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| 13:17 Uhr

Waldbrände noch lange nicht gelöscht
Die Lehre von Lieberose: Zusätzliche Hubschrauber müssen bald kommen

Lieberose. Die Waldbrände in der Lieberoser Heide und bei Wiesenau bereiten den Feuerwehren weiter Kopfschmerzen. Mehr Hubschrauber würden helfen – oder Regen. Von Bodo Baumert

Mit den beiden Waldbränden in der Lieberoser Heide und bei Wiesenau an der Oder hat das Land Brandenburg derzeit zwei Großlagen am Hals. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Da aber in beiden Fällen ein Großteil der Brandfläche mit Munition belastet ist, können die Löschkräfte am Boden wenig ausrichten. Sie können lediglich – und das ist schon viel – ein weiteres Ausbreiten über die 100 beziehungsweise 130 Hektar hinaus stoppen.

Hilfe aus der Luft ist nötig

 Aus einem 30 000 Liter fassendem Faltbehälter werden Löschfahrzeuge und Hubschrauber beim Großbrand in der Lieberoser Heide betankt.
Aus einem 30 000 Liter fassendem Faltbehälter werden Löschfahrzeuge und Hubschrauber beim Großbrand in der Lieberoser Heide betankt. FOTO: dpa / Bernd Settnik

Um den Glutnestern selbst zu Laibe zu rücken, ist Hilfe aus der Luft nötig. Brandenburg hat dafür – mangels eigener Kapazitäten – Hilfe der Bundespolizei angefordert. „Die Hubschrauber der Bundespolizei sind für den Einsatz hier ideal“, sagt Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Donnerstagmorgen nach einem Rundflug über die Brandgebiete. Die Löschhubschrauber vom Typ „Super Puma“ könnten nahe der Brandflächen aus mobilen Wasserbehältern der Feuerwehren aufgetankt werden. Dadurch seien die Anflugwege kurz und ein zeitnaher Abwurf der Wassermengen über dem Einsatzort möglich.

Hubschrauber aus Holzdorf ungeeignet

Andere Hubschrauber – etwa die in Holzdorf stationierten Typen der Bundeswehr – seien dazu nicht in der Lage, erläutert Schröter. Sie seien auf größere Wasserquellen wie etwas Seen angewiesen. Deshalb habe man diesmal auch keine Hilfe der Bundeswehr angefordert.

 Stattdessen kommt in der Lieberoser Heide die Bundespolizei zum Einsatz. Ein erster „Super Puma“ war am Dienstag vom Stützpunkt Blumberg bei Berlin eingetroffen. Ein zweiter, kleinerer, Transporthelikopter folgte am Mittwoch. Am Donnerstagmorgen allerdings wurde der „Super Puma“ schon wieder abgezogen, nach Wiesenau. Stattdessen wurde ein weiterer „Super Puma“ angefordert, der allerdings erst aus Hamburg herangeflogen werden musste. Wo die drei nun im Einsatz befindlichen Helikopter genutzt werden – ob in Lieberose oder Wiesenau –, könnten die jeweiligen Einsatzleiter entscheiden, so Schröter. „Das geschieht in großer Solidarität.“

 Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD, r) und Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei, werben in Lieberose nachdrücklich für mehr Löschhubschrauber.
Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD, r) und Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei, werben in Lieberose nachdrücklich für mehr Löschhubschrauber. FOTO: dpa / Bernd Settnik

Hubschrauber fehlen der Polizei

Das Problem ist nur: So gut die Hubschrauber der Bundespolizei auch geeignet sind, eigentlich haben sie andere Aufgaben. „Jedesmal, wenn unsere Hubschrauber im Löscheinsatz sind, fehlen sie andernorts für ihre eigentlichen polizeilichen Aufgaben“, erläutert der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, beim Besuch in Lieberose.

Die Piloten hätten sich durch ihre Waldbrandeinsätze eine Kompetenz erarbeitet, die man gerne weiterhin nutze wolle, bekräftigt Schröter. Deshalb sei der jüngst von der Innenministerkronferenz angeregte Aufbau einer eigenen Löschstaffel bei der Bundespolizei eine wichtige Initiative. Schröter und Romann bekräftigten dies bei ihrem gemeinsamen Auftritt in Lieberose noch einmal deutlich.

Eigene Löschstaffel nicht zu stemmen

Die Lieberoser Heide erneut in Flammen FOTO: LR / Daniel Roßbach

Eine eigene Löschstaffel aufzubauen, sei für ein Bundesland wie Brandenburg schlicht nicht zu stemmen, wehrt der Innenminister entsprechende Nachfragen ab. Auch im Landtag hat sich dafür bisher keine Mehrheit gefunden.

Nur, wann kommt die angekündigte große Lösung für die Löschstaffel? In Lieberose könnte man sie derzeit schon gut gebrauchen. Denn ein Ende der Löscharbeiten ist nicht in Sicht. „Der Wind hat die Glutnester wieder angefacht“, berichtet Schröter nach seinem Rundflug über das Brandgebiet. Die Löschkräfte am Boden hatten am Donnerstag Mühe, das weitere Ausbreiten zu verhindern. Insgesamt rund 330 Einsatzkräfte, davon 75 des THW, waren nötig. Feuerwehren aus LDS, SPN, Cottbus und OSL waren dafür im Einsatz. Letztere wurden im Lauf des Tages durch Kräfte aus MOL ersetzt.

Löschpanzer können nicht eingesetzt werden

Auf die diskutierte Hilfe von Löschpanzern müssen die Einsatzkräfte verzichten. „Ein Großteil der Brandflächen liegt in der roten Zone“, erläutert der Innenminister. Dort habe man neben Munition auch Panzergranaten gefunden. Selbst der Löschpanzer könne deshalb in dieser Zone nicht sicher arbeiten.

Reichen denn die wenigen Hubschrauber aus, um das Feuer zu bekämpfen? „Derzeit ja“, sagt Schröter. Hilfe der Bundeswehr oder aus Welzow werde man nicht anfordern.

Bei der Einsatzleitung vor Ort sieht man das teilweise anders. „Wirklich Löschen kann dieses Feuer nur der Regen.“ Der allerdings ist derzeit in der Lausitz nicht in Sicht.