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| 02:41 Uhr

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Errichtung von Fundamenten für eine Dienstbaracke der Zentralbauleitung durch niederländische SS-Frontarbeiter unter SS-Anleitung und -Bewachung, November 1943. Die Zentralbauleitung bestellte die notwendige Anzahl von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern sowie von Wachmannschaften für die Baustellen auf dem Truppenübungsplatz "Kurmark" und war für die Arbeitsbedingungen unmittelbar verantwortlich. Angehörige der Bauleitung nahmen Anfang Februar 1945 an der Massenerschießung von mehr als 1300 kranken jüdischen Häftlingen auf dem Lagergelände teil.
Errichtung von Fundamenten für eine Dienstbaracke der Zentralbauleitung durch niederländische SS-Frontarbeiter unter SS-Anleitung und -Bewachung, November 1943. Die Zentralbauleitung bestellte die notwendige Anzahl von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern sowie von Wachmannschaften für die Baustellen auf dem Truppenübungsplatz "Kurmark" und war für die Arbeitsbedingungen unmittelbar verantwortlich. Angehörige der Bauleitung nahmen Anfang Februar 1945 an der Massenerschießung von mehr als 1300 kranken jüdischen Häftlingen auf dem Lagergelände teil. FOTO: Nachlass Henk de Kloet
Lieberose. Der interreligiöse Gedenkgottesdienst gestern Nachmittag in der Landkirche in Lieberose ist gut besucht gewesen. Es war der Auftakt zur Gedenkveranstaltung für die Errichtung des KZ-Außenlagers Lieberose vor 73 Jahren. Andreas Staindl / asd1

Vor 73 Jahren wurde das KZ-Außenlager Lieberose errichtet. Welches Leid Menschen dort zugefügt wurde, soll nicht vergessen werden. Vielmehr soll die Erinnerung wachgehalten werden - auch mehr als sieben Jahrzehnte später. Der Gedenkgottesdienst war "ein Zeichen gegen das Vergessen", wie Susanne Brusch sagt. Er sollte ebenso "an die Schuld erinnern". Der Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lieberose und Land zufolge gab es auch in der Kirche Leute, die weggeschaut haben, als anderen Leid angetan wurde.

Erinnerung gelingt nur, wenn dies nicht mit schönen Reden, sondern mit entsprechendem Handeln getan wird, wie Andreas Nachama sagt. Der Rabbiner war Gast des Gedenkgottesdienstes und gestaltete gemeinsam mit Marion Gardei die Predigt. Nachama ist geschäftsführender Direktor der Stiftung Topografie des Terrors in Berlin, Pfarrerin Gardei Beauftragte für Erinnerungskultur der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

"Erinnerung", sagt der Rabbiner, "muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Wir dürfen nicht nur mit Worten erinnern, sondern müssen auch etwas gegen das Vergessen tun. Am Ende steht der Mensch vor Gott." Marion Gardei predigte ähnlich: "Was wir getan haben für unsere Nächsten - darauf kommt es an. Jeder kann Gutes tun."

Martin Hirche war erfreut über den interreligiösen Gottesdienst in Lieberose. "Was sind das doch für Zeiten", sagte der Generalsuperintendent der EKBO mit Blick darauf, dass sich die verschiedenen Glaubensgemeinschaften schon zu Beginn des Reformationsjahrs wieder näher kommen. "Nächstenliebe", so Herche weiter, "ist unsere Verpflichtung auch der vielen Toten des KZ-Außenlagers Lieberose gegenüber. Ich bin tief bewegt, dass wir uns zur interreligiösen Feier zusammengefunden haben. Und das in dieser Stadt mit ihrer Geschichte - das ist ein großes Geschenk." Er dankte der Kirchengemeinde und den Gästen, dass sie helfen, die Erinnerung an das Geschehen im Konzentrationslager wach zu halten.

Auch die Ausstellung "Vor dem Massenmord. Beginn der SS-Bautätigkeit in Jamlitz" erinnert an das KZ-Außenlager. Sie wurde im Anschluss an den Gottesdienst im Justus-Delbrück-Haus in Jamlitz eröffnet. Zu sehen sind Fotos des niederländischen Architekten Henk de Kloet vom Truppenübungsplatz "Kurmark" 1943/44. Der Lieberoser Andreas Weigelt hatte die Idee für die Ausstellung. Die Informationen stammen zum großen Teil von Peter Kotzan (Lieberose). Zitate der Schau seien Briefen und Erinnerungen von niederländischen SS-Frontarbeitern entnommen, die in Jamlitz eingesetzt gewesen seien.

Die gezeigten Fotos und Zeichnungen dokumentieren die Frühphase ausgedehnter Baumaßnahmen auf dem Truppenübungsplatz "Kurmark", der im Herbst 1943 in der nördlichen Niederlausitz errichtet wurde. Sie gehören den Ausstellungsmachern zufolge zu den wenigen bildlichen Zeugnissen für das Entstehen des größten Übungsgebiets der Waffen-SS im deutschen Reichsgebiet. 1944 erweiterte die SS das Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen zum größten Lager für jüdische Häftlinge im Raum Berlin-Brandenburg. Die Gedenkveranstaltung gestern soll die Erinnerung daran wach halten und informieren.