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| 02:56 Uhr

Doch Handel auf dem Kulturhausplatz in Vetschau?

Das alte Kulturhaus an der Kleinen Bahnhofstraße in Vetschau soll nach den Plänen des Eigentümers abgerissen werden.
Das alte Kulturhaus an der Kleinen Bahnhofstraße in Vetschau soll nach den Plänen des Eigentümers abgerissen werden. FOTO: H. Kuschy
Vetschau. Der Einzelhandel der Zukunft in Vetschau erregt seit Jahren die Gemüter. Während der Bürgermeister nun den Auftrag erhalten hat, ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept mit Blick auf den Marktplatz und den jetzigen Rewe-Standort zu entwerfen, hat der neue Besitzer des alten Kulturhauses schon konkrete Pläne. Hannelore Kuschy

Dem Vetschauer Marktplatz laufen die Händler weg. Der Leerstand sei erschreckend, sagt Winfried Böhmer (Bündnisgrüne). Deshalb verdiene die Stadt ein Konzept, das sich ausschließlich mit dem Marktplatz und dem näheren Umfeld beschäftigt. Bisherige Entwürfe waren gescheitert, weil die Stadt einen Einkaufsmarkt auf dem Kulturhausplatz an der Kleinen Bahnhofstraße favorisiert.

Gegner aber wollen Wildwuchs in Vetschau verhindern. Sie befürchten beispielsweise mit dem Umzug des Rewe-Marktes von der Thälmannstraße zum Kulturhausplatz zu viel Verkaufsfläche in der immer kleiner und älter werdenden Stadt mit schwindender Kaufkraft. Denn der dann leere Standort an der Thälmannstraße würde nicht ewig verwaist bleiben. Zusätzliche Einzelhandelsfläche oder im schlimmsten Fall eine Ruine wären die Folge. Mit beidem können die wenigsten Abgeordneten leben. Müssen sie nach den Vorstellungen von Helmut Schmid auch nicht. Der Quickborner Grundstücksverwalter hat das alte Kulturhaus ersteigert. Das sei derzeit eher ein Schandfleck denn eine Zierde der Stadt. Mit der Vetschauer Verwaltung wolle er zusammenarbeiten und seine Pläne verwirklichen. Die sehen nach eigenen Angaben so aus: Das Kulturhaus wird abgerissen. Rewe zieht auf diesen Platz, "denn das ist ganz klar die Alternative für Vetschau. Entweder der Markt wechselt seinen Standort oder Rewe zieht sich aus Vetschau zurück". Dieses deutliche Signal habe ihn aus dem Konzern erreicht. Parallel soll an die Thälmannstraße ein Baumarkt ziehen.

Wie sich der Einzelhandel im Vetschauer Stadtzentrum, also vor allem auf dem Marktplatz und in seinem Umfeld in den nächsten Jahren entwickeln soll, hat Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) in einem Konzept darzustellen. Mit diesem Auftrag sind die Abgeordneten jetzt einem Antrag der Bündnisgrünen gefolgt, der bereits im August 2012 gestellt worden war. "Dennoch dürfen wir den Kulturhausplatz nicht ausschließen", bemerkt CDU-Fraktionschef An dreas Malik.

Den besonderen Blick richtet auch Bengt Kanzler auf den Marktplatz, wenngleich er großflächigen Einzelhandel auf dem Kulturhausplatz nicht ausschließen will. Seine Entwicklung sei in jedem Fall vonnöten. Karola Schmidt (Linke) hält es für wichtig, diesen Platz nicht mit Beton zubauen zu lassen. Dass Stadt und neuer Eigentümer an einem Strang ziehen müssen, ist für Werner Buchan (SPD) unabdingbar, denn "an der Stelle gibt es diese zwei Eigentümer, von denen einer ohne den anderen nicht viel ausrichten kann", wie er sagt. Nach Ansicht Ulrich Lagemanns (WGO) ist in bisherigen Entwürfen für ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept der demografische Wandel in der Stadt und die damit verbundene sinkende Kaufkraft nur unzureichend berücksichtigt worden.