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| 03:00 Uhr

Die Tücken des Erbrechts

Lübben. Wie wird man Erbe und was dabei zu beachten ist, steht im Mittelpunkt des RUNDSCHAU-Erbrechtsforums, das am Donnerstag, 29. August, im Lübbener Wappensaal stattfindet. red

Der Tod eines nahen Angehörigen ist ein schmerzliches Ereignis. Die Abwicklung der Beerdigung übernimmt das Bestattungsinstitut. "Die Frage, wer Erbe geworden ist, haben die Hinterbliebenen selbst zu klären", informiert Notarin Rita Knieschke.

Hatte der Verstorbene (Erblasser) ein notarielles Testament errichtet, bereitet dies keine Probleme. Das notarielle Testament wird beim Nachlassgericht verwahrt.

Sobald es Kenntnis vom Tod des Erblassers erlangt hat, eröffnet es das Testament und sendet es den Personen zu, die in dem Testament bedacht sind, und den Personen, die von Gesetzes wegen Erbe geworden wären. Gleiches gilt, wenn der Verstorbene ein handschriftliches Testament in die amtliche Verwahrung des Nachlassgerichts gegeben hat.

Ohne Testament greift Erbfolge

Häufig werden aber handgeschriebene Testamente zu Hause aufbewahrt. "Dies birgt die Gefahr, dass sie nach dem Tod des Erblassers nicht gefunden werden oder 'verschwinden', erläutert Rita Knieschke Erfahrungswerte.

Von Gesetzes wegen ist jeder, der ein Testament verwahrt, mit dem Tod des Erblassers verpflichtet, es beim Nachlassgericht abzuliefern. Damit könne dieses die Testamentseröffnung vornehmen, so Knieschke.

Ist überhaupt kein Testament vorhanden, greift die gesetzliche Erbfolge ein. Die Klärung der gesetzlichen Erbfolge kann sich im Einzelfall alsschwierig erweisen, wenn etwa keine nahen Verwandten oder Kinder aus unterschiedlichen Beziehungen vorhanden sind. "Die notarielle Erfahrung zeigt, dass häufig falsche Vorstellungen bestehen, wie sich die gesetzliche Erbfolge gestaltet", so Knieschke. Deshalb könne den Personen, die kein Testament errichtet haben oder errichten wollen, nur dringend die Klärung der Frage angeraten werden, wie sich die gesetzliche Erbfolge nach ihrem Tod gestalten würde.

Die Erben können über den Nachlass nur dann verfügen, wenn sie ihr Erbrecht nachweisen können. Dies ist bei einer notariellen Regelung in der Regel kein Problem: Hierfür reicht das Protokoll über die Testamentseröffnung des Nachlassgerichtes mit dem anliegenden Testament aus. Anhand dieser Urkunden kann der Erbe etwa als Eigentümer im Grundbuch eingetragen werden. Bei einem handschriftlichen Testament oder dem Eintritt der gesetzlichen Erbfolge ist dies ander: "Hier muss der Nachweis der Erbfolge durch Erbschein geführt werden" erläutert die Notarin. Der Erbscheinsantrag könne bei einem Notar oder beim Nachlassgericht gestellt werden. Bei gesetzlicher Erbfolge müsse die Erbfolge durch Vorlage der Personenstandsurkunden nachgewiesen werden. "Anhand des Erbscheinantrages erteilt das Gericht den Erbschein", erklärt die Expertin und verweist gleichzeitig darauf, dass sowohl der Antrag als auch der Erbschein Kosten verursachen.

Vermögen geht automatisch über

Wichtig ist auch zu wissen, dass mit dem Tode einer Person (Erbfall) das Vermögen (Erbschaft) als Ganzes automatisch auf den oder die Erben übergeht. Es ist also keine Erklärung über die Annahme der Erbschaft notwendig. "Möchte man den Anfall der Erbfolge vermeiden, etwa, weil die Erbschaft nur aus Schulden besteht, muss man die Erbschaft binnen sechs Wochen ausschlagen", so Knieschke. Entscheidend ist das Datum, an dem der Erbe Kenntnis vom Anfall der Erbschaft erhalten hat. Dies könne bei einem Notar oder beim Nachlassgericht erklärt werden. Im Falle einer wirksamen Ausschlagung wird man nicht Erbe und hat damit eventuelle Schulden des Erblassers nicht zu tragen.

Zum Thema:
Das Leserforum zum Thema beginnt am Donnerstag, 29. August, 18 Uhr, in im Wappensaal des Schlosses Lübben, Ernst-von-Houwald-Damm 14. Das Forum findet statt mit Unterstützung der Notarkammer Brandenburg und der Steuerberaterkammer Brandenburg. Der Eintritt ist für RUNDSCHAU-Abonnenten bei Vorlage der LR-Card frei, ansonsten kostet er fünf Euro.