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Die älteste Ansicht von Lübben

Es ist ein besonderer Moment für Sascha Worf und Christina Orphal: Der Sammler übergibt Museumsleiterin Christina Orphal ein historisches Buch, das den Kupferstich der ältesten bekannten Stadtansicht von Lübben enthält. Die "Destinata Literaria et Fragmenta Lusatica" ist ein wertvolles Zeugnis der Geschichte der Stadt Lübben und der Niederlausitz.
Es ist ein besonderer Moment für Sascha Worf und Christina Orphal: Der Sammler übergibt Museumsleiterin Christina Orphal ein historisches Buch, das den Kupferstich der ältesten bekannten Stadtansicht von Lübben enthält. Die "Destinata Literaria et Fragmenta Lusatica" ist ein wertvolles Zeugnis der Geschichte der Stadt Lübben und der Niederlausitz. FOTO: Hoberg
Lübben. Das Stadt- und Regionalmuseum erhält aus den Händen eines Sammlers die historisch wertvolle Buchausgabe mit einem Kupferstich. Ingrid Hoberg

Es ist kein leichter Schritt für Sascha Wolf, sich von dem historischen Druck "Destinata Literaria et Fragmenta Lusatica" zu trennen. Das Buch enthält die Unternehmungen der Gelehrten und gesammelte alte und (damals) neue Schriften, die zur Niederlausitzer Geschichte und Gelehrsamkeit gehören. Die Jahreszahl 1738 auf der Titelseite des vergilbten Papiers bezeugt, dass es sich um historisches Dokument handelt.

"Ich bin seit 20 Jahren auf der Suche nach diesem Buch", sagt Christina Orphal, Leiterin des Stadt- und Regionalmuseums Lübben. Es seien ihr nur zwei weitere Exemplare bekannt, allerdings ohne die Stadtansicht von Lübben. Diese macht das Buch für die Museumschefin besonders wichtig. "Der Kupferstich ist die älteste Ansicht von Lübben", sagt sie und ist froh, dass frühere Besitzer das offenbar nicht erkannt haben. Sonst wäre es diesem Buch vielleicht wie anderen ergangen und der Druck wäre herausgeschnitten worden. "Ein Kupferstich hat manchmal mehr im Verkauf gebracht als das ganze Buch", ergänzt Sascha Worf. Der Wusterwerker interessiert sich für verschiedene Sammlungsgebiete, die Destinata gehört dazu. "Der Stich ist vielleicht extra für das Buch angefertigt worden - dafür spricht die Oktav-Größe", sagt Christina Orphal. Sie verweist darauf, dass das Jahr 1738 ein bedeutsames für die Niederlausitz war. "Es war das Jahr, in dem das Herzogtum Sachsen-Merseburg aufhörte, zu existieren. Der letzte Herzog war gestorben", sagt sie. Die Niederlausitz war das größte Gebiet in dem Herzogtum.

Christina Orphal ist überaus dankbar für die Übergabe der Destinata. Das betont sie mehrfach und verweist darauf, dass es in 16 Jahren der Zugehörigkeit zur TKS nur wenige Mittel zum Ankauf für die Sammlung des Museums gegeben habe, in manchem Jahr habe es gar keine Gelder gegeben. So sei die Sammlung kaum erweitert worden. "Andere Museen haben nicht wie Lübben alles verloren durch die Zerstörung. Nur noch 20 bis 30 Prozent der Unikate sind vorgefunden worden", sagt sie. Sie sei froh, dass das Museum wieder der Stadt angegliedert ist, und hofft künftig auf mehr Ankaufmittel. Es liegt ein Verzeichnis der alten Sammlung aus dem Jahr 1934 vor, danach ist manches rekonstruierbar.

Sascha Worf will mit der Übergabe des historisch wertvollen Drucks auch seine Wertschätzung für die Arbeit der Museumsleiterin zum Ausdruck bringen. "Im Museum kann mit dem Dokument gearbeitet werden", sagt er. Christina Orphal geht im nächsten Jahr in den Ruhestand.