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Traditionspflege
Die Vögel haben in Neu Zauche Hochzeit gefeiert

Amsel Leonie (6) und Drossel Max (5) sind am Traualtar verheiratet worden.
Amsel Leonie (6) und Drossel Max (5) sind am Traualtar verheiratet worden. FOTO: Jürgen Harnath
Neu Zauche. Seit 40 Jahren wird der Brauch in der Kita gepflegt.

Dicht gedrängt saßen die Besucher im Sportraum der Kita „Spreewaldspatzen“ in Neu Zauche. Eltern und Großeltern waren am Dienstag gekommen, um mit ihren Sprösslingen die „Vogelhochzeit“ zu feiern.

Die „Vogelhochzeit“ hat in unserer Region eine lange Tradition. Gehört sie doch zum Brauchtum der Lausitzer Sorben. Früher stellten die Kinder am Vorabend des 25. Januar Teller auf das Fensterbrett oder vor die Tür. Am nächsten Morgen fanden sie darauf Süßigkeiten in Form von Vögeln und Nestern. Im Verständnis des Brauchs wurden die Leckereien von Vögeln gebracht, die sich damit für die Winterfütterung bedankten.

In der heutigen Zeit feiern die Kinder an Schulen und Kitas als Vögel verkleidet die eigentliche Vogelhochzeit mit Gesang und szenischen Spielen und Tänzen. Das Brautpaar ist dabei als Amsel und Drossel verkleidet.

In der Kita „Spreewaldspatzen“ in Neu Zauche gehört die Vogelhochzeit seit ihrer Eröffnung vor 40 Jahren fest zum Programm am Ende des Winters. Schon seit Wochen übten die Erzieherinnen um Leiterin Manuela Urspruch mit den Kindern für das Ereignis. Alle 54 Kinder der Kita, auch die allerkleinsten wurden mit einbezogen. „In diesem Jahr gibt es etwas Neues. Bernd Pittkunnings hat sich bereit erklärt als Hochzeitsbitter zu agieren. Er kennt sich ja als Sorbisch-wendischer Liedermacher bestens mit den Bräuchen aus. Wir freuen uns, dass er hier bei unserer Vogelhochzeit mitmacht.“ erläuterte Kita-Leiterin Urspruch.

Bernd Pittkunnings ist in der Einrichtung kein Unbekannter. Seit Jahren machte er dort sorbische Kinderprogramme, begleitete Feste und machte den Kindern Lernangebote der sorbischen Sprache. „Ich war schon zweimal als Hochzeitsbitter bei richtigen Hochzeiten dabei. Ich werde heute hier durch das Programm führen, wie der eine richtige Hochzeitbitter macht. Als Zeremonienmeister sozusagen“, sagte Bernd Pittkunnings schmunzelnd.

Am Dienstagvormittag war es dann soweit – die bunte gefiederte Schar der Hochzeitsgäste flatterte in den Sportraum und alle Vögel wurden begrüßt. Bis die eigentliche Hochzeit begann, zeigte jede Kitagruppe ein kleines Programm. So die kleinsten einen „Eulentanz“, bei dem sie sichtlich Spaß hatten. Die etwas älteren „Spatzenkinder“ unterhielten die Hochzeitsgäste mit einem Singspiel und versuchten mit dem „Schneeflöckchen-Lied“ Frau Holle zur Arbeit zu bewegen. Für ihre Darbietungen ernteten alle Kinder viel Beifall bei den anwesenden Erwachsenen. Danach flatterte das Brautpaar Amsel Leonie (6) und Drossel Max (5) zum Traualtar. Nachdem sie sich das Jawort gegeben und die Ringe getauscht hatten, kam das obligatorische „Der Bräutigam darf die Braut jetzt küssen“. Darauf schien Drossel Max nur gewartet zu haben und verpasste unter dem Beifall der Hochzeitsgäste seiner Frau einen dicken Schmatzer.

Alles war perfekt. Es fehlte nur noch der Nachwuchs zum vollständigen Glück. Im Nest warteten schon Eier um ausgebrütet zu werden. Bald war dann auch schon das Picken zu hören und der Nachwuchs schlüpfte. Die Freude bei den Vogeleltern und Gästen war riesengroß und Grund genug das Ereignis gebührend zu feiern. Und so zogen alle eine Etage höher, um bei Kakao und Hochzeitstorte die Hochzeit ausklingen zu lassen.