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Ehrgeiziges Konzept für neue TKS

Lübben. Es ging ans Eingemachte, und angenehm war das nicht immer. Erstmals ist die konkrete Neuaufstellung der Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH (TKS) in Lübben offen diskutiert worden. Die beauftragte Beraterfirma dwif stellte das ehrgeizige Konzept im Hauptausschuss erneut vor. Ingvil Schirling

Auch wenn es im Kern, wie schon im Finanzausschuss vergangenes Jahr präsentiert, nicht so viel anders wird, als die TKS ganz früher einmal gedacht war, ändert sich doch vor allem eines: der Anspruch.

Die künftige LSM als Lübben (Spreewald) Service- und Managementgesellschaft mbH soll auf drei Säulen stehen: der jetzt schon existierenden Spreewald-Info, dem Bereich Marketing und Produkte und dem Bereich Strategie und Branche. Zehn Vollzeitkräfte und eine "starke Geschäftsführung" sollen die Aufgaben stemmen.

Das Budget schätzt Karsten Heinsohn von der Beraterfirma dwif, die die Konzeption erstellt hat und die Marktsituation dafür durchleuchtet hat, auf 600 000 bis 700 000 Euro jährlich. Davon könnten etwa 120 000 Euro selbst erwirtschaftet werden.

Ehrgeizig ist der Plan für die neue Struktur vor allem deshalb, weil der Aufgabenschwerpunkt von der Gästeberatung und der Veranstaltungsorganisation deutlich weggeht. Im Mittelpunkt sollen künftig diese Ziele stehen: Gästezufriedenheit steigern, tourismusrelevante Anbieter in der Qualität verbessern, Saisonalität verringern. Natürlich sollen weiter die Übernachtungs- und Tagesgäste-Zahlen gesteigert und der Anteil an Kernzielgruppen erhöht werden. Kurzum: Die neue LSM soll "Motivator nach innen, Dienstleister nach außen" werden.

Da hakte Marco Sell (CDU/Grüne) ein. "Wie sehen Sie die Durchführung dieses Umbruchs, die Neustrukturierung, im Hinblick auf die personelle Qualität? Ist der Fundus da oder wird es ein schwerer Prozess?" Es war höflich formuliert, aber keine angenehme Frage aus Mitarbeitersicht. Von diesen war jedoch nur TKS-Chef Thomas Worms da, der im Februar in den Ruhestand geht. Heinsohn schickte seiner Antwort voraus, dass er bisher keine Einzelgespräche mit den Mitarbeitern geführt habe. Mit der Neustrukturierung sei in der Tat "ein hohes Maß an Bereitschaft für Neues gefordert. Es muss auch ein Kompetenzaufbau stattfinden", nannte er Beispiele im Online-Bereich.

Dafür, so seine Idee, solle 2017 als Umbruchjahr dienen. Beschließen die Stadtverordneten Ende Januar, könnte die neue Struktur zum Ende des dritten oder Anfang des vierten Quartals stehen. "Die positiven Effekte könnten wir dann schon mit der Saison 2018 sehen", schätzte der Berater ein. Zweifellos erfordere das Geduld und Vertrauensvorschuss. "Wenn 2018 die Maßnahmen greifen, können wir neu bewerten, was gefruchtet hat und was nachjustiert werden muss."

Peter Schneider (Die Stadtfraktion) klopfte in seinen Nachfragen das Konzept auf mögliche Doppelstrukturen ab und hinterfragte einzelne Leistungen. Bei der Stellenplanung ging er ins Detail und hakte sinngemäß nach: Wenn die Veranstaltungsorganisation - auch aus EU-rechtlichen Gründen - ohnehin reduziert werden muss, warum dann 1,5 Stellen, also 60 Stunden die Woche, dafür vorhalten? Heinsohn glaubte nicht, dass das zu viel sei, andererseits befürchtete er, dass zwei Stellen für Marketing eher zu wenig geschätzt seien. Wer die Veranstaltungsorganisation mache, solle aber auch fürs Marketing einsetzbar sein, wenn weniger stattfindet.

Auch Jens Richter (CDU/Grüne) befürchtet Doppelstrukturen. Er hielt ebenso wie Peter Rogalla (Die Linke) eine weitere Begleitung durch das dwif-Büro für dringend notwendig. "Ich lasse Sie da nicht alleine", versicherte Karsten Heinsohn. Die Begleitung sei Teil der Leistungen des Büros.

Wie am Ende die Aufgaben der neuen Gesellschaft exakt von dem abgegrenzt werden, was andere Einrichtungen bereits oder zukünftig leisten, wurde nicht abschließend geklärt. Im Hauptausschuss blieb auch offen, wie die Abgeordneten letztlich dazu stehen.

Nun steht die neue Struktur auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Sie beginnt am Donnerstag, 26. Januar um 17.30 Uhr im Rathaussaal.