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Konzert
Konzert mit Feld-Harmonium in Neu Zauche

Das Vokalensemble Wilfried Wilke sang in der Kirche Neu Zauche.
Das Vokalensemble Wilfried Wilke sang in der Kirche Neu Zauche. FOTO: Jürgen Harnath / LR
Neu Zauche. Ehemaliger Cottbuser Kantor trat mit Sängern und einer besonderen Rarität in der Kirche auf. Von Jürgen Harnath

Der ehemalige Kirchenmusikdirektor und Kantor der Cottbuser Oberkirche Wilfried Wilke hat vor rund fünf Jahren das gleichnamige Vokalensemble gegründet und ist seitdem in vielen Kirchen der Lausitz mit Kirchenmusikkonzerten unterwegs. Am Samstag waren die 18 Sänger, unter ihnen auch Kinder, zum ersten Mal in der evangelischen Kirche Neu Zauche zu Gast.

Wilke widmet sich intensiv der Kirchenmusik, auch nach seiner aktiven Zeit an der Oberkirche und im Kirchenkreis Cottbus. „Für mich ist Rente ein Fremdwort. Musik ist und bleibt mein Leben. Deshalb bin ich mit dem Vokalensemble im Land unterwegs. Vor allem in kleinen Dorfkirchen, wegen der schönen Akustik“, erklärt er.

Viele der heutigen Ensemblemitglieder sangen schon als Kind im Cottbuser Kirchenchor. Das Programm reichte von geistlicher Chormusik für Advent und Weihnachten  des barocken Kirchenkomponisten Heinrich Schütz über Werke von Andreas Hammerschmidt und Michael Praetorius bis zu europäischen Weihnachtsliedern aus Österreich, Ungarn und England. „Ich habe heute eine Rarität mitgebracht. Ein sogenanntes Feld-Harmonium. Es ist über hundert Jahre alt und diente im ersten Weltkrieg als Harmonium bei den Feldgottesdiensten“, erläuterte Wilke weiter. Er sammelt diese und besitzt mehr als 60 Instrumente, die er vor der „Entsorgung“ rettete.

Beim Konzert verstand es das Ensemble, jedes Lied mit Würde und Seele zu Gehör zu bringen. Die Kinder waren mit ihren klaren Sopranstimmen völlig in den Gesang vertieft. 

Bei seiner Pensionierung im Jahre 2012 konnte Wilfried Wilke auf 40 Dienstjahre, 29 davon allein in Cottbus zurückblicken. 1983 wurde er als erster hauptamtlicher Kantor nach dem Zweiten Weltkrieg an die in den 1970-Jahren wieder aufgebaute Cottbuser Oberkirche St. Nikolai berufen. Was damals mit drei Sängern begann, entwickelte sich unter seiner Leitung zur Aufführung von drei bis vier großen Oratorien und weiteren 60 bis 80 Konzerten mit 120 bis 160 Sängerinnen und Sängern pro Jahr.

Die Aufführung von Johann Sebastian Bachs „Oster-Oratorium“ 2007, die um 5 Uhr morgens stattfand, ist ebenso in lebhafter Erinnerung wie Wilkes 68-Stunden-Orgelmarathon aus Protest gegen den Golfkrieg. 2005 setzte er sich für die Restaurierung, den Transport und den Aufbau einer Orgel aus Hessen über Cottbus nach Wolgograd ein. Wilke engagierte sich für den musikalischen Nachwuchs und kooperierte mit polnischen Musikern, unter anderem dem Chor der Philharmonie Zielona Gora.