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Die Diskussion um den Biber bewegt die Gemüter

Biber mit unbehaartem Schwanz, Kelle genannt.
Biber mit unbehaartem Schwanz, Kelle genannt. FOTO: Fotolia
Lübben. Ein RUNDSCHAU-Beitrag zur Ausbreitung des Bibers im Spreewald ist auf Kritik von Naturschützern gestoßen. Der Mensch sei doch das Problem. Ingvil Schirling

"Warum diese dramatische Berichterstattung?", fragt beispielsweise LR-Leser Bastian Fuchs. Weder dem Menschen noch dem Tier sei damit ein Gefallen getan. Würde der Wasser- und Bodenverband "die vom Biber angenagten Gehölze als Struktur neben dem Ufer belassen, bräuchte dieser auch nicht weitere Bäume fällen", argumentiert er. Auch Thomas Fischer, Beiratsmitglied im Nabu-Kreisverband Spreewald, äußert sich kritisch und macht auf das sachgemäße Anbringen von Verbiss-Schutz aufmerksam.

Doch können überall Drahtgeflechte angebracht werden? Und wo wäre der Biber als Bereicherung für die Spreewald-Fließlandschaft vielleicht sogar sinnvoll, wo hingegen gefährdet er tatsächlich die Verkehrssicherheit?

Fragen, die der Biberbeauftragte des Landes Brandenburg beantworten könnte. Seit Mitte September 2015 gibt es zwei Biberbeauftragte im Umweltministerium, das die Lage im Übrigen wie folgt einschätzt: "Der noch zu Wendezeiten in Brandenburg fast ausgerottete Biber hat sich im Land inzwischen wieder stark vermehrt", heißt es von Landesseite. "Was zum einen ein Beleg für erfolgreiche Naturschutzarbeit ist, wird von den Unterhaltungspflichtigen an Gewässern und von Landnutzern mit Sorge beobachtet", steht in der Einleitung zum Sieben-Punkte-Programm zum Bibermanagement.

"Insbesondere die wasserbaulichen Ambitionen des nach europäischem und deutschem Naturschutzrecht streng geschützten Großnagers können an den Gewässern und Deichen zu Schäden führen und damit zu Konflikten zwischen Biber und Landnutzern." Deshalb gibt es eine Biberverordnung, geförderte Präventionsmaßnahmen und den Versuch, den Vollzug von Vergrämungsmaßnahmen auf Kreisebene zu verbessern. LR-Recherchen zufolge ist die Untere Naturschutzbehörde dabei bisher sehr zurückhaltend.

Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz im Umweltministerium, schätzt die bisherigen Schäden im Spreewald allerdings als "überschaubar" ein und als "beherrschbar durch die verantwortlichen Entscheidungsträger vor Ort".

Daher sei bisher auch keine Notwendigkeit für einen Bibermanagementplan im Spreewald gesehen worden. Bereits jetzt können ihm zufolge aufgrund des Sieben-Punkte-Planes unter bestimmten Bedingungen Vergrämungen, Lebenentnahme oder Abschuss durchgeführt werden. In der Praxis sind solche Eingriffe allerdings selten.

In einem Punkt hat Thomas Fischer vom Nabu unbestritten recht: Bei der Bebilderung des ersten LR-Artikels zum Thema war kein Biber zu sehen, sondern ein Nutria.

Die beiden Nager sind sich recht ähnlich und in der Natur manchmal schwer auseinanderzuhalten, wenn der breite Biberschwanz unter Wasser und somit nicht zu sehen ist. Im LR-Bild war allerdings eindeutig ein Nutria abgebildet. Beide Tierarten leben oft auch auf engem Raum nebeneinander. Dennoch sei hier zur Klärung dieses Sachverhalts ein Bild von beiden Tierarten gezeigt.