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| 17:17 Uhr

Versteigerung
Ein bisschen Nervenkitzel am Nachmittag

Ein Laufsteg für Fahrräder: Rathausmitarbeiter 
Marko Spitzer führt einen
der 66 Drahtesel vor.
Ein Laufsteg für Fahrräder: Rathausmitarbeiter Marko Spitzer führt einen der 66 Drahtesel vor. FOTO: LR / Steven Wiesner
Lübben. Bei der Fundsachenversteigerung auf dem Rathaushof nimmt die Stadt 1373 Euro ein. Die Auktion wird immer beliebter. Von Steven Wiesner

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Gegen 16.15 Uhr fiel am Dienstagnachmittag der letzte Hammer auf dem Rathaushof. Gut zwei Stunden nachdem die alljährliche Versteigerung eröffnet worden war, bei der die Stadtverwaltung Lübben wieder Unmengen an Fundsachen zur Auktion freigegeben hatte. Allein die Länge der Veranstaltung legt bereits zwei Dinge offen: Zum Einen sammeln sich mit der Zeit immer mehr Objekte an. Zum Anderen scheint aber auch die Nachfrage von Schnäppchenjägern und Bürgern zu steigen, die einfach nur ein gutes Geschäft wittern.

66 Fahrräder und nochmal 20 bis 30 weitere Utensilien lagen dabei aus. Allesamt Fundsachen oder sogar Diebesgut, das von Polizei und Staatsanwaltschaft freigegeben wurde. Fernrohr, Gehstock, Ringe, Gürtel, Handtaschen, Portemonnaies, eine Brille mit der Sehstärke minus eins – wer da nicht fündig wurde, war selber schuld. „So viele Sachen hatten wir hier noch nie“, sagt Dörthe Ziemer, die Pressesprecherin der Stadt. Die 50 bis 60 Besucher mussten also schon jede Menge Stehvermögen mitbringen, um sich jedes einzelne Fundstück vorführen zu lassen. „Das hat schon ziemlich lange gedauert“, sagt Ziemer, die um die Beliebtheit dieser Versteigerung weiß. Bisher hat das Fundbüro der Stadt einmal im Jahr eine Auktion durchgeführt. „Wir spielen aber mit dem Gedanken, eine zweite Versteigerung pro Jahr anzubieten.“

Das dürfte vor allem bei Jürgen Burow gut ankommen. Der 52-jährige Lübbener war einer der aktivsten Bieter und trat den Heimweg mit einem halben Tante-Emma-Laden an. „Ich bin seit sieben Jahren dabei. Man findet immer etwas, was noch zu gebrauchen ist.“ Er schielte im Besonderen auf Fahrradutensilien. Nach der Versteigerung hatte der leidenschaftliche Sammler mehr als zehn Kaufbelege in der Hand.

Auch bei Gerd Dähne quoll die Hosentasche mit Quittungen über. 15 Fundsachen waren während der Auktion in seinen Besitz übergegangen. „Der Mann schreit immer hier“, kommentierte eine kleine Zuschauerin die Shoppinglust des 51-Jährigen recht amüsant. Aber Dähne hat neben dem Spaß und dem Nervenkitzel, der entsteht, wenn zwei Interessenten ihr Budget abwägen und sich immer wieder und immer wieder überbieten, nun mal auch den Nutzen solcher Versteigerungen für sich erkannt: „Ich baue für mein Leben gern Fahrräder zusammen, und hier bekommt man preiswerte Ware.“ Kürzlich habe er nach einem Rad Ausschau gehalten, für das er 1000 Euro hätte berappeln müssen. „Hier habe ich jetzt ein ähnliches für 241 Euro bekommen.“ Es war zugleich das teuerste Objekt, das an diesem Tag versteigert wurde.

Insgesamt sind 1373 Euro in die Stadtkasse geflossen. Es sei aber kein zusätzliches Geld, mit dem die Stadt jetzt Kitas sanieren oder Partys schmeißen könne. „Das Geld ist Teil des geplanten Haushaltes und deckt noch nicht mal Personalkosten ab“, so Dörthe Ziemer. Kostbar ist es trotzdem – wenngleich es überwiegend durch Trödel- und Billigware zustande kam.

Jürgen Burow war mit mehr als zehn Belegen einer der aktivsten Bieter.
Jürgen Burow war mit mehr als zehn Belegen einer der aktivsten Bieter. FOTO: LR / Steven Wiesner
Von Gehstöckern über Brillen bis zu Damengürteln war alles mit dabei. Auch so mancher Fahrradrahmen kam unter den Hammer.
Von Gehstöckern über Brillen bis zu Damengürteln war alles mit dabei. Auch so mancher Fahrradrahmen kam unter den Hammer. FOTO: LR / Steven Wiesner