ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:41 Uhr

Großeinsatz in Schönefeld
150 Polizisten, sieben Stunden Kontrolle, 40 Mal Drogen am Steuer

FOTO: LR / Daniel Roßbach
Schönefeld. 1,6 Promille am Montagvormittag: In einer großangelegten Kontroll-Aktion fahndeten 150 Polizeibeamte nach Drogen im Straßenverkehr. Von Daniel Roßbach

Herauswinken, Kontrolle der Fahrezeugpapiere - und ein Speicheltest auf potenziellen Drogeneinfluss. Diesem Prozedere mussten sich am Montagmorgen zahlreiche Autofahrer in Schönefeld unterziehen.

150 Beamte, sieben Stunden Kontrollen

Das Ergebnis nach etwas mehr als sieben Stunden Schwerpunkt-Kontrollen der Polizei: 40 Autofahrer und eine Fahrerin, die unter dem Einfluss von Drogen unterwegs waren. Sie alle müssen nicht nur mit Sanktionen für Ordnungswidrigekeiten rechnen, sondern auch mit Strafanzeigen für den Besitz der illegalen Betäubungsmittel. Zumindest letzteres entfällt für die neun Autofahrer, die betrunken Auto fuhren. An diesem Montagvormittag waren dabei 1,6 Promille der unrühmliche Spitzenwert.

„Was wir hier vorhaben, ist Fahrzeugführer, die auf den Straßen nichts zu suchen haben, aus dem Verkehr zu ziehen“, sagt der Leiter und Organisator des Einsatzes, Thomas Förster, über die Polizeiaktion. Das Problem von Autofahrern, die unter Drogeneinfluss stehen, sei in den vergangenen Jahren deutlich gößer geworden – und damit auch die Gefahr, die davon ausgeht. Die gestiegenen Fallzahlen spiegeln aber Förster zufolge nicht direkt das Vorkommen solcher Vergehen wider: „Zu den gestiegenen Zahlen trägt natürlich auch bei, dass wir verstärkt in diese Richtung kontrollieren“, so Förster weiter. Allein in seiner Inspektion in Schönefeld habe es 2018 etwa 280 Fälle von Drogenfahrten gegeben, mehr als drei Mal so viele wie 2017.

 Blutproben wurden bei der Kontrolle an der Autobahn A117 so vor Ort entnommen.
Blutproben wurden bei der Kontrolle an der Autobahn A117 so vor Ort entnommen. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Nicht Alter, sondern Verhaltensweise entscheidend für Kontrolle

Drogenkonsum am Steuer sei dabei kein Problem, das auf bestimmte Bevölkerungsgruppen beschränkt sei. „Auf das Alter der Fahrer achte ich zum Beispiel nicht vor allem, wenn ich etwa entscheide, welches Auto ich genauer kontrolliere“, sagt Förster. Stattdessen geben körperliche Merkmale und Verhaltensweisen Aufschluss, wo sich Kontrollen lohnen. Unter anderem sei Druck, ein Arbeitspensum zu schaffen, ein Grund, Aufputschmittel zu nehmen.

Neben dem eigentlichen Ziel des Einsatzes fielen den Beamten der Berliner und Brandenburger Polizei, der Bundespolizei und des Zolls bei den Kontrollen auch andere Vergehen auf. Auch eine offene Geldstrafe, für deren Vollstreckung ein Haftbefehl bestand, musste ein kontrollierter Autofahrer begleichen. In je einem Fall ermittelt der Zoll wegen des Verdachts von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung.

 „Anders als in Brandenburg stehen uns nur Urin- und keine Speicheltests zur Verfügung. Leute dazu zu bewegen, ist oft schwer“, sagt Jan Heimbach Polizist aus Berlin.
„Anders als in Brandenburg stehen uns nur Urin- und keine Speicheltests zur Verfügung. Leute dazu zu bewegen, ist oft schwer“, sagt Jan Heimbach Polizist aus Berlin. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Kontrollen in Schönefeld größte Aktion in der Region

Die großangelegte Kontrolle ist die vierte Aktion der Polizei in Süd-Brandenburg mit dieser Stoßrichtung. „Es ist aber mit Abstand die größte Maßnahme bisher“, so Polizei-Sprecher Kettlitz. Waren bei einer ähnlichen Maßnahme im vergangenen Jahr noch etwa 90 Polizisten und Polizistinnen im Einsatz, waren diesmal 150 Beamte beteiligt.

Für Polizisten wie Jan Heimbach aus Berlin war der Einsatz auch eine Gelegenheit zur Ausbildung im Umgang mit Drogen-Verdachtsfällen und den entsprechenden Testmethoden. „In unserer Arbeit kommt das fast täglich vor“, sagt Heimbach.

Mediziner nahmen vor Ort Blut ab

 Ein Polizist zeigt ein eigenes Abzeichen für Drogen-Kontrollen im Straßenverkehr.
Ein Polizist zeigt ein eigenes Abzeichen für Drogen-Kontrollen im Straßenverkehr. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Besonders an diesem Einsatz ist,  dass gleichzeitig mit den Polizeikräften auch Vertreter der Bereiche vor Ort sind, mit denen die Beamten sonst indirekt zusammenarbeiten. So führte eine Medizinerin vor Ort Blutabnahmen durch, und tauschten sich Vertreter der Hersteller der Analyseverfahren mit den Beamtinnen über deren Anwendung und Praktikabilität aus.

Ebenso wie eine Mitarbeiterin des Brandenburgischen Instituts für Rechtsmedizin, in dem Blutproben auf Alkohol- und Drogengehalt analysiert werden. Kristin Lehmann, die seit 2012 in diesem Bereich arbeitet, findet dabei jedoch zunächst wenig Verbesserungsbedarf: „Mir fällt vor allem auf, wie gewissenhaft und professionell die Tests durchgeführt werden.“

 Die Toxikologin Kristin Lehmann beobachtet, wie die Kontrollen ablaufen, bevor Proben in ihr Labor kommen.
Die Toxikologin Kristin Lehmann beobachtet, wie die Kontrollen ablaufen, bevor Proben in ihr Labor kommen. FOTO: LR / Daniel Roßbach