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Ein Kanzlerkandidat in Lübben

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt machte Martin Schulz zum Oberthema seiner Wahlkampfrede (rechts: Bundestagskandidatin Sylvia Lehmann).
Den gesellschaftlichen Zusammenhalt machte Martin Schulz zum Oberthema seiner Wahlkampfrede (rechts: Bundestagskandidatin Sylvia Lehmann). FOTO: Schirling
Lübben. Einen besseren Start in den Wahlkampf hätte sich Sylvia Lehmann (SPD) nicht wünschen können. Die Dollgenerin (Märkische Heide) ist Landtags- und Kreistagsabgeordnete. Ingvil Schirling

Nun will sie in den Bundestag. Martin Schulz, ehemals Präsident des europäischen Parlaments, jetzt designierter Kanzlerkandidat der SPD, sorgte gestern für viel Aufmerksamkeit in der Spreewaldstadt für beide Politiker. Ganz früher war er einmal Bürgermeister von Würselen (NRW) und als SPD-Abgeordneter auch ehrenamtlich tätig.

Mit diesem Hinweis baute er Kontakt zu den rund 60 Lübbener Ehrenamtlichen auf, die sich im Casino der Spreewaldklinik dicht an dicht drängten. Viele bekannte Lübbener Gesichter waren darunter, die garantiert gern mehr von dem heutigen Berufspolitiker gesehen hätten, der die SPD derzeit in unerwartete Umfrage-Höhenflüge führt und in sozialen Netzwerken sogar für Euphorie sorgt.

Doch zwischen ihnen und dem Kandidaten stand eine dichte Mauer aus Journalisten mit großen Kameras auf den Schultern und langen Mikrofonen in den Händen. So geriet die Veranstaltung zunächst mehr zur Pressekonferenz mit Wahlkampfcharakter und dem inhaltlichen Beklagen von mangelndem Zusammenhalt in der Gesellschaft als zur Begegnung von Mensch zu Mensch.

Diese stand bei den Patinnen und Koordinatorinnen des Netzwerks Gesunde Kinder im Mittelpunkt, das Martin Schulz vor dem Empfang kennengelernt hatte. Es habe ihn "inspiriert", sagte er. "Es war für mich faszinierend und ein lehrreicher Nachmittag", bilanzierte er, "in einer so zerfasernden Zeit Menschen kennenzulernen, die freiwillig etwas tun, um den Zusammenhalt zu stärken".

Das Netzwerk Gesunde Kinder, ein Erfolgsprojekt in Dahme-Spreewald, hat viele Väter und engagierte Mütter. 2007 aus der Taufe gehoben, wird es von der AWO und dem Klinikum Dahme-Spreewald getragen und vom Bildungsministerium des Landes gefördert.

Drei Projektkoordinatorinnen sorgen dafür, dass Paten und Familien einander finden. Dann bekommen die jüngsten Dahme-Spreewälder auf Wunsch ihrer Familien einen extra Schub ins neue Leben. Konkret bedeutet das, dass Babys zwischen null und drei Jahren von ihren Paten mindestens zehn Mal besucht werden. Die Paten haben keinen therapeutischen Anspruch, das ist wichtig, verfügen aber über jede Menge Lebenserfahrung. Sie verstehen sich als Zuhörer, Kümmerer, Wegbegleiter, Vertrauensperson und Lotsen. Es geht um Vertrauen, das möglichst schon vor der Geburt zu den Eltern aufgebaut wird, um hilfreiche Tipps für guten Babyschlaf, Fragen, ob diese kleinen Pickelchen schon Neurodermitis sind, aber auch Zahngesundheit oder Impfungen.

Begleitend werden thematisch bezogene Abende für die Eltern angeboten, von der Hausapotheke über das Trotzalter bis zum Verhalten gegenüber Fremden. Treffen für Single-Mütter, Hebammensprechstunde für arabisch und kurdisch sprechende Frauen und Familientreffs runden das Angebot ab. Im Netzwerk wurden zwischen 2007 und 2014 exakt 123 Paten und Patinnen geschult, die 354 Familien begleiteten - Feiern wie das Zwergen-Sommerfest in Kemlitz oder das Drachenfest in Königs Wusterhausen inklusive.

All das sowie die ansprechenden und häufig fotografierten Poster und Flyer des Projekts flimmerte abends über zahlreiche Bildschirme, mindestens in Brandenburg. Martin Schulz und Sylvia Lehmann sorgten nicht nur für viel Aufmerksamkeit für sich in Sachen Bundestagswahl, sondern auch für das Netzwerk Gesunde Kinder in Dahme-Spreewald.

Zum Thema:
Das Netzwerk Gesunde Kinder in Dahme-Spreewald sucht immer wieder neue Paten und Patinnen und bietet Fortbildungen an. Die neue Ausbildungsreihe soll im Frühjahr starten. Mehr dazu sowie alle Kontakt sind unter www.netzwerk-gesunde-kinder.de . Die Projektkoordinatorinnen sind auch auf Facebook sehr aktiv und auf der Seite "NetzwerkGesundeKinderLDS" zu finden.