ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:52 Uhr

Regionale Versorgung
Winterschlaf? Nicht bei den Spreewälder Hofläden

Hat nicht nur für Radfahrer geöffnet: Die Milchkanne mit den Selbstbedienungsautomaten des Landwirtschaftlichen Zuchtbetriebs Reichwalde.
Hat nicht nur für Radfahrer geöffnet: Die Milchkanne mit den Selbstbedienungsautomaten des Landwirtschaftlichen Zuchtbetriebs Reichwalde. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Spreewald. Mit den sinkenden Temperaturen ändert sich nicht nur das Angebot auf den Feldern, auch Kühe geben je nach Wetterlage unterschiedlich viel Milch. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Hofläden den ganzen Winter schließen müssen – im Gegenteil. Von Liesa Hellmann

Wenn es kälter wird, halten besonders viele Fahrradfahrer beim Landwirtschaftlichen Zuchtbetrieb in Reichwalde an, erklärt Hermann Lühmann, der den Hof gemeinsam mit seiner Frau Simone Jermis führt. Denn der Raum, in dem seine beiden Selbstbedienungsautomaten stehen, sei immer gut geheizt. An dem einen Automaten kann man frische Rohmilch vom Hof abfüllen, der andere enthält regionale Fleisch- und Milchprodukte. Besonders gut verkaufe sich der Käse aus der Molkerei Jessen, der auch einen Teil der hofeigenen Milch enthält, verrät Simone Jermis.

Lühmann und Jermis haben sich ganz bewusst dafür entschieden, ihre Milch regional zu vertreiben. Sie haben viel positive Resonanz für ihre Selbstbedienungsautomaten erhalten und hoffen, dass ihr Verkaufsraum sommers wie winters ein Treffpunkt in Reichwalde wird, wie früher die Dorfläden.

Ein wenig wird die Produktauswahl auch saisonal angepasst. Während im Sommer Grillprodukte und vor Ostern Eier nicht fehlen dürfen, wird für den Winter regionaler Honig mit aufgenommen. Wie viel Milch täglich gekauft wird, ist sehr unterschiedlich. „Das können 10 oder auch 100 Liter am Tag sein, das hängt sehr stark vom Wetter ab“, sagt Hermann Lühmann. Fest steht aber, dass die Nachfrage nach Milch in den kalten Monaten deutlich steigt. Die Selbstbedienungsautomaten sind deshalb auch im Winter jeden Tag zugänglich.

Winterzeit ist Kohlzeit

Marion Pöschke bietet im Winter im Spreewaldkorb Fleißdorf allerlei Kohlsorten an.
Marion Pöschke bietet im Winter im Spreewaldkorb Fleißdorf allerlei Kohlsorten an. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Ebenfalls täglich geöffnet ist der Spreewaldkorb Fleißdorf, einer von zwei Hofläden der Göritzer Agrar GmbH. Nur in den Monaten Januar und Februar muss er schließen. Da werden zwar bereits Salat, Radieschen und Kohlrabi gepflanzt, bis zur ersten Ernte dauert es aber noch ein wenig. Im Frühling werden hauptsächlich Pflanzen aus der betriebseigenen Gärtnerei verkauft. In den Sommermonaten hat das Gemüse Hochsaison. Gurken sind sehr beliebt, vor allem bei Touristen.

Die Gurkenzeit ist nun fast vorbei, ebenso die Tomatenernte. Und im Winter? Dann beginnt die Stunde der Kohlsorten. Einige Kohlsorten und Kohlrüben können über den Winter eingelagert werden. Grünkohl und Rosenkohl werden hingegen nur frisch geerntet verkauft. „In den letzten Tagen vor Weihnachten ist Grünkohl der Renner“, erzählt Marion Pöschke, die den Hofladen leitet. Da komme es schon öfter vor, dass vorbeifahrende Autofahrer umkehren, nachdem sie einen Anhänger mit der Grünkohlernte auf dem Hof gesehen haben. Sie sagt aber auch: „Regionalität hat ihren Preis.“ Es gebe aber genügend Stammkunden und Laufkundschaft, denen kurze Produktionswege und Anbau auf „echter Erde“, wie Pöschke sagt, wichtig sind. Deshalb könne die Göritzer Agrar GmbH ihre Ernte ausschließlich auf den Märkten in der Region, an die Laufkundschaft in den Hofläden und an regionale Händlerinnen und Händler verkaufen.

Frisch von der Weide

Das Landgut Pretschen vertreibt einen Großteil seiner Produkte - darunter Gemüse, Öle, Milch und Fleischprodukte - an Bio-Großhändler, die vor allem Berliner Bioläden beliefern. Alles, was das Landgut herstellt sowie weitere Bioprodukte, die oft einen regionalen Bezug haben, bietet Carina Philipp, die den Hof gemeinsam mit ihrem Mann führt, auch in ihrem Hofladen an. Die Möglichkeit, dank eines Gewächshauses auch im Winter frischen Salat kaufen zu können, lockt auch viele Pretschener in den Laden. Im Winter sei zwar etwas weniger los, weil die Radtouristen dann ausblieben, die Stammkundschaft aus der Region besuche den Laden aber das ganze Jahr über, erzählt Carina Philipp.

Im Sommer sind auch hier Tomaten und Gurken besonders beliebt und nun im Herbst hat der Chicorée Saison. Das Highlight im Winter hingegen sind die Schlachttage. Sobald die Termine feststehen, können Kundinnen und Kunden bestellen, welches Fleisch von Schwein oder Rind sie möchten. Carina Philipp ist es wichtig, dass die Tiere nicht quer durch Europa zum Schlachten fahren müssen. Deshalb wird in Klein-Eichholz geschlachtet und das Fleisch kann direkt im Hofladen abgeholt werden. „Pro Schwein oder Rind haben wir 30 bis 40 Abnehmer. Das ganze Tier soll verwertet werden“, erläutert Philipp. Dafür kommen die Kunden aus ganz Südbrandenburg und Berlin.

Im Laden treffen dann alteingesessene Pretschener auf Großstädter - und kommen manchmal auch miteinander ins Gespräch.

Einen Hofladen mit Bio-Vollsortiment leitet Carina Philipp am Landgut Pretschen.
Einen Hofladen mit Bio-Vollsortiment leitet Carina Philipp am Landgut Pretschen. FOTO: LR / Liesa Hellmann