| 01:10 Uhr

Die Zauberlehrlinge fanden ihren Meister

Handball.. Kaum ein freier Platz war im „Blauen Wunder“ am Samstagnachmittag zu finden, als die Handballer der TSG Lübben 65 ihre neue Mannschaft, mit der sie in der kommenden Saison den Aufstieg in die höchste Spielklasse des Landes Berlin-Brandenburg schaffen wollen, vorstellte. Als Gegner in einem überaus attraktiven Freundschaftsspiel hatten sie sich das Team 2000 des USV Cottbus um Trainer Peter Melzer eingeladen, das damals den Aufstieg in die zweite Bundesliga schaffte. Von Frank Selbitz

Beide Mannschaften boten ihrem Publikum ein mit spielerischen Leckerbissen gewürztes Handballspiel, wobei die Lübbener der mit Bundesligaspielern gespickten Cottbuser Sieben mit 25:29 unterlag. Doch das Ergebnis war an diesem Tag zweitrangig.
„Pass auf, wie das geht.“ Alexander Urban, der Cottbuser Kreisspieler, der beim Erstbundesligisten ThSV Eisenach spielt, zeigte Lübbens Abwehrchef Dirk Anhalt, wie man sich den nötigen Freiraum am Kreis verschafft. Da drückte er den routinierten Lübbener mit der Schulter weg, als dieser auf dem falschen Bein stand, fing den zugespielten Ball mit der anderen Hand und schon zappelte dieser im Netz. „Ich kam mir vor wie ein Zauberlehrling, der eine Lehrstunde vom Meister erhielt“ , gestand Anhalt , denn Urban vernaschte seinen Gegenspieler gleich mehrfach auf diese Art und Weise. „Wir nahmen die Lehrstunde dankbar an“ , so Anhalt, der als Trainer die gezeigten Tricks dem eigenen Nachwuchs beibringen will, nach dem Spiel.
Christian Henning hatte den Blick dafür, Alexander Urban am Kreis einzusetzen oder selbst von Außen torgefährlich zu sein. Lars Melzer, der heutige Schweriner, und Stefan Swat, der in Aue spielt, sorgten im Rückraum für den nötigen Druck, ohne dass die Lübbener am Ende in der Angriffsflut des Team 2000 untergingen. Die spielerische Klasse der Gäste war überzeugend, wenn auch die Lübbener zumindest ein optisches Gleichgewicht erzielten. Doch schnell hatte Christoph Dannigkeit im Cottbuser Tor die Tricks von Marcel Linge durchschaut und auch Jugendspieler Paul Schwebel in der neuen Lübbener Sieben musste dessen Klasse anerkennen.
Was im Cottbuser Zuspiel-Karussell zwischen Stephan Mellack und Falk Meier wie Training aussah, war Hypnose für die Lübbener Abwehr, die sich vom Kreis weglocken ließ. Doch auch die Lübbener hatten Chancen über Chancen, obwohl die Cottbuser über 6:13 und 13:23 das Spiel in jeder Phase sicher kontrollierten. Was Bert Orbanz, Mirko Wolschke und Manuel Schwanke vergaben, zeigte Lübbens neuem Trainer Silvio Schelletter, „wo der Schuh drückt, um erfolgreich zu sein“ . Er ließ im ersten Trainingsspiel unter seiner Regie allen Akteuren gleiche Spielanteile zukommen, um „sich ein Bild von deren Stärken und Schwächen zu machen“ .
Zaubereien am Fließband und ein munteres Torewerfen erlebten die Fans von beiden Seiten, wobei die Cottbuser im Abschluss cleverer und erfolgreicher waren. Der Spass und die Freude am Handball standen in der freundschaftlichen Begegnung im Vordergrund. Selbst Christoph Dannigkeit lachte schließlich, als ihm beim Suchen des Balls im Sechsmeterraum eines der seltenen Eigentore eines Handballtorwarts unterlief.

Info zum Thema Die Akteure auf dem Parkett
TSG Lübben 65: Tobias Grafe und Knut Henze im Tor; Dirk Anhalt (1 Tor), Bert Orbanz (2), Martin Liszka (4), Ingolf Burisch (6), Mirko Wolschke (1), Matthias Dümke (3/2 Siebenmeter), Karsten Langner (1), Kenny Hübner (1), Marcel Linge (2), Paul Schwebel (2), Peer Schelletter und Manuel Schwanke (1).
USV Cottbus/ Team 2000: Christoph Dannigkeit und Christian Pahl im Tor; Marc Panitz (5), Lars Melzer (4), Falk Meier (3), Stephan Swat, Alexander Urban (5), Norman Rentsch, Stephan Mellack (1), Steffen Schulze (2), Christian Herrmann (1), Mario Hellwig (4), Leonid Temtschin und Christian Henning (4).
Schiedsrichter: Holger Siebert und Helmut Wenzel (Lübbenau).