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| 18:08 Uhr

Vorhaben
Auftritt mit Glanz und Patina

Das Treppenhaus des Mehrfunktionshauses Lieberose, besser bekannt als ehemaliges Landambulatorium, kommt nach der Renovierung in seiner vollen Pracht zur Geltung. Man beachte den aufwändigen Leuchter und die bunt verglasten Fenster.
Das Treppenhaus des Mehrfunktionshauses Lieberose, besser bekannt als ehemaliges Landambulatorium, kommt nach der Renovierung in seiner vollen Pracht zur Geltung. Man beachte den aufwändigen Leuchter und die bunt verglasten Fenster. FOTO: Jörg Kühl
Lieberose. Ehemaliges Landambulatorium wird zu einem „Mehrfunktionshaus“ umgebaut. Die INA-Projektgesellschaft zieht um.

Das repräsentative Gebäudensemble Mühlenstraße 20 in Lieberose, bekannt als „Landambu“, wird derzeit im Inneren saniert und ausgebaut. Künftig wird das Gebäude „Mehrfunktionshaus Lieberose“ heißen.  In diesen Tagen zieht mit der INA GmbH eine neue Mieterin ein.

Wurde in den Jahren 2014/15 die Außenhülle samt Dach, Türmchen und Fassaden saniert, so ist seit 2017 der Innenausbau dran.  Alle Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz, versichert die mit dem Innenausbau beauftragte Bauingenieurin Gundula Reinke. Es gelte, so viel wie möglich zu erhalten, trotzdem müssen Räume entstehen, die  eine moderne Nutzung zulassen. So wurden, wo es möglich war, die alten Parkettböden restauriert, abgeschliffen und so als Böden mit wunderschöner Patina erhalten. Ein weiteres Beispiel ist die alte Holz-Wandtäfelung im Foyer, die lückenhaft war. Hier erwies der Umstand, dass Tafelplatten an einer anderen Stelle abgenommen werden mussten, als glücklich. Denn so konnte die Fehlstelle durch Originalbauteile ergänzt werden.

Letzte Pinselstriche: Manfred Kranich von der Friedländer Malerfirma Maiwald im Obergeschoss beim Feinschliff.
Letzte Pinselstriche: Manfred Kranich von der Friedländer Malerfirma Maiwald im Obergeschoss beim Feinschliff. FOTO: Jörg Kühl

Beinahe fertig sind die neuen Toilettenanlagen, die künftig sowohl vom Foyer aus, als auch von der Hofseite aus zugänglich sein werden. Die Erreichbarkeit von der Hofseite ist notwendig, um für Außenveranstaltungen, beispielsweise Hafenfesten oder Kartoffelfesten, gewappnet zu sein. Ihre Generalprobe werden die neuen WCs – ein Exemplar ist barrierefrei ausgeführt – beim Lieberoser Wandertag am 5. Mai erleben.

Derzeit erledigen Handwerker der Firma Holzbau Guben letzte Arbeiten im Foyer. Mitarbeiter der Friedländer Firma Maiwald streichen Wände und Fußbodenleisten. Das Dachgeschoss wird für einen künftigen Ausbau vorbereitet. Auch an eine Aufzugsanlage, für die es bisher noch keine Finanzierung gibt, wurde gedacht. An der Hofseite sind entsprechend zwei Fassadenstücke und die dahinter liegenden Räume freigehalten worden.

Die Räume im Obergeschoss sind bereits fertig, denn seit Monatsbeginn  März ist die Mühlenstraße 20 Adresse der neu gegründeten INA-GmbH. Die Gesellschaft wird die Internationale Naturausstellung (INA)  in der Lieberoser Heide vorbereiten. Die für das Büro notwendigen elektrischen Anschlüsse und Kabel wurden denkmalgerecht unter das Parkett verlegt.

Nutznießer des Innenausbaus ist auch das im Haus angestammte Begegnungszentrum des Deutschen Roten Kreuzes FiZ. Deren Leiterin Christina Dahlitz freut sich besonders, dass ein großer Saal gegenüber den angestammten FIZ-Räumen dem Begegnungszentrum zugeordnet worden ist. Hier werden künftig die Tanz- Und Bewegungs-Angebote stattfinden. Diese werden bisher in dem Fachwerkgebäude quer über den Hof angeboten, in dem sich einst die Entbindungsstation befand. Apropos Hof: Dieser harrt noch immer eines grundhaften Ausbaus. Dieser Mangel wird immer offensichtlicher. Während das Hauptgebäude zumindest im Untergeschoss mittlerweile barrierefrei ausgebaut ist, kann davon im unbefestigten Innenhof, der nach Regenfällen regelmäßig zur Pfützenlandschaft wird, nicht die Rede sein. Wie die für Bausachen zuständige Leiterin in der Amtsverwaltung Lieberose/Oberspreewald, Anette Joppich, mitteilt, hat das Amt den mittlerweile siebten Fördermittelantrag gestellt, um den grundhaften Ausbau realisieren zu können. In den Innenausbau des künftigen Mehrfunktionshauses investiert die Stadt Lieberose 196 000 Euro. Der Löwenanteil, nämlich 120 000 Euro wird aus der Städtebauförderung gegenfinanziert.

Das Hofensemble wurde im 16. Jahrhundert als Stadtgut angelegt. Das Hauptgebäude wurde Anfang des 18. Jahrhunderts errichtet. Zeitweilig war die Gaststätte „Zum Blauen Engel“ dort untergebracht. 1802 wurde das Gebäudeensemble durch den Königlich-Sächsischen Kammerkommissar Trierenberg zur Poststation mit Herberge umgebaut. Bis 1901 war das Gebäude die Trierenbergsche Posthalterei zu Lieberose. Um 1910 erfolgte der Umbau des Hauptgebäudes zum Wohn- und Verwalterhaus des Gräflichen Stadtgutes. 1946 bis 1957 wurde die Immobilie als Krankenhaus genutzt.

(Jörg Kühl)