ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:15 Uhr

Gegen das Vergessen
Ein Mahnmal in Not: Lieberoser Gedenkstätte wartet auf Sanierung

 Peter Kotzan vor dem Museum an der Gedenkstätte für das KZ-Außenlager in Lieberose. Wenige Schritte entfernt befindet sich das Mahnmal, dessen Vorplatz mit den drei Treppenstufen dringend erneuert werden muss.
Peter Kotzan vor dem Museum an der Gedenkstätte für das KZ-Außenlager in Lieberose. Wenige Schritte entfernt befindet sich das Mahnmal, dessen Vorplatz mit den drei Treppenstufen dringend erneuert werden muss. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lieberose. Bei bröckelndem Beton wird auf Fördermittel gewartet. Nun steht die Sperrung im Raum. Von Ingvil Schirling

Drei Treppenstufen führen zu der Strukturwand hinauf, die die Vielfalt der Schicksale und Herkunftsländer der Häftlinge des damaligen KZ-Außenlagers von Sachsenhausen symbolisiert. Diese Stufen bröckeln. Sie werden zum Stolper- und damit Unfallrisiko. Vor der Strukturwand bildet ebenfalls in die Jahre gekommener Beton eine Fläche, auf der die Vegetation trotz aller Pflege einige Nahtstellen immer weiter auseinanderdrückt. Der Sanierungsbedarf ist offensichtlich.

Der kleine Vorplatz ist Teil des 1973 eröffneten Mahnmals gegen Faschismus und Krieg, zu dem am Fuß der Anhöhe ein Museum gehört, das der Lieberoser Peter Kotzan seit diesen Tagen betreut. Um den Vorplatz zu sanieren, setzte er sich mit der Amtsverwaltung Lieberose/Oberspreewald für die Antragstellung auf Fördermittel zusammen. Der erste Kostenvoranschlag belief sich auf 32 000 Euro, stammt aus dem Jahr 2016 – und wurde abgelehnt. Man verschob einiges auf später, strich anderes heraus und kam auf 25 000 Euro. Doch trotz vieler Gespräche und allgemeiner Bereitschaft ging keine der möglichen Finanzierungen aus Fördermitteln plus Eigenanteil bisher auf.

Kritische Anmerkung

 Die Stufen zum Mahnmal bröckeln. Die Erneuerung hängt unter anderem von Denkmalschutzmitteln ab.
Die Stufen zum Mahnmal bröckeln. Die Erneuerung hängt unter anderem von Denkmalschutzmitteln ab. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Statt dessen bekam die benachbarte Gedenkstätte in Jamlitz Fördermittel in Höhe von gut 100 000 Euro. Das veranlasste den Lübbener Kreistagsabgeordneten Reinhard Krüger (Die Linke) zu kritischen Anmerkungen in Bezug auf dieses – aus seiner Sicht – „Missverhältnis“ zwischen den beiden Erinnerungsorten an das Grauen der 1940er-Jahre.

Eine besondere Tragik liegt in des Lagers Doppelgeschichte. Von 1943 bis 1945 waren dort zwischen 6000 und 10 000 meist jüdische Menschen, hauptsächlich aus Polen und Ungarn, inhaftiert. Von ihnen überlebten nur etwa 400 am Ende den Krieg. An deren Ermordung erinnert aufgrund einer Entscheidung aus DDR-Zeiten das Mahnmal mit Museum nahe der Kreuzung am Ortsausgang von Lieberose – das mit dem maroden Vorplatz.

Auf dem KZ-Gelände wurde nach 1945 ein sowjetisches Speziallager eingerichtet, in dem bis 1947 von rund 10 000 Häftlingen etwa jeder Dritte starb – eine der höchsten Todesraten der Lager dieser Art, erklärt die evangelische Kirchengemeinde Lieberose und Land.

Erweiterte Gedenkstätte eingeweiht

Das Mahnmal mit Museum für den ersten grausamen Teil der Lagergeschichte entstand also in den 1970er-Jahren ein kurzes Stück entfernt mit Hilfe der Initiativgruppe um Peter Kotzan. Um auch den zweiten furchtbaren Teil der Lagergeschichte auf dem Gelände selbst zu dokumentieren und dort einen würdigen Gedenkort zu haben, wurde vergangenes Jahr in Jamlitz eine erweiterte Gedenkstätte eingeweiht.

Mündliche Zusagen, dass auch für das weit ältere Lieberoser Mahnmal Unterstützung „wohlwollend geprüft“ werden soll, gibt es seit Jahren. Doch eine Bewilligung in Schwarz auf Weiß steht bisher aus. Den neuerlichen Antrag auf Ko-Finanzierung hat die Amtsverwaltung Lieberose-Oberspreewald diese Woche zurückbekommen: Es fehlen Angaben aus denkmalschutzrechtlicher Sicht.

Während der Ausgang ungewiss ist, muss der Aufgang voraussichtlich gesperrt werden. Damit von den oft älteren Angehörigen der Ermordeten, die nach wie vor diesen Erinnerungs-Ort besuchen, wenigstens keiner fällt, während am Mahnmal gegen das Vergessen der Beton bröckelt.

 Peter Kotzan vor dem Museum an der Gedenkstätte mit Mahnmal für das KZ-Außenlager in Lieberoser. Wenige Schritte entfernt befindet sich das Mahnmal, dessen Vorplatz mit den drei Treppenstufen dringend erneuert werden muss.
Peter Kotzan vor dem Museum an der Gedenkstätte mit Mahnmal für das KZ-Außenlager in Lieberoser. Wenige Schritte entfernt befindet sich das Mahnmal, dessen Vorplatz mit den drei Treppenstufen dringend erneuert werden muss. FOTO: LR / Ingvil Schirling