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| 02:50 Uhr

Der Spreewald-Gurke die Treue halten

Auf einem Anbaufeld bei Niewitz wurde die Gurkenernte eröffnet. Gisela Christl zeigt bereits gepflückte Produkte vor dem "Gurkenflieger".
Auf einem Anbaufeld bei Niewitz wurde die Gurkenernte eröffnet. Gisela Christl zeigt bereits gepflückte Produkte vor dem "Gurkenflieger". FOTO: Rüdiger Hoffmann
Lübben/Niewitz. Am Freitag ist die Gurkenerntesaison im Spreewald offiziell eröffnet worden – zwei Wochen früher als im vorigen Jahr. Auf einem Anbaufeld des Spreewaldhofes Niewitz kamen Erzeuger und Verarbeiter ins Gespräch. Rüdiger Hofmann

Die Gurken sind verschont geblieben - von Freitag, dem 13., und dem Unwetter der vergangenen Tage. "Zum Glück. Denn sonst wäre der frühzeitige Erntestart in diesem Jahr nicht möglich gewesen", sagt Christoph Knösels von der Knösels Gemüse-Erzeugung GmbH aus Kasel-Golzig. Bisher laufe alles optimal, das Wetter spiele mit. Startsignal für die rund 3200 Saisonkräfte im Spreewald, die auf einer Anbaufläche von 635 Hektar in den nächsten Wochen und Monaten das regionale grüne Gemüse ernten werden. Pro Jahr verzeichnen die Spreewald-Landwirte einen Ertrag von rund 35 000 bis 40 000 Tonnen Einleger und Schälgurken.

"Wir hoffen auf ein gutes Jahr und gehen davon aus, dass genug Spreewälder Gurken geerntet werden können, um den Bedarf der Verarbeitungsbetriebe zu decken", sagt Lutz Habermann, Geschäftsführer des Spreewaldvereins. Während der Saisoneröffnung sind neben Jana Schimke (CDU), Bundestagsabgeordnete für die Region Dahme-Spreewald, Anbaubetriebe und Verarbeiter der Schutzgemeinschaft "Spreewälder Gurken" - seit 15 Jahren als geografische Angabe geschützt - vor Ort.

Für eine gute Saison bedarf es vor allem nachts milder Temperaturen. "Da benötigen wir zwischen 15 und 20 Grad, tagsüber etwa 25, dazu regelmäßige Feuchtigkeit", erklärt Heinz-Georg Embach vom Spreewaldhof Niewitz die optimalen Bedingungen. Auf einem seiner Felder in der Nähe von Freiwalde wird bereits das erste grüne Gemüse geerntet - bäuchlings vom Gurkenflieger. Diese Erntemaschinen fahren - von Traktoren gezogen - langsam über die Felder, während Saisonkräfte auf den breiten Auslegern das Gemüse einsammeln. "Auch für die Touristen ist das ein Gaudi", sagt Thomas Goebel, Chef der Göritzer Agrar GmbH und Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg. Auf seinen Feldern können diese eine Runde über das Feld "mitfliegen", um die Einleger selbst zu pflücken.

Problematisch sehen die Anwesenden die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen, die auf Saisonkräfte aus Polen und Rumänien angewiesen sind. "Womöglich wird sich diese Entwicklung deutlich auf den Endverbraucherpreis im Lebensmittel-Einzelhandel auswirken", sagt Lutz Habermann. Auch Konrad Linkenheil, Geschäftsführer der Spreewaldkonserve Golßen GmbH, ist dieser Meinung. "Wir hoffen, dass der Verbraucher die Erhöhungen akzeptiert." Er appelliert an die Kunden: "Haltet der Spreewald-Gurke die Treue." Im Gegensatz zu anderen Produkten sei die Spreewälder Gurke an ihren Standort im hiesigen Wirtschaftsraum gebunden und könne nicht auf andere Märkte ausweichen, so Lutz Habermann vom Spreewaldverein.