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| 17:09 Uhr

Sorben/Wenden
„Die Liebesgöttin allein ist es ja nicht“

Mit der bisherigen Darstellerin Peggy Nitsche, hier mit ihrer Vorgängerin Nadine Hirte (r.) nimmt auch das bekannte Liuba-Kleid, entworfen von der Lübbener Künstlerin Ingrid Groschke, Abschied von der Öffentlichkeit. Die neue Darstellerin tritt in verändertem Outfit auf.
Mit der bisherigen Darstellerin Peggy Nitsche, hier mit ihrer Vorgängerin Nadine Hirte (r.) nimmt auch das bekannte Liuba-Kleid, entworfen von der Lübbener Künstlerin Ingrid Groschke, Abschied von der Öffentlichkeit. Die neue Darstellerin tritt in verändertem Outfit auf. FOTO: Ingvil Schirling / LR
Lübben. Die Lübbener Liuba wird neu besetzt. Peggy Nitsche und Nadine Hirte nehmen Abschied und erzählen aus ihrer Zeit.

Seit Anfang der 2000er-Jahre repräsentiert die Figur der „Liuba“ die Stadt Lübben auf Messen und bei offiziellen Anlässen. Regelmäßig gibt es einen Wechsel bei der Frau, die diese Sagengestalt verkörpert. Mit der Saisoneröffnung ist die Darstellung der Liuba von Peggy Nitsche auf Kathrin Walz übergegangen. Auch ein neues Kostüm wurde dafür geschneidert (die LR berichtete). Mit dem Abschied von der Rolle ebenso wie vom bekannten lindgrünen Kleid erinnern sich Peggy Nitsche und ihre Vorgängerin Nadine Hirte an ihre Zeiten als „Liuba“.

Der Einstieg war gar nicht so leicht, blickt Nadine Hirte zurück. Sie hatte sich damals nicht um das Amt beworben, sondern war „so reingerutscht“, weil kurzfristig jemand gesucht wurde. Die größte Veränderung für sie sei gewesen, dass sie beim freien Sprechen vor Gästen, auf Messen, auch vor größeren Menschenmengen immer sicherer wurde.

Zu Anfang, erinnert sie sich, habe ihr Peggy Nitsche noch die Reden geschrieben. Mit der Zeit – und heute noch – falle es ihr immer leichter, bei der Gästebegrüßung die richtigen Worte zu finden.

Intensiv hat sich Peggy Nitsche mit der Figur beschäftigt. „Ich wollte den Menschen erklären können, wer sie eigentlich ist“, sagt sie. „Meist steht die Liebesgöttin im Fokus, aber das alleine ist es ja nicht“, sagt sie. Die „Liuba“ als diejenige, die im Frühjahr den Feldern, Tieren und Menschen die Fruchtbarkeit bringt, habe viel mehr im Vordergrund gestanden. „Für die Menschen früher war das existenziell“, sagt sie.

Wo der Name Liuba herkommt, ist letztlich offen. Ob er auf denselben Wortstamm zurückgeht wie die Namen Lübben oder Liubusua, sei nicht geklärt, sagt Peggy Nitsche. „Doch sie als Naturgöttin ähnlich wie Freya, Ostara und andere zu sehen, macht für mich am meisten Sinn.“

Eng verwoben ist die Gestalt der Liuba mit dem Lübbener Hain, sowohl durch die Sage als auch durch die Orte der Verehrung wie der Liubastein. Nach der langen Auseinandersetzung mit der Figur bleibt für Peggy Nitsche „am wichtigsten, dass es für die Menschen in Lübben von großer Bedeutung war, den Hain und die Erinnerung an Liuba zu haben.“ Selbst in Zeiten der Not sei dieser nie vollständig abgeholzt worden. Die Figur wird aus ihrer Sicht getragen von den Lübbenern.

Die Idee entstand im Jahr 2000 im Heimatverein. Ingrid Groschke schuf das Kleid dazu. „Ich bin ja froh, dass sie sich nicht an der Liuba orientiert hat, die im Sagenpark Teichland steht“, sagt Peggy Nitsche mit Schalk in den Augen. „Die hat nämlich nichts an. Das wäre etwas frisch geworden.“ Nicht wenige Saisoneröffnungen waren so kalt wie dieses Jahr. Sie sei dankbar gewesen für das lange Kleid. „Ich hatte oft Skiunterhosen darunter. Das hat keiner gemerkt.“ Das Kleid ist innen Weiß, außen Frühlingsgrün. Das Weiß stehe für die Figur als Lichtbringerin, sagt Peggy Nitsche. Das Grün stach auf jedem Gruppenbild mit gekrönten Häuptern Brandenburgs heraus, ist sie sich mit Nadine Hirte einig. „Viele tragen Ballkleider oder historische Gewänder. Unseres war irgendwie ganz anders.“

Und während bei manchen Figuren bis zum letzten Rüschchen alles sitzen musste, schwang sich die Lübbener Liuba auch mal aufs Karussel oder fuhr Riesenrad. „Der Dutt rutschte, das Kleid flog, aber Spaß hat es gemacht“, sagt Peggy Nitsche und lacht in der Erinnerung.

Unvergessen auch der Umzug zur 700-Jahrfeier der Stadt Lübbenau, der leider komplett verregnet war. Peggy Nitsche war als Liuba mit einem weiteren Lübbener Repräsentanten als Paul Gerhardt unterwegs. Beide wurden nass bis auf die Haut. „Wer kann schon von sich sagen, mit Paul Gerhardt Duschen gewesen zu sein“, sagt sie schmunzelnd.

Ganz persönlich hat sie am meisten die Veranstaltungen genossen, in denen alte Geschichten erzählt und Wissen zusammengetragen wurde. In Erinnerung ist ihr „Die Tracht tanzt“ auf dem Lübbener Burglehn – ein wunderbarer Ort und Anlass, um mit der Figur der Liuba auch mystisch in Kontakt zu kommen. Im Vergleich zu Messen, „wenn man abends ins Hotel fuhr und nur noch froh war, abschalten zu können“, sei dies „ein richtig schöner Abend gewesen. Aus solchen Terminen habe ich auch persönlich viel rausgezogen.“

Nadine Hirte erinnert sich an eine „total schöne Kahnfahrt durch den Straupitzer Schlosspark und den Johannismarkt“. Ein schöner Abschluss der Zeit als Liuba war für Peggy Nitsche der Ball der Marine im Dezember 2017 in Rostock. Auf Einladung des Landes Brandenburg habe sie die Gäste über dieses ebenso wie über Lübben und den Spreewald informieren können.

Sie sei über die Rolle als Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin „nochmal ganz anders ins Nachdenken über diese Figur gekommen“. Sie schätzt aufgrund ihrer Erlebnisse und Auseinandersetzung mit der Mythologie ein: „Es muss nicht eine ganz junge oder ganz schöne Frau sein. Die Fruchtbarkeit und das Licht zu bringen, erfordert Erfahrung und sehr viel Verantwortungsgefühl.“

Von der Figur der Liuba als Lübbener Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin gibt es sogar diese wunderbare Comiczeichnung von Rolf Noelte.
Von der Figur der Liuba als Lübbener Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin gibt es sogar diese wunderbare Comiczeichnung von Rolf Noelte. FOTO: Rolf Noelte