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| 15:02 Uhr

Tag des offenen Ateliers
Nackte Frauen und Oase der Ruhe

Ulrike Nieter aus Cahnsdorf (Stadt Luckau) hat sich auf Auftragsmalerei spezialisiert.
Ulrike Nieter aus Cahnsdorf (Stadt Luckau) hat sich auf Auftragsmalerei spezialisiert. FOTO: Andreas Staindl
Neuendorf. Der Tag des offnen Denkmals hat an den Neuendorfer See eingeladen. Und nach Cahnsdorf. Von Andreas Staindl

Kunst und Kultur in Dahme-Spreewald sind breit gefächert. Der Tag des offenen Ateliers machte das deutlich. Wer wollte, konnte sich auf spannende Angebote einlassen – etwa am Neuendorfer See.

Der Kulturverein „Neu am See“ hat ein etwa sechs Hektar großes Grundstück 2014 erworben. Aus dem einstigen Naturzeltplatz ist inzwischen eine Oase der Ruhe, aber auch der Kreativität geworden. Künstler, Architekten, Ärzte, Wissenschaftler, Unternehmer haben einen Ort geschaffen, der Begegnungen und interdisziplinären Austausch ermöglicht. Auch Kultur und Naturschutz sollen sich entfalten können. „Ich habe hier die Freiheit, die in der Stadt nicht möglich wäre“, sagt Katja Muth. „In Berlin bin ich abgelenkt, gibt es unzählige Einflüsse von außen. Das raubt Kreativität. Am See im Unterspreewald aber kann ich auftanken.“

Einige ihrer Kunstwerke – Kugelschreiberzeichnungen – hat sie am Wochenende präsentiert. Die eine Kunst gibt es nicht auf dem Areal des Vereins. „Jeder ist auf seine Art kreativ“, sagt Andreas Barthelmes. „Mit Berufen hat das meist nichts zu tun. Wer bei uns mitmacht, sucht Alternativen, will abschalten und auf andere Gedanken kommen.“

Der Berliner beschäftigt sich hauptberuflich mit Kunstlicht und Lichtkunst, ist im Verein „Mädchen für alles“. Henrik Bach ist Arzt. In Neuendorf am See versorgt er Vereinsmitglieder und Gäste mit Getränken – allerdings nicht aus dem Supermarkt. Er hat sich auf Mate Limonade – einem koffeinhaltigen Getränk sowie auf Ingwer Bier spezialisiert, die Rezepte selbst entwickelt. Idee dabei war es, „unser gutes Leitungswasser für schmackhafte Getränke zu nutzen und damit Ressourcen zu schonen“.

Etwa 50 Leute bilden den harten Kern des Vereins, wie Andreas Barthelmes sagt: „Sie wollen die Natur neu erleben oder intensiv kennenlernen, beschäftigen sich mit eigentlich banalen Dingen, die in Städten aber in Vergessenheit geraten“. Vereinsmitglieder legen Hochbeete an, experimentieren in und mit der Natur, hämmern, sägen, lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Sie eint die Vision, einen ökologisch wertvollen Ort zu schaffen.

Jan Muche gefällt das. Der Künstler ist gerade aus Spanien zurückgekehrt. Jetzt bezieht er wieder sein Domizil am Neuendorfer See. „Ich kann hier meine Zeit kreativ nutzen. In Berlin will ständig irgendjemand etwas von mir, das ist hier nicht der Fall. Das Gelände mitten in der Natur ist eine perfekte Oase der Ruhe. Auch das soziale Gefüge passt. Wir ergänzen uns wunderbar.“

Claudius Hansel sah dem Treiben auf dem Vereinsgelände aus luftiger Höhe zu. Er saß wie ein Guru im Nest auf einem Baumstumpf in etwa drei Meter Höhe. Das überdimensionale Vogelnest hatte er aus alten Lampenschirmen gefertigt. Kunst zwar nicht zum Anfassen, jedoch zum Nachdenken und miteinander ins Gespräch kommen. Diese Idee ging auf am Samstag. Der öffentliche Wanderweg führt unmittelbar am Hochsitz vorbei. „Wer sich bei uns im Verein engagiert, bekommt einen anderen Blick auf die Dinge“, sagt Andreas Barthelmes. „Es muss nicht immer aus luftiger Höhe sein.“

Die Kunstaktion „1000 Gestalten“ während des G 20 Gipfels in Hamburg war ein solches Gemeinschaftswerk, mit dem der Verein international für Aufsehen gesorgt hatte (die RUNDSCHAU berichtete). „Wir sind aber auch an Projekten mit regionalen Partnern interessiert“, sagt Lillian Rosa, „denn wir wollen langfristig hier bleiben“. Die Regisseurin kümmert sich um die Außendarstellung des Kulturvereins. „Zunehmend“, sagt sie, „nehmen Leute aus der Nachbarschaft Kontakt mit uns auf und unterstützen uns während verschiedener Aktivitäten“.

Der Tag des offenen Ateliers war eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen – auch in Cahnsdorf (Stadt Luckau). Ulrike Nieter hat Besucher in „Uschis Hühnerstall“ empfangen – einem kleinen Ausstellungsraum im ehemaligen Hühnerstall. Die 35-Jährige malt, „seit ich den Stift festhalten kann“. Seit acht Jahren ist sie freiberuflich tätig. Anfangs hat sie ausschließlich nackte Frauenkörper gemalt: „Der Bedarf hier in der Region ist aber nicht da.“ Die Frauen haben inzwischen Gesichter, auch Kleidung an.

Ulrike Nieter hat sich auf Auftragsmalerei spezialisiert. Bestellt wird zu den unterschiedlichsten Anlässen: Zur Hochzeit, der Geburt eines Kinds und der Taufe beispielsweise oder einfach, weil Jemand einem lieben Menschen danke sagen möchte. Fotografien der betreffenden Personen nimmt sie als Vorgabe für ihre Bilder. Die Werke der jungen Künstlerin sind allesamt Unikate, haben etwas Persönliches. Ein charmantes Geschenk und gefragt sind sie auf jeden Fall: „Ich habe gut zu tun.“ Sie will weiter auf sich aufmerksam machen und hat sich deshalb erstmals am Tag des offenen Ateliers beteiligt. Auftragsmalerei ist nicht ihr einziges Standbein. Ulrike Nieter fertigt Wandmalereien auf Bestellung, gestaltet Schmuck, den sie selbst entwirft. Einige ihrer Arbeiten sind in öffentlichen Einrichtungen in Luckau zu sehen. Die zweifache Mutter hat ihr Herz offenbar auch an die Kunst verloren. Fast täglich malt sie auf Leinwand. „Ich habe großen Spaß daran.“ Kontakt zu Ulrike Nieter telefonisch über 01622432160.