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„Du musst doch erst zielen!“

Lieberose.. Warm machen vor dem Wettkampf. Sportler wissen, wie wichtig das ist. Gut gelockert und auf Wettkampftemperatur gebracht waren die Muskeln der Erst- bis Sechstklässler, als sie gestern Vormittag aufs Gelände des Lieberoser Schützenvereins kamen. Waren sie doch hierher geradelt, manche gar von Goyatz aus. Denn der Goyatzer und der Lieberoser Schulhort veranstalteten gemeinsam ihr Schützenfest. Von Dörte Hellwig

Konrad nimmt viel weiter entfernt vom Ziel als die anderen Kinder Aufstellung, spannt den Bogen, zielt kurz mit dem Pfeil und zack - steckt „das Geschoss“ fast in der Mitte der großen, bunten Scheibe. „Hey, ein Roter! Und ein Schwarzer! Und noch ein Hoher“ , ruft Cornelia Richter. Den zuletzt abgeschossenen Pfeil sucht Konrad weit hinter der Scheibe im Sand, während Horterzieherin Cornelia Richter seine Punkte für die getroffenen roten und schwarzen Ringe in die Liste einträgt. Der Junge hat zu Hause Pfeil und Bogen, erklärt er, warum er so professionell mit dem nicht gerade so einfach zu handhabenden Sportgerät umgehen kann.
Als nächstes ist Daniel dran. Da muss sein Namensvetter, der ihn weit überragt und älter ist, wie bei den meisten Mädchen und Jungen helfen, den Bogen zu spannen. Das sei nämlich gar nicht so einfach, erzählt Richard. Der Achtjährige aus Guhlen hat das erste Mal mit Pfeil und Bogen hantiert und gesteht seine Befürchtung, sich die Finger beim Abschuss des Pfeils zwischen Boden und Sehne einzuklemmen. „Ist aber nichts passiert“ , sagt er nach „seinem Wettkampf“ .
Daniel aus Jamlitz und Eric aus Leeskow sind die beiden Jugendlichen vom Schützenverein Lieberose, die gestern den Horterzieherinnen halfen. „Der Verein unterstützt uns immer“ , versichert Evi Scheffler. Dass die Hortkinder in den Ferien auf das Vereinsgelände im Kiefernwald kommen und hier ihr kleines Schützenfest veranstalten, sei Tradition geworden, sagt Christa Wiernowolski. Sie hatte gestern wie Schützen-Mitglied Heinrich Noack den wachsamen Blick auf das Geschehen am Schießstand gerichtet. Nachdem sie dem schmächtigen Lorenz das Luftgewehr durchgeladen hatte, schoss er sofort Richtung Zielscheiben und traf die zweite Latte von links. „Aber du musst doch erst zielen!“ , amüsierte sich die Hortnerin und erklärte Lorenz noch einmal, was es mit Kimme und Korn auf sich hat.
Bei den Bogenschützen lag derweil Pascal mit 24 Zählern an der Spitze der Wertung. „Da muss du ja ein Fass Brause anrollen, wenn du Schützenkönig wirst“ , weist ihn Evi Scheffler auf die Verpflichtungen, die solch eine Würde mit sich bringt, lächelnd hin. Das brauchte der blonde Junge bestimmt nicht. Denn während die Kinder auf die große bunte oder die kleine schwarz-weiße Zielscheibe schossen, hatte Detlef Bromm einen Kasten rote Brause im Städtchen gekauft und stellte die Bänke an der Bühne des Schützengeländes auf für die kleinen Sportler, damit sie nach dem Wettkampf durchpusten und den Durst stillen konnten, bevor es „zum Abtrainieren“ auf die Räder ging.