ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:21 Uhr

Ein „ziemlich tolles Achtungszeichen“

Lübben.. Rund 30 Lübbener treffen sich im Rahmen des Forums gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Sie tauschen Erfahrungen aus, überlegen, wie der Verfestigung rechtsradikaler Strukturen in der Spreewaldstadt Einhalt geboten werden kann. Viele kleinere Aktivitäten und eine große, das Grenzenlos-Festival im vergangenen Jahr, haben sie auf die Beine gestellt. Für diese Arbeit wurde das Forum vom Bündnis für Demokratie und Toleranz in Berlin ausgezeichnet. Von Ingvil Schirling

Den Bundespreis, dotiert mit 5000 Euro, nahmen Vertreter des Forums kürzlich in Potsdam entgegen (die RUNDSCHAU berichtete). Für ihn bedeute die Auszeichnung „ein ziemlich tolles Achtungszeichen“ , sagt Pfarrer Ernst-Günter Heide aus Krausnick, der sich seit dessen Gründung 1998 im Lübbener Forum engagiert. Dieses „Achtungszeichen“ wiege schwer, „weil das Forum in Lübben von den Verantwortlichen nicht immer so anerkannt war“ , sagt er. Die Auszeichnung sei eine „Anerkennung unserer bisherigen Arbeit und eine starke Motivation, damit weiterzumachen“ , ergänzt Ilka Gelhaar-Heider, ebenfalls von Beginn an dabei.
In ihren Treffen würden sich Menschen aus Lübben und Umgebung, die sich im Forum engagieren, über rechtsradikale und fremdenfeindliche Auffälligkeiten austauschen, beschreibt Heide die gemeinsame Arbeit, und überlegen, „wo sollte Öffentlichkeit hergestellt werden“ . Man müsse darauf achten, was sich an den Schulen tut, sagte Heide. Der Blick ruht jedoch nicht nur auf den Institutionen, sondern auch auf anderen Orten in der Stadt.
Zahlreiche Lübbener würden mithelfen, „Spuckis“ von Lampenträgern und Verkehrszeichen zu entfernen, berichtet Ilka Gelhaar-Heider. „Spuckis“ sind Aufkleber mit rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Parolen, die zum Teil nur angeleckt werden brauchen, um auf der glatten Oberfläche zu halten. Sie zeigen vor allem die Präsenz von rechtsextrem Eingestellten an. Wiewohl die Zahl der „Spuckis“ abgenommen habe, so Ilka Gelhaar-Heider, „scheinen die Strukturen etwas verfestigt zu sein“ , berichtet Pfarrer Heide in Bezug auf Rechtsextremismus in Lübben und Umgebung. „Wenn man sich dagegen engagiert, kann man damit rechnen, dass man der Beobachtung ausgesetzt wird.“
Das Forum sehe es insgesamt als wichtig an, rechtsextreme Erscheinungen zu beobachten. „Es geht uns vordergründig um Wahrnehmung, über sie zu diskutieren“ , so Ilka Gelhaar-Heider. Man berate, wann die Polizei informiert und die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden sollte, ergänzt Pfarrer Heide. Die Zusammenarbeit mit der Polizei sei sehr gut. Ulrich Barthel, Chef der Lübbener Wache, und Olaf Schulze, Leiter des Bereichs Prävention im polizeilichen Schutzbereich Dahme-Spreewald, waren bei der Preisverleihung in Potsdam dabei.
Mit diesem Ansatz zeige das Forum „beispielhaft“ , begründete Uta Leichsenring, Polizeipräsidentin a. D. die Auswahl des Preisträgers, „wie rechtsextreme Strukturen erfolgreich zurückgedrängt, die lokale Zivilgesellschaft nachhaltig gestärkt und eine demokratische Kultur weiterentwickelt werden können“ .

Info zum Thema Zweites Festival
 Das Preisgeld soll unter anderem für ein zweites Grenzenlos-Festival eingesetzt werden, das am 4. und 5. September auf dem Hartplatz am Stadion der Völkerfreundschaft stattfinden soll. Die Vorbereitungen laufen bereits, berichtet Ilka Gelhaar-Heider. Demnächst sollen die ersten Pläne öffentlich gemacht werden.