Von Ingvil Schirling

2030 „wollen“ die Lübbener mehr als 15 000 Einwohner in ihrer wachsenden Spreewaldstadt sein. Ein genauer Blick auf diesen Satz macht deutlich, wie sehr die Dynamik in kurzer Zeit angezogen hat. „Wir werden 2030 mehr als
15 000 Einwohner sein“, macht Bürgermeister Lars Kolan (SPD) in seinem Rück- und Ausblick auf 2018/19 deutlich und unterstreicht dabei lautmalerisch das Wörtchen „werden“ gleich doppelt. „Genau darauf müssen wir uns vorbereiten. Es wäre doch frustrierend, wenn die Leute kommen und wir sie nicht unterbringen könnten.“

Das deutliche Wachstum ist definitiv erkannt. 2018 sind wichtige Schritte unternommen worden: Der Modulbau für die Jahn-Grundschule ist auf dem Weg, der Parkplatz Burglehn fertig, die Kita Waldhaus im Bau, der Ausbau des Houwald-Damms mit den Querungsinseln begonnen, die Lehnigksberger Brücke saniert – Grundlagen für die Weiterentwicklung sind geschaffen. Doch große Aufgaben einer wachsenden Kreisstadt stehen vor der Tür, einige davon werden kommendes Jahr voraussichtlich begonnen werden. Für Lars Kolan ist der Ansatz klar: „Mutig voran! Das sollte uns dabei immer leiten.“

Das ist Ansage und Herausforderung zugleich. Denn manche Prozesse, das sieht auch Lübbens Bürgermeister so, sind einfach zu langsam für die aktuelle Entwicklung. An manchen Verzögerungen hat er Anteil, räumt er ein und verweist auf die Hauptsatzung, die zum Jahresende diskutiert werden sollte, vor Weihnachten aber noch zur Endkorrektur auf seinem Schreibtisch lag. Für Januar soll sie den Abgeordneten dann endlich zugestellt werden. Vor diesem Hintergrund will Kolan seine Terminplanung noch genauer unter die Lupe nehmen. Andere Prozesse sind so angelegt, dass sie ihre Zeit brauchen. Das „spontane Leben“ könne beispielsweise über die Jahresscheiben der Haushaltsplanung nur begrenzt  stattfinden. Darin wird noch zu diskutieren sein, ob die Personalkosten die Schallgrenze der zehn Millionen Euro durchbrechen dürfen - wenn die Stadtverordneten in den kommenden Wochen den Haushalt verabschieden. Das könnte schwer werden in einer wachsenden Stadt mit den anstehenden Aufgaben. Allein Tariferhöhungen, erklärt Kolan, schlagen mit 830 000 Euro zu Buche. Sehr dankbar ist er für eine Stelle, die sich nur mit der Fördermittelakquise beschäftigen soll – auch das mit Blick auf viele Vorhaben in einer wachsenden Stadt. „Diese Stelle bringt uns unheimlich viel Geld. Auch bei der Abrechnung kann man viel falsch machen. Es geht darum, die Fördermittel zu bekommen und zu behalten – beziehungsweise Nachträge zu beantragen, wenn ein Vorhaben teurer wird.“ Die Antragstellung ist ungleich umfangreicher als noch vor wenigen Jahren.

Einen langen Atem wird die Stadt bei wichtigen Verkehrsvorhaben brauchen. Die Projektgruppe für das künftige Bahnhofsumfeld sei „erfolgreich gestartet“. „Das Schöne ist: Alle wollen“, so Lars Kolan. Die Bahn, das Land, der Landkreis, die Stadt sowieso. 12 000 Quadratmeter Fläche sind gekauft. „Jetzt geht es an den Tunnel“, der diese künftig mit dem Zugang zu den Gleisen verbinden soll. Diese Baumaßnahme würde geschätzt vier bis fünf Millionen Euro kosten. „Das muss die Bahn eintakten, ebenso den zeitlichen Ablauf.“ Dieser Prozess ist Kolan zufolge hoch komplex in den Abläufen und daher langsam – „aber von Wohlwollen geprägt“.

Entwicklungen wie diese meint er, wenn er anspricht, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen, was gemessen an der Wachstumsgeschwindigkeit der Stadt langsam wirkt. Verdichtet wird dies noch durch die erheblichen Straßenbauvorhaben: Die Weiterführung des Ausbaus B 87 mit den beiden Brückenbauten bis zur Einmündung Jahn-Straße und der Ausbau der B115 auf langer Strecke, nämlich vom Ortseingang bis zur Ampel Brückenplatz. Letzteres ist zwar noch eine Weile in die Planung, bedeutet in der Umsetzung aber „eine weitere OP am offenen Herzen von Lübben“, schätzt Kolan ein. Es werden also einerseits Flächen erschlossen für den Zuzug, andererseits stehen Verkehrsprojekte an. Bei alldem befindet sich Lübben im Wettbewerb mit anderen Städten der „zweiten Reihe“ außerhalb Berlins, die begehrte Wohnorte für junge Familien sind. Auch deshalb soll 2019 die Ausstrahlung nach außen überarbeitet werden: Neue Homepage, neues Design. Dazu kommen die großen Vorhaben wie das Trachtenfest oder der zweite Würfel an der Liuba-Grundschule. Von der Kommunalwahl Ende Mai ist noch gar nicht gesprochen worden, bei der unter anderem die Stadtverordneten neu oder wiedergewählt werden. „Es wird lauter werden“, ist sich Kolan in Bezug auf 2019 sicher. Nicht nur das.