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| 07:44 Uhr

Lärmaktionsplan
Es bleibt laut in Lübben

Lübben. Dritte Überarbeitung des Lärmaktionsplans ist in der Diskussion – mit bekannten Problemen. Ein Ingenieurbüro aus Dresden verdeutlicht Möglichkeiten und Grenzen. Von Ingvil Schirling

Die neuralgischen Punkte sind nicht neu. Es hat sich etwas, aber längst noch nicht alles verbessert – mit diesen beiden Kernpunkten könnte der aktuelle Stand zum Lärmaktionsplan zusammengefasst werden. Im Zuge der alle fünf Jahre notwendigen Fortschreibung ist er diese Woche im Lübbener Bauausschuss vorgestellt worden.

Markus Zahn vom Ingenieurbüro Spiekermann aus Dresden, das die Stadt seit August in dieser Sache berät, Daten vergleicht und Arbeiten übernimmt, machte die Möglichkeiten und Grenzen des Aktionsplans deutlich. Obzwar von europäischer Ebene aus gefordert und als Richtlinie ins Bundesimmissionsschutzgesetz integriert, hat der Plan keine gesetzliche Bindungskraft.

Die Stadt kann also auf seiner Basis andere nicht zwingen, bestimmte Dinge umzusetzen, den Plan aber durchaus nutzen, um eigene Forderungen an andere Baulastträger heranzutragen.

Der Spielraum ist allerdings gering. Das machte die Nachfrage von Frank Neumann als Fachbereichsleiter Bauwesen an Markus Zahl deutlich: „Wie könnte uns der Lärmaktionsplan helfen, andere Baulastträger dazu zu bringen, etwas zu tun? Haben Sie da einen Tipp für uns?“

Deutlich wird das Problem anhand des Ausbaus der B 87. Den Houwald-Damm erneuert die Stadt, weil sie die Mittelinseln will. Doch über das gewünschte Tempo 30 – auch und besonders auf dem künftigen Abschnitt bis zur Frankfurter Straße – entscheiden andere. Beispielsweise das Straßenverkehrsamt oder der Landesbetrieb Straßenwesen. Auf dem kurzen Abschnitt entlang der Kupka besteht diese Geschwindigkeitsbegrenzung schon.

Wenn das dortige Kopfsteinpflaster einmal ersetzt ist, sorgt die Geschwindigkeitsbegrenzung weiter für eine deutliche Minderung der Lautstärke und ist deshalb im Lärmaktionsplan als eine wichtige Möglichkeit aufgeführt, um Fahrgeräusche zu reduzieren. Dass dies umgesetzt wird und der gesamte lärmbelastete Bereich auf 30 km/h begrenzt wird, kann sich die Stadt aber nur wünschen. Stellt sie entsprechende Forderungen, muss sie möglicherweise selbst nachweisen, dass die  Grenzwerte überschritten werden, fügte Markus Zahn hinzu.

In Sachen Lärmschutz gibt es auf der allgemeinen Ebene aber noch einen zweiten wunden Punkt, auf den Bauausschussvorsitzender Paul Bruse (Die Stadtfraktion) abzielte: die Lautstärke der Bahn. „Seit dem Ausbau der Bahnstrecke sind viele in Lübben der Meinung, dass die Bahn noch lauter geworden ist – gibt es dazu eine Zuarbeit von ihr?“

Markus Zahn schüttelte verneinend den Kopf. Und damit steht die Stadt Lübben am selben Punkt wie vor fünf Jahren, als der Lärmaktionsplan das zweite Mal überarbeitet worden war. Ende 2012 war dies diskutiert worden, und die Debatte drehte sich damals fast ausschließlich um die Lautstärke der Züge auf den Gleisen. Beabsichtigt worden war, die Lärmschutzbeauftragte der Deutschen Bahn nach Lübben einzuladen, Zahlen lagen auch damals nicht vor. In diesem Punkt hat es demnach kaum eine Veränderung gegeben.

Was den Straßenverkehr angeht, sind in Lübben nach wie vor die beiden Bundesstraßen B 115 und B 87 relevant, besonders auf den Abschnitten von der Puschkin- bis zur Frankfurter Straße und entlang der Berliner Chaussee und Berliner Straße. Markus Zahn vom Büro Spiekermann empfahl allerdings, weitere Straßen in die Betrachtung miteinzubeziehen, an denen der Straßenverkehr laut ist.

Zu den Lösungsansätzen gehören neben der Geschwindigkeitsreduzierung und der Verstetigung des Verkehrs, um ständiges Beschleunigen und Bremsen zu vermeiden (zum Beispiel durch mehr Kreisverkehre), auch Anreize, aufs Fahrrad umzusteigen oder zu Fuß zu gehen. Lärmmindernde Fahrbahnbeläge und Seitenräume, Schutzwände oder -wälle sowie Lärmschutzfenster wurden ebenfalls aufgezählt – sowie die Möglichkeit einer Umgehungsstraße. Am Ende, so Markus Zahn, sei es immer eine Kombination aus verschiedenen Möglichkeiten. Er empfahl, die noch nicht erledigten Maßnahmen aus dem bisherigen Plan unbedingt noch umzusetzen und diesen fortzuschreiben.

Bis 14. Dezember können Einwohner ihre Anregungen und Bedenken bei der Stadtverwaltung im Rathaus einreichen.