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| 02:42 Uhr

Ein Mal im Jahr: singen, erzählen und spinnen in der Lubolzer Spinnstube

Spinnräder drehten sich am Samstag in der Spinnstube in Lubolz. Heidi und Katrin Günther hatten zur Spinte eingeladen.
Spinnräder drehten sich am Samstag in der Spinnstube in Lubolz. Heidi und Katrin Günther hatten zur Spinte eingeladen. FOTO: A. Staindl/asd1
Lubolz. Die Spinnstube in Lubolz (Stadt Lübben) hatte am Samstag geöffnet. Heidi und Katrin Günther hatten zur Spinte eingeladen. Auch diesmal folgten mehrere Frauen der Einladung. Sie brachten Spinnräder oder Strickzeug mit. asd1

Spinnen entspannt. Es kann aber auch ganz schön aufregend sein. Hält der Faden diesmal? Wickelt er sich problemlos um die Spule? Oder reißt er? Aus einem Haufen Wolle einen Faden zu spinnen, ist dann doch nicht so einfach wie es aussieht. Marion Kilian will es lernen. "Ich finde Spinnräder faszinierend und möchte das alte Handwerk gern beherrschen", sagt die Radensdorferin. "Zudem ist Spinnen eine alte Tradition im Spreewald. Man kann dabei wunderbar zur Ruhe kommen."

Spinnen wie Gisela Christl

Wenn man das Handwerk dann so beherrscht wie Gisela Christl, ist es sogar entspannend. Die Spreewald-Christl bringt Interessierten die Spreewälder Tradition näher. Sie hat nicht nur ihr Spinnrad, sondern auch einen Korb voller Wolle von ihren Schafen mit in die Spinnstube in Lubolz gebracht. Die Wolle riecht etwas streng, lässt sich jedoch besser verarbeiten als schon bearbeitete Wolle, die im Handel erhältlich ist. Angelika Merta zumindest hat dieses Gefühl. Der Faden auf ihrer Spule will sich einfach nicht problemlos aufwickeln lassen. "Ich arbeite schon länger mit meinem Spinnrad, will mir heute ein paar zusätzliche Tipps holen", erzählt die Lübbenerin.

Die Spinte anno 2017 in Lubolz ist eine gute Gelegenheit dazu. Gisela Christl erklärt, motiviert, packt selbst mit an. Angelika Merta hört aufmerksam zu, sieht ihr genau auf die Finger. Und doch läuft der Faden nicht wie gewünscht. "Spinnen ist offenbar eine Wissenschaft für sich", sagt sie und arbeitet konzentriert weiter: "Ich bin sehr ehrgeizig, möchte Spinnen unbedingt lernen." Für die Spreewald-Christl gibt es dafür nur einen Weg: "Üben, üben, üben." Und schmunzelnd schiebt sie hinterher: "Früher konnte jedes dumme Mädchen im Dorf spinnen." Fünf Spinnräder drehen sich bei der Spinte am Samstag in Lubolz. Heidi Günther sitzt an einem davon. Auch sie versucht, das Spinnrad mit ihrem Fuß in Bewegung zu halten und dabei die Wolle geschickt in Richtung Spindel zu führen. Eine Kombination, die leicht aussieht, es aber offenbar nicht ist. Heidi Günther schafft in jedem Jahr zumindest einen Knäuel Wolle: "Irgendwann reicht die Wolle für ein paar Socken."

Geselligkeit ist der Zweck

Der praktische Zweck steht ohnehin nicht im Mittelpunkt der Spinte anno 2017. Vielmehr geht es um Geselligkeit, um den Erfahrungsaustausch und Plauderei in gemütlicher Runde. Die Autorin Ingrid Groschke aus Lübben liest einige ihrer Geschichten vor. Sie ist eine von drei Frauen, die ihr Strickzeug mit in die Spinnstube gebracht haben. Auch dieses Trio fachsimpelt fleißig.

Gisela Christl hat ihr Akkordeon dabei. Die Teilnehmerinnen singen fröhlich zu den Melodien mit: "Horch, was kommt von draußen rein.....". Katrin Günther versorgt die Frauen mit Kaffee und Kuchen. Gemütlichkeit pur in der Spinnstube. "Es ist eine sehr angenehme Runde", sagt Marion Kilian. Und eine mit Lerneffekt. "Treten, treten, immer treten, Mädel." Gisela Christl feuert Angelika Merta an, um das Spinnrad in Schwung zu halten - mit Erfolg. "Jetzt hat sie es." Die Tradition der Spinte lebt auch in Lübben. Zumindest ein Mal im Jahr im Ortsteil Lubolz. Im nächsten Jahr ist erneut Gelegenheit, dabei zu sein.