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| 16:22 Uhr

Lübben
Ausbau B 87: Die Zierkirschen fallen

Zwischen Spreeuferweg/Brücke und Lohmühlengasse wird die B87 als Ernst-von-Houwald-Damm auf 350 Metern ausgebaut. Ab Mitte September entstehen als Kernpunkt zwei neue Mittelinseln als Querungshilfen, die die Fußgängerampel überflüssig machen sollen. Außerdem werden die unterirdischen Medien neu geordnet und die Fahrbahnen, Geh- und Radwege beidseitig neu hergestellt.
Zwischen Spreeuferweg/Brücke und Lohmühlengasse wird die B87 als Ernst-von-Houwald-Damm auf 350 Metern ausgebaut. Ab Mitte September entstehen als Kernpunkt zwei neue Mittelinseln als Querungshilfen, die die Fußgängerampel überflüssig machen sollen. Außerdem werden die unterirdischen Medien neu geordnet und die Fahrbahnen, Geh- und Radwege beidseitig neu hergestellt. FOTO: LR / Ingvil Schirling
Lübben. Ab September wird Lübben im Zeichen eines besonders schwierigen Straßenbaus stehen. Der Houwald-Damm bekommt zwei Mittelinseln. Die Zierkirschen müssen gefällt und durch große Bäume ersetzt werden. Von Ingvil Schirling

„Natürlich wird es ein deutlicher Einschnitt. Aber die Maßnahme ist einfach wichtig.“ Mit dieser prägnanten Zusammenfassung hat Peter Schneider (Die Stadtfraktion) eine lange Diskussion in der Lübbener Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend zum Abschluss gebracht. Drei Jahre lang war überlegt worden, wie der Ernst-von-Houwald-Damm ausgebaut, der Verkehrsfluss verbessert und die Überquerung für Radfahrer und Fußgänger erleichtert werden soll. Diese Woche präsentierte Christine Altschulze vom Planungsbüro Degat ein letztes Mal das Vorhaben, ehe es Anfang Juli ausgeschrieben und die Aufträge im August vergeben werden sollen. Bis dahin können die Lübbener den Houwald-Damm noch so genießen, wie er ist. Ab September ist dann trotz zweispuriger Baustraße mit empfindlichen Einschränkungen zu rechnen.

Auch die Axt wird angesetzt. Widerworte gegen die geplante Fällung der Zierkirschen gab es keine, auch wenn sich Andreas Rieger (CDU/Grüne) gewünscht hätte, diese Information deutlicher und klarer zu bekommen. Benjamin Kaiser (CDU/Grüne) regte an, eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei zu begründen, um die Sperrung der Durchfahrt für Lkw (eventuell schon ab 7,5 Tonnen) durchzusetzen. Das war auch eine Frage von Sabine Minetzke (Pro Lübben) gewesen, die Anwohnerin ist und bis zuletzt ihre Zweifel am gesamten Bauvorhaben vertrat.

Doch der Grundsatzbeschluss für das Vorhaben steht, ebenso der Baubeginn am 17. September, nach dem Spreewaldfest. „Als erstes wird die nördliche Baustraße hergestellt“, sagte Christine Altschulze vom Planungsbüro Degat, damit im südlichen Bereich gebaut werden kann. „Der gesamte Fußgänger- und Radfahrerverkehr wird aus der Baustelle herausgenommen.“ Blickdichte Sperrzäune sollen das absichern. Für sie geht es dann vom Spreeuferweg über die Straße und über eine Brücke und Privatgelände zum Touristischen Zentrum. Eine zweite Querung soll Fußgängern und Radfahrern auf Höhe der Gerichtsstraße ermöglicht werden.

Der Parkplatz am Houwald-Damm wird während der Bauzeit über eine provisorische Rampe quasi von oben zugänglich gemacht, von der Straße Hinter der Mauer aus. Über den Parkplatz erfolgt die Zufahrt zu den Anliegergrundstücken am Houwald-Damm, ebenso zu den Gaststätten.

Zeitlich begrenzt soll die Zufahrt zum Touristischen Zentrum und dem Hotel sowie Restaurant für Versorgungsfahrzeuge gewährleistet werden, voraussichtlich in den Morgenstunden mit einer manuellen Schranke. Ansonsten aber soll die Baustelle den Arbeitern und ihren Fahrzeugen vorbehalten sein.

Um die Baustraße herstellen zu können, muss der Houwald-Damm für etwa eine Woche komplett gesperrt werden, informierte Christine Altschulze weiter. Weil allen Beteiligten klar ist, was das für Lübben bedeutet, soll der Zeitraum möglichst über ein Wochenende gelegt werden, um die Beeinträchtigung während der Werktage so kurz wie möglich zu halten.

Für die zweispurige Baustraße werden der Gehweg und die angrenzende Fahrbahn genutzt. Die Abgrenzung erfolgt durch mobile Leitwände. Sobald sie fertig ist, wird zunächst am südlichen Abschnitt eine Spundwand gerammt, um die künftig höher liegende Straße gegen das abschüssige Gelände zu sichern. Ob das im Hochwasserfall hält, war die Sorge von Burkhard Herzke (Pro Lübben). Das werde es, versicherte die Planerin mit Verweis darauf, dass es sich um gewachsenes Gelände handele.

Anschließend soll die Schmutzwasserleitung vorgetrieben, Trinkwasser- und Gasleitung verlegt werden, Borde gesetzt, die Mittelinsel gebaut, die Schottertrag- und die Asphaltschichten aufgebracht und der Gehweg hergestellt werden.

Für den Frühsommer 2019 ist der Wechsel vorgesehen. Die Baustraße wird – diesmal ohne Vollsperrung – auf den fertigen südlichen Teil verlegt, dessen Deckschicht durch eine dicke Unterlegmatte, etwa drei bis fünf Zentimeter stark, geschützt werden soll. Erst darauf kommt der Asphalt für die Baustraße. Ziel ist es, Schäden an der frisch hergestellten neuen Straße zu vermeiden.

In den nördlichen Teil der Straße werden der Regenwasserkanal sowie Stromkabel, Telekommunikationsmedien und Leerrohre für den künftigen Breitbandausbau verlegt. Danach erfolgt der Fahrbahn- und Geh-/Radwegausbau analog zum südlichen Abschnitt. Mit der Fertigstellung der herausfordernden Baumaßnahme wird für das Jahresende 2019 gerechnet.

Spätestens dann braucht es eine neue Verkehrsführung, am besten ein ganzes Verkehrskonzept für Lübben, forderte Wolfram Beck (Pro Lübben). Auch, aber längst nicht nur, weil in die und aus der Gerichtsstraße wegen der neuen Insel nicht mehr links abgebogen werden kann.

Verkehrsinsel Lübben 4c
Verkehrsinsel Lübben 4c FOTO: DEGAT Planungsgesellschaft mbH