Von Katrin Kunipatz

Es ist ein lauer Herbstabend im Kinder- und Jugenderholungszentrum (Kiez) Hölzerner See in der Nähe von Klein Köris. Die Sonne sinkt bereits dem Horizont entgegen, da zerreißt ein lauter Knall die Stille. Es hat eine Explosion im Kiez gegeben und der Wald steht in Flammen, beschreibt Lutz Müller, Kreisleiter der Wasserwacht des DRK-Kreisverbands Fläming-Spreewald die Situation. Er und sein Team haben sich das Übungsszenario ausgedacht, um das Zusammenspiel der verschiedenen Ortsverbände des Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Wasserwacht, der Feuerwehr, der Wasserschutzpolizei und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zu testen.

Vor den Hütten im Kiez, im Wald und am Strand rufen Verletzte um Hilfe. Die meisten der 75 Verletztendarsteller sind Kinder und Jugendliche, die selbst bei der Feuerwehr oder dem Jugendrotkreuz das Retten lernen. Besondere Herausforderung für die Retter sei es, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und daraus Prioritäten für das weitere Handeln abzuleiten, so Lutz Müller. Vor Ort im Kiez können nur lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden. Für die weitere Behandlung müssen die Verletzten an einen sicheren Ort gebracht werden. Üblicherweise wird bei ähnlichen Katastrophenlagen ein mobiles Krankenhaus eingerichtet. In diesem Fall befindet es sich auf dem zehn Kilometer entfernten ehemaligen Flugplatz Löpten. Weil der Wald hinter dem Kiez brennt, müssen die Verletzten mit Booten über den See gebracht werden. Erst in Klein Köris stehen die Rettungswagen für die Weiterfahrt ins mobile Krankenhaus bereit.

Die Zeit vergeht. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und Wasserwacht treffen mit ihren Rettungsbooten ein. Und nach 50 Minuten sind bereits die meisten Verletzten zum Strand gebracht worden. Rettungsschwimmern und Rettungssanitäter unterwegs, um sich um die Schwerstverletzten zu kümmern. Die Mimen leisten ganze Arbeit: Einem jungen Mann steckt ein Metallstab im Bauch, andere klagen über Rückenschmerzen, einer Frau fehlt der Unterarm. Leichter Verletzte stehen derweil in einer Gruppe zusammen. Sie werden die letzten sein, die auf den Booten ans andere Ufer gefahren werden. Etwa eineinhalb Stunden nach der Explosion starten die ersten Rettungsboote. Und nach dreieinhalb Stunden ist am ersten Übungstag der letzte Verletzte im Krankenhaus angelangt.

Am zweiten Tag der Großübung wird rund um das Kiez noch einmal nach Verletzten gesucht, die am Abend zuvor voller Panik in den Wald gelaufen sind. In die Rettungsaktion hinein platzen weitere Krisen. Ein Autounfall mit vier Schwerverletzten und die Rettung einer Schwangeren von einem Boot mit Motorschaden beschäftigen die Helfer. Immer wieder müssen sie sich auf die neue Situation einstellen, erklärt Lutz Müller. Nach Abschluss der Großübung ist er zufrieden. „Die Retter haben perfekt zusammengearbeitet.“ Deshalb sei man am zweiten Tag eine Stunde früher fertig gewesen als geplant.

Die letzte Großübung liegt drei Jahre zurück. „Damals ist es nicht so gut gelaufen“, sagt Müller. Die Zeit habe der DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald, der in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald aktiv ist, genutzt, um einzelne Aspekte zu trainieren. Auf dem Plan standen beispielsweise die Sichtung Verletzter oder die Einrichtung eines Behandlungsplatzes. Bei der Großübung lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Einheiten der beiden Landkreise.

Teams von 18 DRK-Ortsverbänden, die Wasserwacht aus Frankfurt/Oder und Herzberg, der ASB, die Feuerwehr und die Polizei sowie die Verpflegungseinheiten aus Dahme und Königswusterhausen nahmen an der Großübung teil. „Die Kommunikation hat sehr gut geklappt“, resümiert Übungsleiter Müller. „Nur noch kleine Verbesserungen seien nötig.“ Die Arbeitsgruppe, die die Übung vorbereitet hat, soll bestehen bleiben und für jährliche kleinere Übungen Szenarien entwerfen. Die nächste Gemeinschaftsübung werde es aber erst in drei oder vier Jahren geben.