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| 18:48 Uhr

Besonderer Titel
Der Schnellste unter den „harten Hunden"

Auf dem Sprung: Das Hobby von Alex Fiedler ist nicht ganz ungefährlich. Er hat sich auch schon viermal das Schlüsselbein gebrochen.
Auf dem Sprung: Das Hobby von Alex Fiedler ist nicht ganz ungefährlich. Er hat sich auch schon viermal das Schlüsselbein gebrochen. FOTO: HCCI Photography
Lübben. Alexander Fiedler hat der einstigen Motocross-Hochburg Lübben seit langem mal wieder einen Landesmeistertitel beschert.

Keine Frage: Alexander Fiedler geht dahin, wo es wehtut. Immer und immer wieder. Eine Operation an der Wirbelsäule, Probleme mit der Bandscheibe und nicht weniger als vier Schlüsselbeinbrüche zeugen davon, dass sich der 30-jährige Motocross-Pilot kaum Schonung gönnt, wenn er sich und seine Suzuki-Maschine vor das Startgatter stellt und es dann auf die Piste geht. „Wenn ich auf dem Motorrad sitze, ist alles vergessen“, sagt der gebürtige Lübbener. Dann kennt er nur eine Richtung. So schnell wie möglich ins Ziel kommen.

Das hat in der zurückliegenden Saison auch ganz ordentlich geklappt. Alexander Fiedler hat die Berlin-Brandenburg-Meisterschaft in der MX1-Klasse der Senioren gewonnen – und sich damit zum ersten Mal in seinem Leben zum Landesmeister gekürt. „Seit meinem 13. Lebensjahr fahre ich Motocross. Jetzt bin ich endlich Landesmeister in der Königsklasse“, sagt er.

Freut sich über seinen ersten Landesmeistertitel: Alexander Fiedler.
Freut sich über seinen ersten Landesmeistertitel: Alexander Fiedler. FOTO: Christian Singer-Engel

Es hat Zeiten gegeben, da galt Lübben als Hochburg des Motocross-Sports. Doch das ist lange her. „Einen Sieger aus Lübben hat es bei den Landesmeisterschaften der Männer schon lange nicht mehr gegeben“, sagt Alexander Fiedler mit Stolz, aber nicht überheblich. Jahr für Jahr hatte sich der gelernte Kfz-Mechaniker, der für den MSC Luckau an den Start geht, verbessert und im Gesamtranking immer ein Stückchen an die Krone herangepirscht. Im Jahr 2015 beendete er die Saison noch auf Platz fünf, 2016 wurde er Dritter, 2017 Zweiter, und nun hat es endlich geklappt mit dem Premierentitel für Fiedler. 293 Punkte und damit 26 Zähler mehr als der Vizemeister Dominik Schunke aus Calau und 29 Zähler mehr als der Drittplatzierte Toni Wolff aus Fürstlich Drehna konnte der Lübbener letztlich sammeln in den insgesamt sieben Saisonrennen.

Damit hat sich nicht nur der Einsatz in diesem Jahr gelohnt, unter anderem mit einem Winter-Trainingslager in Italien, sondern auch die Opferbereitschaft, die Fiedler schon sein gesamtes Sportlerleben über aufbringt. „Discobesuche finden für mich nicht statt. Die 50 Euro stecke ich lieber in die Suzuki“, hatte er vor Jahren mal in einem Interview gesagt. Und im Laufe einer Motocross-Saison muss er noch weitaus größere Geldbeträge stemmen, um im Wortsinn über die Runden zu kommen. „Es geht um Verschleißteile für das Motorrad, Sprit, Ausrüstung, Startgelder, Reisekosten. Da können schon mal 20 000 Euro in einem Jahr zusammenkommen.“ Ohne seine Sponsoren könnte er seinen Sport also gar nicht ausüben. Denn Preisgelder genießen Seltenheitswert. „Es ist brotlose Kunst.“

Nichtsdestotrotz bleibt es seine Leidenschaft. Im Training schindet sich der 30-Jährige unermüdlich, um seinen Körper für diese komplexe und intensive Ertüchtigung zu präparieren. „Wir fahren mit einem 190er-Puls“, versucht Alexander Fiedler, die Intensität greifbar zu machen. „Und das 20 Minuten lang. Freunde von mir, die oft ins Fitnessstudio gehen, haben sich mal auf die Maschine gesetzt und das Ding nach einer Runde wieder weggestellt, weil es zu anstrengend war.“ Auch Alex‘ Opa sagt: „Motocross-Fahrer sind harte Hunde. Die sind irre.“

Nächste Woche wird Alexander Fiedler in Potsdam nun offiziell geehrt. Dann geht der Landesmeister auch mal dahin, wo es nicht wehtut: auf das Siegerpodest.