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Lübben
Dritte Grundschule für Lübben?

Lange Schlangen  bei der Essensausgabe – darunter leiden Kinder und Lehrer an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule. Diese Problematik hat bei den Stadtverordneten und in der Verwaltung weiter hohe Priorität. Zusätzlich wird über einen dritten Schulstandort nachgedacht.
Lange Schlangen bei der Essensausgabe – darunter leiden Kinder und Lehrer an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule. Diese Problematik hat bei den Stadtverordneten und in der Verwaltung weiter hohe Priorität. Zusätzlich wird über einen dritten Schulstandort nachgedacht. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Erste Überlegungen im Hauptausschuss. Die Platzprobleme im Hort und in der Mensa der Jahn-Schule sollen unabhängig davon so schnell wie möglich gelöst werden. Von Ingvil Schirling

Die Spreewaldstadt könnte möglicherweise eine dritte Grundschule bekommen. Das ist das Ergebnis einer überraschenden Wende im Lübbener Hauptausschuss am Montagabend zum geplanten Umbau an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule. Die Platzprobleme im dortigen Hort und bei der Essensausgabe bestehen seit Jahren und müssen dringend gelöst werden. Deshalb gibt es Pläne für einen Umbau im Umfang von aktuell geschätzt 8,5 Millionen Euro.

Ausgehend von der strittigen Frage, ob dafür ein Generalübernehmer eingeschaltet werden soll, der Planung und Bau vereint, ob beides getrennt, aber jeweils gebündelt durchgeführt werden soll oder ob zusätzlich zur Planung alle Einzellose extra vergeben werden sollen, führte die Diskussion zu einer überraschenden Wende. Mehrere Abgeordnete brachten vorsichtig die Idee einer dritten Grundschule  ins Spiel, weitere konnten sich damit anfreunden Dass die Lösung der Platzprobleme an der Jahn-Grundschule unabhängig davon höchste Priorität hat, wurde mehrfach betont.

Bezogen auf die Generalübernehmer-Frage verlief die Diskussion zunächst zäh. Frank Selbitz (Pro Lübben), der als Nicht-Mitglied des Ausschusses in den Zuschauerreihen Platz genommen hatte, ließ unterdessen durchblicken: „Ich wäre ja für eine dritte Grundschule. Dann hätten wir all diese Probleme nicht.“

„Diese Probleme“, das sind 54 Monate Bauzeit bei laufendem Betrieb, skizzierte Peter Rogalla (Die Linke). „Abgesehen von der Verbesserung der Infrastruktur sind wir von einer Kapazitätserweiterung weit entfernt.“ Jens Richter (CDU/Grüne) befürchtete: „Wenn wir dieser Vorlage zustimmen, ist das Zeitfenster geschlossen, eine Alternative wenigstens zu betrachten.“ Ihm war zudem die Finanzierung nicht klar. Peter Schneider (Die Stadtfraktion) hatte Sorge, „dass es los geht und wir mit der Variante, die wir hier beschließen, gar nicht so glücklich sind. Die Mehrheit hat kein gutes Gefühl. Stehen wir heute noch so zu der Maßnahme, wie wir sie damals diskutiert haben?“

Ein solches Großvorhaben und ein entsprechender Kredit, führte wiederum Thomas Kaiser (Wir von hier) aus, würde die Stadt auf Jahre binden. Am Ende könnten möglicherweise erst recht nicht alle Kinder in den Schulen unterrichtet werden, weil der Platz nicht reicht. „Das wäre fahrlässig.“

Peter Schneider warb dafür, „dass wir den Mut haben zu sagen: ein dritter Schulstandort. Und dass wir unsere Energie eher da hineingeben und darin, für die Essensversorgung eine kurzfristige Lösung zu finden.“ Das Entwicklungspotenzial der Stadt, argumentierte er, sehe er weniger in der Umgebung der Jahn-Straße mit der nahen Biosphäre, sondern eher in Richtung Neuendorf und Lubolz, „wo immer wir Flächen haben“. Von dort oder anderen bevölkerungsstarken Stadtteilen zur Jahnstraße zu kommen, zu Fuß oder mit dem Rad, sei zum Teil „abenteuerlich“. Schneider erinnerte zudem daran, dass es die Überlegung gab, die Förderschule am Neuhaus zu übernehmen, als diese noch im Zusammenhang mit der Inklusion auslaufen sollte. Er warb dafür, sich in Sachen dritter Schulstandort „auf den Weg zu machen, auch wenn wir jetzt ein bisschen Zeit verlieren.“ Dann könnten auch noch Fördermittel für einen möglichen Neubau akquiriert werden.

Jens Richter erinnerte: „Wir werden den Baukörper trotzdem anfassen müssen.“ Bürgermeister Lars Kolan (SPD) verstärkte das Signal in Richtung Schule: „Die Essensversorgung bleibt hohe Priorität, die lassen wir nicht fallen. Erst einmal müssen wir dort vernünftige Verhältnisse schaffen.“

Kolan gab weiter zu bedenken, dass auf dem Gelände der Jahn-Grundschule ein Solitärgebäude als Neubau entstehen könnte, vierstöckig, das im Anschluss an das bestehende Haus angeschlossen würde. Solche Vorüberlegungen gäbe es von Planerseite ebenso.

All dies sind erste Ideen. Ein Neubau steht im Raum. Ziel ist es, damit die Kapazitäten an den Lübbener Grundschulen zu erweitern mit Blick auf eine wachsende Stadt. In der Zwischenzeit, während Standort, Umfang und Finanzierung weiter diskutiert werden soll, muss der Engpass bei der Essensversorgung gelöst werden. Vor diesem Hintergrund wurde die Beschlussvorlage mit dem Generalübernehmer für den Umbau zwar an die Stadtverordneten weitergeleitet, aber mit einer Ablehnung bei zwei Neinstimmen und fünf Enthaltungen.