und auch die Bäckerlehrlinge kamen zweimal in der Woche dort hin. „Sie war ein hübsches Mädchen und begehrt“, erinnert sich Winfried Zedler, der um seine Auserwählte kämpfen musste. Die Schwiegermutter hätte wohl lieber einen Beamten in der Familie gesehen. Doch Winfried Zedler und seine Hildegard heirateten am 25. Oktober 1952.

Er arbeitete in der Bäckerei in der Bahnhofstraße als Geselle, machte die Meisterprüfung und war mit 24 Jahren Bäckermeister. Das war die Voraussetzung, ein Gewerbe zu bekommen. Nachts um 1 Uhr begann die Arbeit mit einem Gesellen in der Backstube, damit am Morgen die frische Ware über den Ladentisch gehen konnte. Seine Frau arbeitete als Verkäuferin mit und erledigte die Buchführung über viele Jahre. „Und sie hat jeden Tag für zehn Personen kochen müssen“, erinnert er sich.

Die Familie war gewachsen, drei Kinder wurden geboren, zwei Gesellen und eine Verkäuferin sowie die Eltern saßen täglich mit am Mittagstisch. „Zehneinhalb Jahre waren wir in der Bahnhofstraße, doch mit dem dritten Kind wurde die Wohnung zu klein“, erinnert sich Hildegard Zedler. Und so war es ein Glücksfall, dass die Familie ein unbebautes Grundstück am Südbahnhof kaufen konnte, als Familie mit drei Kindern auch eine Baugenehmigung bekam und 1964 bauen konnte.

Dann erhielt Winfried Zedler das Angebot, die Bäckerei Behrendt in der Puschkinstraße zu übernehmen. „Am 1. Januar 1966 habe ich das Geschäft mit sämtlichen Angestellten übernommen“, erzählt der Bäckermeister. Es wurde ein neuer Gasbackofen eingebaut und die Produktionstechnik modernisiert. Nur so war es möglich, in zwei Schichten zu backen. Das war aber notwendig, denn die Kunden standen Schlange an der Bäckerei in der Puschkinstraße. Nicht nur Brot und Brötchen gingen weg „wie warme Semmeln“. Auch Pfannkuchen und Spritzkuchen, Dresdener Eierschecke und in der Weihnachtszeit die Stollen wie auch das Schwarz-Weiß-Gebäck waren ein Markenzeichen der Bäckerei Zedler. 1982 übernahm Sohn Bernd das Geschäft von seinem Vater. Der konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vor dem Backofen stehen. Hildegard Zedler ging zurück in ihren Beruf als Großhandelskauffrau und wurde bei der Konsum-Genossenschaft zuständig für den Kommissionshandel.

Von Schicksalsschlägen blieb die Familie nicht verschont. 2004 und 2012 starben die beiden Söhne. So ist Tochter Ellen heute für ihre Eltern da - und sieben Enkel sowie sechs Urenkel.

Schlangestehen von zwei Seiten an der Bäckerei Zedler in der Lübbener Puschkinstraße war im Jahr 1975 ein gewohntes Bild.
Schlangestehen von zwei Seiten an der Bäckerei Zedler in der Lübbener Puschkinstraße war im Jahr 1975 ein gewohntes Bild. FOTO: W. Reinke