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Eisenhydroxid zum Essen

Mario Asef beschäftigt sich für das Spreewälder Kunstfestival Aquamediale mit dem "Konsum der Landschaft".
Mario Asef beschäftigt sich für das Spreewälder Kunstfestival Aquamediale mit dem "Konsum der Landschaft". FOTO: Ingvil Schirling
Lübben. Am einen kann man sich die Zähne ausbeißen, das andere trotz unangenehmer Fragen genießen. Der deutsch-argentinische Aquamediale-Künstler Mario Asef hat mit seiner Arbeit für das Kunstfestival im Spreewald begonnen. Ingvil Schirling

Am Lübbener Schloss ist ein großes Rechteck ausgehoben - das Fundament des Kunstwerkes, das in diesen Tagen entstehen wird. Unter der Grasnarbe zeigten sich - Überraschung - historische Fundamente. Nein, sie sind nicht Teil des Kunstwerks. Oder vielleicht doch? Der "Zufall", dass sie nun gerade dort zu finden sein würden, ist jedenfalls als Hinweis auf die uralte Kulturgeschichte des Spreewalds ernst zu nehmen.

Denn die Fließlandschaft mit ihrer einzigartigen Natur und reichen Historie ist bedroht. Als Spätfolge des Tagebaus löst sich Eisenhydroxid aus dem Boden und färbt die Spreefließe in Ockerfarben unterschiedlicher Intensität ein. Fische und Kleinstlebewesen sterben ab. Wie groß der Imageschaden der Tourismusregion sein wird, ist derzeit noch nicht einmal zu beziffern. Doch wie geschieht das eigentlich? Genau das ist das Thema von Mario Asef.

Nach drei Besuchen im Spreewald und sehr viel Recherche ist klar: Er wird eine umweltpolitische Arbeit für die elfte Ausgabe des Kunstfestivals im Spreewald machen, eine, die aktueller kaum sein könnte. Und sie wird hart wie Beton und süß wie Schokolade daher kommen.

Das Rechteck am Schloss dient dem Teil der Arbeit, der aus Beton und Eisenhydroxid entstehen wird. Mario Asef fertigt daraus Ziegel, die verschiedene Anteile von Eisenschlamm enthalten. Diese baut er so zusammen, dass am Ende - so der aktuelle Plan - eine Art Querschnitt der Bodenformationen entsteht. Wie in einem dreidimensionalen Diagramm zum Anfassen könnte damit nachvollziehbar werden, aus welchen Schichten sich das Eisen löst und wie es in die Spree kommt.

Genau dies stellt auch der zweite Teil der Arbeit dar - nur viel Süßer. In Zusammenarbeit mit den Zöllmersdorfer Chocolatiers von Edelmond entsteht eine Torte, die das Gleiche darstellt. Sie wird es voraussichtlich im Schlossrestaurant auch zum Verkauf geben. Dem brisanten Thema kann man sich also entweder über Beton und Backstein oder über Schokolade und Marzipan nähern - und sich dabei Gedanken darüber machen, ob so mancher Kuchen, der einem vorgesetzt wird, wirklich essbar ist.

"Konsum der Landschaft" ist der von Asef gewählte Titel des Werkes. Abrunden soll die Arbeit ein Video, das den Prozess mit allen Überlegungen Mario Asefs zusammenfasst und beschreibt. Der Plan ist, es bei der Filmnacht am Golßener Schloss zu zeigen, die Teil des Rahmenprogramms der Aquamediale sein soll und laut Veranstalter am 8. August stattfindet. Wer mag, kann den Künstler aber auch jetzt schon bei der Arbeit besuchen.

Hintergrund: Mario Asef wurde in Argentinien geboren und lebt seit der Jahrtausendwende in Berlin. Er ist 43 Jahre alt und arbeitet künstlerisch viel im öffentlichen Raum.

Das Kunstfestival Aquamediale wird am 6. Juni um 19 Uhr an der Lübbener Spreelagune eröffnet. Zehn Künstler zeigen Werke zum Thema "Metamorphosen - Verwandlungen" in Lübben und Lübbenau, Straupitz, am Schwielochsee und an anderen Orten im Spreewald.