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| 02:48 Uhr

Der Tradition und dem Erbe verbunden

Verena Lehmann aus Burg ist stolz auf ihre Tracht und stickt auch selbst dafür.
Verena Lehmann aus Burg ist stolz auf ihre Tracht und stickt auch selbst dafür. FOTO: Becker/peb1
Burg. "Dürfen wir mitmachen…?" Vorsichtig fragend, wagte sich die 14-jährige Verena mit ihrer Cousine Christin Lehmann in den Versammlungsraum, in dem die Burger Domowina-Jugendgruppe tagte und die nächsten Höhepunkte beriet. Zehn Jahre ist das her, und natürlich lautete die Antwort damals: "Klar. Peter Becker

Kommt gleich am Wochenende zum Zackensammeln!"

Von da an waren die Mädchen mittendrin in der Jugendgruppe, fühlten sich gebraucht und wichtig bei der Erfüllung der ehrenvollen Pflicht für die Burger Jugend, die wendischen Feste in eigener Regie vorzubereiten und durchzuführen. Die 1990 geborene Verena war als Einzelkind aufgewachsen, hatte aber im nahen Byhleguhre Verwandte mit etwa gleichaltrigen Kindern. Dort verbrachte sie viel Zeit auf dem Hühnerhof, tobte im ausgeschlachteten Trabant herum und lernte in der traditionsgeprägten Familie früh die wendischen Bräuche kennen. Staunend glitt ihr Blick über die Festtagstracht der Mutti, so wollte sie auch mal gehen. Dazu kam es bald: Die Vierjährige bekam die kleinste Kindertracht und durfte als Kinderpaar mit einer Freundin erstmals ganz vorn bei der Fastnacht mitmarschieren. "Es war klirrend kalt und meine Mutti und die Tante haben mich immer mal gewärmt, aber ich wollte das gar nicht, ich wollte zurück an die Spitze", erinnert sich Verena an ihren ersten Trachtenumzug. Inzwischen 13-jährig, sollte sie erstmals mit einem Jungen im Zug der Erwachsenen gehen. Ihr zugeordneter Partner war Sven Jank. "Der war viel älter und erfahrener, er hat sich sehr um mich gekümmert und mir geholfen, stets das Richtige zu machen", blickt Verena zurück, die von da an ohne Unterbrechung an der Fastnacht teilnahm. In der Burger Schule besuchte Verena bis zur sechsten Klasse den Sorbischunterricht und legte dort 2009 ihr Abitur ab. Es folgte eine Ausbildung als Physiotherapeutin, der sich in Senftenberg ein Bachelorstudium im gleichen Fachgebiet anschloss. Nebenbei trainiert sie Kinder im Gerätturnen. Immer wenn es die Zeit erlaubt, und wenn sie gebraucht wird, hilft sie in einer Lübbenauer Praxis und vervollkommnet dort ihre fachlichen Kenntnisse. Wie viele andere Mädchen auch, fühlt sie sich auf dem Rücken der Pferde richtig wohl. Jährlich ist sie dabei, wenn für die Osterreiter in Nebelschütz Pferde zur Verfügung gestellt werden. "Die haben dort gar nicht so viele Pferde für ihre großen Umzüge. So unterstützen wir aus dem Spreewald das Osterreiten in der Oberlausitz!"

Das Traditionelle ihrer Heimat, die Arbeit in der Jugendgruppe und die Pflege des Brauchtums verliert sie dabei nie aus den Augen. Bei der Burger Trachtenstickerin Christa Dziumbla ging sie in die "Lehre" und lernte ein halbes Jahr das Sticken und Binden der Haube. Eine eigene Haube zu besitzen, war ihr ehrgeiziges Ziel. Inzwischen hat sie sogar zwei: "Eine weiße für die Fastnacht und eine etwas gedecktere für das Hahnrupfen." An manchen Abenden sitzt sie und stickt nun am Rockband, ein ganz eigener soll es werden, so ganz nach ihren Vorstellungen. Inzwischen ist sie für die Jugendgruppe "zu alt" - so sieht sie sich jedenfalls. Nach zehn Jahren Arbeit in der Gruppe, im Vorstand und in verschiedenen Funktionen, sieht sie es an der Zeit, die Jüngeren heranzulassen. Verena geht aber nicht einfach von Bord, sie sucht Nachwuchs und will das bestellte Feld in guter Obhut wissen. Es ist inzwischen nicht einfacher geworden, es gibt weniger Jugend, das Interesse scheint auch ein wenig abzuflachen. Die Zeiten, als noch schüchtern um Mitarbeit gebeten wurde, scheinen erst einmal vorbei zu sein. Dennoch ist Verena überzeugt, dass die Jugendgruppe weiter besteht, wenn auch vielleicht etwas kleiner. Und sie ist ja nicht aus der Welt: Sie wird stets mit Rat und ihrer Erfahrung helfen - zu sehr ist ihr die Traditionsarbeit, das Erbe der Eltern, ans Herz gewachsen.