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| 19:30 Uhr

Harte Einsätze
Bis an die körperlichen Grenzen

 2018 war nur wenige Stunden alt, da brannte ein Gebäude in Hartmannsdorf. Das war der erste Einsatz der Ortsfeuerwehr in Lübben im vergangenen Jahr. 188 weitere folgten auf Straße und Schiene, in den Wäldern und am Wasser.
2018 war nur wenige Stunden alt, da brannte ein Gebäude in Hartmannsdorf. Das war der erste Einsatz der Ortsfeuerwehr in Lübben im vergangenen Jahr. 188 weitere folgten auf Straße und Schiene, in den Wäldern und am Wasser. FOTO: Andreas Staindl
Lübben. Die Ortsfeuerwehr Lübben verzeichnet für vergangenes Jahr exakt 189 Einsätze. Vor allem die Explosion im Spreewerk und die vielen Waldbrände verlangten den Feuerwehrleuten sehr viel ab. Doch auch die Vakanz beim Stadtbrandmeister und die Hängepartie des Feuerwehrhauses sorgten für Sprengstoff. Von Andreas Staindl

Die Ortswehr der Freiwilligen Feuerwehr in Lübben/Stadt ist im vergangenen Jahr zu 189 Einsätzen ausgerückt. Das sind 29 weniger als 2017, als vor allem Sturmschäden zu beseitigen waren. Diesmal stand das Retten, Bergen und Suchen von Personen an der Spitze der Einsatzliste. 45-mal mussten die Feuerwehrleute dafür ran.

Die Einsatzkräfte rücken zudem  oft zu Verkehrsunfällen aus, nämlich exakt 23-mal. Zudem wurden sie durch zahlreiche Wald-, Feld- und Vegetationsbrände gefordert.

Etwa 2550 Einsatzstunden wurden im vergangenen Jahr geleistet, sagte Hagen Mooser während der Jahreshauptversammlung am Freitagabend. „Da waren auch spektakuläre Einsätze dabei, die uns an unsere körperlichen Grenzen führten.“

Der Ortswehrführer erinnerte etwa an die Explosion im März im Spreewerk und an den Gebäudebrand gleich am ersten Tag des vergangenen Jahres in Hartmannsdorf. Im Juni war ein Bagger am Hartmannsdorfer Wehr ins Wasser gestürzt. Dort entsteht derzeit der millionenschwere Neubau für das breite Wehr mit Schleuse und Fußgängerüberweg.

Schwierig waren aber auch die Einsätze im Juli und November, bei denen Personen von Zügen überfahren wurden. Sechs Menschen konnten im vergangenen Jahr nur noch geborgen, 42 Personen und ein Tier allerdings gerettet werden.

Robert Schulz (142), Werner Krecker (104) und Hagen Mooser (101) leisteten 2018 die meisten Einsätze. Hinzu kommen die wöchentliche Ausbildung sowie Übungen und Lehrgänge. Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) würdigte am Freitagabend bei der Versammlung die hohe Einsatzbereitschaft und fragte staunend: „Wann sind die Kameradinnen und Kameraden eigentlich mal zu Hause?“

Dieter Heinze, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Dahme-Spreewald, schlug in die gleiche Kerbe: „Die mehr als hundert Einsätze einiger Aktiven sind schon eine ordentliche Hausnummer und aller Ehren wert.“ Petra Streiber sah das genauso. „Die Feuerwehrleute opfern ihre Freizeit für die Sicherheit der Bürger“, sagte die zuständige Fachbereichsleiterin. „Dieses Engagement kann man nicht hoch genug würdigen.“ Sie sieht die Ortsfeuerwehr in Lübben „gut aufgestellt. Damit die Feuerwehr ihre Aufgaben in unserer wachsenden Stadt auch künftig gerecht werden kann, werden wir sie entsprechend ausstatten.“

Hagen Mooser hatte zuvor auf veraltete und anfällige Fahrzeugtechnik aufmerksam gemacht. Er kritisierte zudem die Hängepartie in Bezug auf den Neu- oder Umbau der Feuerwache. „Seit 2014 sprechen wir darüber, wissen aber bis heute noch nicht, ob es zumindest eine finanzielle Planung für das Projekt gibt. Das ist für uns als Ortswehrführung eine unbefriedigende Situation.“

Die Stadt habe das Vorhaben im Blick, beantragte Fördermittel jedoch bisher nicht bekommen, erklärte wie Lars Kolan dazu. „Wir bleiben aber dran. Zur Not müssen wir halt ohne Fördermittel bauen. Wir können ja schließlich nicht ewig warten.“ Er sicherte auch den beheizbaren Container für die Jugendfeuerwehr zu, der schon vor etwa einem Jahr versprochen, aus personellen Gründen in der Verwaltung aber noch immer nicht auf dem Gelände der Feuerwache aufgestellt wurde. „Noch ein Jahr dauert es auf keinen Fall“, versprach der Bürgermeister.