Einen konkreten Anlass für die Schutzmaßnahme nennen weder Stadtverwaltung noch Feuerwehr. Eine Rolle könnte alleridngs die steigende Hepatitis-Gefahr im Landkreis Dahme-Spreewald spielen. Seit 2003 hat die Zahl der gemeldeten Fälle deutlich zugenommen.Amtsärztin Marion Kunzelmann hat den Überblick: „In diesem Jahr wurden im gesamten Kreis zwei Fälle von Hepatitis B und zehn Fälle von Hepatitis C registriert. 2004 wurde Hepatitis A einmal erkannt, Hepatitis B und C 22- beziehungsweise 57-mal.“ Das ist eine Verdopplung gegenüber 2003, als es elf Hepatitis-B-Fälle gab. Beim C-Virus sind es gegenüber acht Fällen vor zwei Jahren sogar mehr als siebenmal so viel, so Kunzelmann.
Die Infektionsgefahr lauert in vielen Einsatzbereichen der Freiwilligen Feuerwehr. Zum Beispiel beim Bergen von Toten oder durch Fäkalien, die bei Hochwasser oder Havarien an die Oberfläche gespült werden. Laut Stellvertretendem Stadtbrandmeister Hagen Mooser hat es in seiner Wehr bislang zwar noch keinen Fall von Hepatitis gegeben. Dennoch hält er die von der Stadtverwaltung finanzierte Schutzmaßnahme für richtig. „Man weiß nie, auf welche Infektionsherde man trifft. In diesem Zusammenhang ist die Impfung auch eine wichtige Vorbereitung für Auslandseinsätze“ , sagt Mooser. Und ein solcher könne sich schneller ergeben, als gedacht. Kurz nach der Flutkatastrophe in Südostasien Ende 2004 sei ein brandenburgisches Feuerwehrteam zusammengestellt, der Einsatz aber wieder abgesagt worden.
Die Auswahlkriterien für die Impfkandidaten erklärt Christoph Bartoszek vom städtischen Ordnungsamt: „Wir haben zunächst die Leute herausgepickt, die besonders häufig mit Verletzten oder geborgenen Leichen in Berührung kommen. Das sind meistens Kameraden mit einer medizinischen Ausbildung.“
Anfang des Jahres hatten Feuerwehr und Stadtverwaltung noch über eine Impfung für 150 Kameraden (die RUNDSCHAU berichtete) gestritten, die wegen der knappen Finanzen nicht zustande gekommen war. Die für Herbst anvisierte Impfung ist daher ein Kompromiss. Die Kosten allein für die B-Impfung betragen laut Feuerwehr 150 Euro pro Kamerad.

Zum Thema Hepatitis
 Die Hepatitis ist eine akute Entzündung der Leber. Fettleber, Gelbsucht oder Leberzirrhose können die Folge sein. Bis auf Hepatitis C kann den verschiedenen Virentypen durch Impfung vorgebeugt werden. Nach Schätzungen werden in Deutschland jährlich etwa 50 000 neue Fälle von Hepatitis B registriert.