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| 16:07 Uhr

Verkehr
B 87-Sperrung in Lübben: Warum keine Einbahnstraße?

Geduld müssen Lübbener Autofahrer mitbringen, wenn sie durch die Spreewaldstadt wollen. Die Bundesstraße ist entlang des Houwald-Damms gesperrt, was innerorts immer wieder für Wartezeiten sorgt.
Geduld müssen Lübbener Autofahrer mitbringen, wenn sie durch die Spreewaldstadt wollen. Die Bundesstraße ist entlang des Houwald-Damms gesperrt, was innerorts immer wieder für Wartezeiten sorgt. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Lübben. Vorübergehende Änderung in der Innenstadt wird von der Stadtverwaltung und dem Straßenverkehrsamt abgelehnt. Wochenmarkt wird verlegt. Von Ingvil Schirling und Liesa Hellmann

Noch eine Woche durchhalten, dann ist die B 87 am Houwald-Damm wieder offen. Die Vollsperrung über zehn Tage ist notwendig, um dort die zweispurige Baustraße herzustellen, die den Verkehr während des Ausbaus des Dammes aufnehmen soll. Am Samstag soll sie fertig sein und die Vollsperrung aufgehoben werden. Die schweren Lkw werden weiter großräumig durch den Unterspreewald umgeleitet. Der Liefer- und innerörtliche Verkehr aber muss bis dahin durch die Innenstadt. Und da müssen Autofahrer Geduld mitbringen.

Zeitweise bildeten sich vergangene Woche lange Schlangen. Die Polizei griff vor allem am Brückenplatz immer wieder ein, wenn dort nichts mehr ging. Ob eine kurzfristig angeregte Einbahnstraßenregelung durch die City Entlastung gebracht hätte, ist schwer zu sagen. Stadtverwaltung und Straßenverkehrsamt hatten sich dagegen entschieden.

„Geduld ist eine Sache, aber vorausschauende Verkehrsorganisation die andere“, plädiert Reinhard Krüger für eine Einbahnstraßenregelung. Der Stadtverordnete (Die Linke) war früher Polizist und ist im Ruhestand. „In der Innenstadt hätte es von Beginn an geordneter gehen können, vor allem vordringlich in Hinsicht auf die freie Fahrt der Rettungsfahrzeuge und den Schülerverkehr. Nun habe wir den Salat, mal sehen, wer den verantwortet. Es ist ein Klacks, in einer solch prekären Situation  Abhilfe zu schaffen“, schätzt er ein. „Das wird nicht die letzte Vollsperrung bleiben.“

Ähnlich sieht es Stadtverordneter Jens Richter (CDU/Grüne), beruflich Polizist. Er spricht sich dafür aus, die Einbahnstraßenregelung „wenigstens mal zu testen. Eine Chance hätte sie verdient, und das wäre ein mutiger Schritt gewesen.“

Idee der Einbahnstraßenregelung war, den Verkehr in Westrichtung über die Gubener, Kirch- und Poststraße zum Brückenplatz zu führen, in Ostrichtung von dort über die Hauptstraße und Lohmühlengasse zur Kupka. Dagegen spreche, informiert die Stadtverwaltung, „dass Busse wegen der kurzen Aufplasterungen und der damit verbundenen Gefahr des Aufsetzens nur die Kirch-/Poststraße nutzen können“. Weiterhin müssten Autofahrer mit einem konkreten Ziel in der City – oder diejenigen, die ihres suchen – immer die gesamte Strecke abfahren und „produzieren somit mehr Verkehr“, argumentiert die Verwaltung weiter. Sie habe den Einbahnstraßenvorschlag nochmals mit dem Straßenverkehrsamt erörtert, heißt es in einer Mitteilung.

Drittens spreche gegen die Regelung, „dass die Ausschilderung des Einbahnstraßenverkehrs neben der nun erfolgten Beschilderung des absoluten Halteverbots einen unübersichtlichen und nicht zielführenden Schilderwald produzieren würde“. Schließlich, führt die Verwaltung ein viertes Argument an, „müssten auch die Radfahrer der Einbahnstraße folgen“ und damit weitere Strecken in Kauf nehmen.

Dieter Dünnbier vom Straßenverkehrsamt des Landkreises Dahme-Spreewald bestätigte auf LR-Nachfrage die weitere Beratung zu dem Vorschlag und die Entscheidung, beim Begegnungsverkehr zu bleiben.

Die Meinung bei den betroffenen Verkehrsteilnehmern ist geteilt. Horst und seine Tochter Angela Schulz aus Delitzsch sind Dauercamper am Neuendorfer See. „Für solche Zwecke sind entlastende Einbahnstraßen immer gut.“

Dagegen sagt Jenny Kossert: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das viel an der Situation ändert.“ Die Hebamme ist an sich viel mit dem Fahrrad unterwegs. Am Donnerstagnachmittag musste sie das Auto nehmen und brauchte eine halbe Stunde durch die Stadt. „Ich habe es mir aber schlimmer vorgestellt“, sagte sie.

Einig sind sich die drei Befragten, dass sie kein Problem damit haben, wenn der Wochenmarkt am 10. und 12. Oktober aufgrund der Verkehrssituation in die Breite Straße verlegt wird. Die Marktzeiten bleiben unverändert. „Der Markt in Lübben gefällt uns sehr gut, denn er ist sehr vielseitig und hat viele regionale Produkte. Wir werden auf alle Fälle auch auf den Markt in der Breiten Straße gehen“, sagen Horst und Angela Schulz.

Angela und Horst Schulz.
Angela und Horst Schulz. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Jenny Kossert.
Jenny Kossert. FOTO: LR / Liesa Hellmann