Von Katrin Kunipatz

Der Rauchmelder, den Regionalvertriebsleiter Björn Schwarz auf den Tisch legt, ähnelt ein wenig einem Ufo. Das Gerät, hergestellt von der Firma Minol Messtechnik aus Stuttgart ist etwa 3,5 Zentimeter hoch und misst rund zwölf Zentimeter im Durchmesser. Ab November werden über 11 800 dieser Rauchmelder in rund 3300 Wohnungen in Lübben und Umgebung installiert.

Sie können viel. Wird die Luft in der Wohnung von Rauch oder Qualm verdüstert, registriert dies ein optischer Sensor im Gerät und schlägt sehr laut Alarm. Auf diese Weise sollen die Bewohner noch aus dem Tiefschlaf geweckt werden, um sich im Fall eines Feuers rechtzeitig zu retten. Voraussetzung dafür ist die einwandfreie Funktionsweise des Rauchmelders, die der Vermieter mindestens einmal jährlich kontrollieren und dies dokumentieren muss, erläutert Frank Freyer, Geschäftsführer der LWG. „Um Mieter nicht zu belästigen, geschieht dies per Fernüberwachung“, sagt Nicole Jaegers, Vorstand der GWG. Die Genossenschaft nutzt bereits beim Ablesen der Wärmezähler an den Heizungen Funktechnik.

Rauchmeder-Nachrüstung bis Ende 2020

Bei der Nachrüstung mit Rauchmeldern, die bis zum Dezember 2020 in allen Wohnungen – egal ob Mietwohnung oder Eigentum – vorhanden sein müssen, haben sich die beiden großen Vermieter in Lübben zusammengetan. Die Lübbener Wohnungsbaugesellschaft (LWG) und die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Lübben (GWG) begaben sich im März auf die Suche nach einem Partner für die technische Umsetzung. „Unser Ziel war es, Preisvorteile zu erhalten und entsprechend sorgfältig mit dem Geld der Mieter umzugehen“, sagt LWG-Geschäftsführer Freyer. „Außerdem wollten wir baugleiche Produkte einsetzen“, ergänzt GWG-Vorstand Nicole Jaegers.

Die Wahl fiel auf die Minol Messtechnik. Eine Tochterfirma des inhabergeführten Familienunternehmens stellt die fast 12 000 Rauchmelder her, die anschließend in den Fluren, Wohn- und Schlafräumen der LWG- und GWG-Wohnungen installiert werden. Außerdem baut Minol für die Fernüberwachung der Rauchmelder in Lübben ein Funknetz mit dem Übertragungsstandard Lora auf. Dieses Netzwerk erlaube es, über größere Distanzen die Funksignale der Rauchmelder an einigen in der Stadt verteilten Empfangsstationen zu sammeln, erläutert Schwarz. Von dort werden die Informationen über das Mobilfunknetz an die Zentrale von Minol übertragen.

Rauchmelder haben keinen Funkkontakt zur Feuerwehr

„Dabei werden alle Datenschutzbestimmungen eingehalten“, betont Jaegers. So kommunizieren die Rauchmelder nicht untereinander, aber auch nicht mit der Feuerwehr. Die muss der Mieter selbst alarmieren. Beim Partner Minol seien für jeden Rauchmelder nur Informationen zum Standort, also die Wohnungsnummer im Miet­objekt hinterlegt, nicht der Name des Mieters. Grundsätzlich ist eine Zuordnung nötig, damit im Fall eines Defekts sofort klar ist, welcher Rauchmelder ein Problem hat.

Die technische Wartung der Rauchmelder ist Teil des zehn Jahre laufenden Vertrages, den GWG und LWG am Mittwoch mit der Stuttgarter Firma geschlossen haben. Er beinhaltet auch eine Servicenummer, unter der die Mieter an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr Störungen melden können, so Schwarz. Außerdem erhalten alle Mieter zu den neuen Rauchmeldern einen Flyer, in dem Funktionsweise und mögliche Fehlersignale erläutert werden, so GWG-Vorstand Jürgen Busch. Hinweise zu den Rauchmeldern wollen beide Vermieter auch auf ihren Internetseiten hinterlegen.

Rauchmelder-Funknetz für weitere Anwendungen geeignet

Neben dem sehr konkreten Nutzen, den die Rauchmelder haben, bietet das Lora-Funknetz, das künftig etwa ein Drittel Lübbens abdeckt, Raum für weitere Anwendungen, so Björn Schwarz. Das Stichwort lautet Digitalisierung, so Jaegers von der GWG. Sensoren könnten überwachen, ob sich Feuerlöscher in ihren Halterungen befinden, Brandschutztüren geschlossen sind. Auch andere Unternehmen könnten das Funknetz nutzen, um Daten, beispielsweise von Wasserzählern, zu übertragen.