Die Türen des Museums Schloss Lübben sind geschlossen. Untätig sind die Mitarbeiter deshalb trotzdem nicht. „Wir schließen ja nicht nur auf und zu“, sagt Museumsleiterin Corinna Junker. Museum bedeutet neben den öffentlich sichtbaren Ausstellungen vor allem auch Sammlung und Forschung. Und genau darauf wollten sich die Angestellten konzentrieren.

Viele Ideen für Schließzeit

Anfangs durften noch drei Leute aus dem siebenköpfigen Team gleichzeitig im Haus arbeiten, berichtet Museumsleiterin Corinna Junker. Die Liste der möglichen Aufgaben war lang: Objekte in den Ausstellungsvitrinen säubern, die Gemäldesammlung im klimatisierten und lichtgeschützten Depot unterbringen oder neu erworbene oder geschenkte Stücke inventarisieren. Außerdem wollten Corinna Junker und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Marianne Wenzel die behördlich angeordnete Schließzeit bis Ende April nutzen, um kommende Ausstellungen vorzubereiten: die Sonderausstellung mit Arbeiten der freischaffenden Künstlerin Monika Fuchs und im Erdgeschoss die Ausstellung mit Feldpostbriefen eines Lübbener Ehepaars zum Themenjahr „Krieg und Frieden“.

So geht Homeoffice für Museumsleiterin

Doch daraus wurde nichts. Seit dem 19. März gilt auch für die Museumsmitarbeiter Homeoffice. Corinna Junker durfte noch einmal ins Haus, um sich die dafür nötigen Unterlagen zu holen. Statt zu planen, wird sie in den nächsten Tagen und Wochen die Zeitzeugeninterviews transkribieren. Ein Projekt, bei dem es darum geht, erlebte Lübbener Heimatgeschichte zu bewahren.

Seit eineinhalb Jahren ist das Museumsteam einmal im Monat in der Tagespflege des Arbeiter-Samariter-Bundes zu Gast, um mit den betagten Lübbenern über ihre Lebenserinnerungen zu sprechen. Worüber erzählt wird, entscheiden die Anwesenden selbst und so ergeben sich Gespräche über Gaststätten, Straßenzüge oder Einschulungen. Etwa zwölf dieser zweistündigen Gesprächsrunden, die per Video aufgezeichnet werden, gibt es bereits. Und damit das Erlebte tatsächlich verwertet und von anderen genutzt werden kann, müssen die Fakten notiert werden. Eine mühsame und zeitraubende Arbeit, bei der auch Jan-Nikolai Hain eingebunden wird, der im Moment sein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege im Lübbener Museum absolviert.

Broschüre für „Lübben 1989“ in Vorbereitung

Die kommenden Ausstellungen verlieren die Mitarbeiter aber nicht aus dem Blick. Noch bestehe die Hoffnung, dass ab Mai oder Juni das Museum wieder öffnen könne. Corinna Junker berichtet, dass schon jetzt Ausstellungstexte erstellt werden. Außerdem seien noch einige Dinge offen. In einer Broschüre sollen die Ergebnisse der Befragung zur Ausstellung „Lübben 1989“ mit den Comics und Schriften der Frauenwoche-Workshops zusammengefasst werden, so Junker. Darum kümmere sich das Lübbener Künstlerbüro Franzka und Ascher. Der Austausch erfolgt via Laptop und Telefon.

Außerdem will Corinna Junker unterstützt von Karen Ascher mit dem Museum stärker in den sozialen Medien präsent sein. Bei Twitter, Facebook oder Instagram könnten Neuigkeiten gezeigt werden. Im Moment sei dies jedoch schwierig, weil niemand mehr vor Ort ist.

Internetportal erlaubt weiter Blick in die Sammlung

Trotzdem braucht niemand auf Exponate des Lübbener Museums verzichten, so die Leiterin. Der Museumsverband des Landes Brandenburg hat mit verschiedenen Museen des Landes eine im Internet verfügbar Ausstellung zusammengetragen. „Das Stadt- und Regionalmuseum Lübben ist mit der präkolumbianischen Sammlung von Götz von Houwald vertreten“, sagt Corinna Junker. „Er war Diplomat und hat sich als Ethnologe und Historiker mit den Mayangna-Indianern in Nicaragua beschäftigt. Einige der von ihm zusammengetragenen Gegenstände verwahrt das Lübbener Museum und hat sie für das Projekt „Museum digital“ fotografiert, beschriftet und mit weiteren Beschreibungen dem Portal zur Verfügung gestellt. Andere Museen in Brandenburg und Deutschland haben es ähnlich gemacht. So wird ein Museumsbesuch in Zeiten von Coronaschließungen irgendwie doch möglich.

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